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Aus unserer Arbeit:

Zur Wirtschaftlichkeit von Kurzumtriebsplantagen

Mathias Kröber, Dr. Klaus Hank, Prof. Dr. Peter Wagner

Eine anhand von aktuellen Literatur- und Praxisdaten durchgeführte Wirtschaftlichkeitsanalyse des Anbaus schnellwachsender Baumarten in Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen zeigt, dass dieser derzeit für sich betrachtet in der Mehrzahl der Fälle wirtschaftlich ist, und ab einem durchschnittlichen Ertragsniveau von 11 bis 12 Tonnen absolute Trockenmasse je Hektar und Jahr durchaus mit landwirtschaftlichen Fruchtfolgen konkurrieren kann.
Auch im Bereich der Energiepflanzenproduktion bestimmt die Wirtschaftlichkeit eines Produktionsverfahrens in entscheidendem Maße darüber, ob es sich in der landwirtschaftlichen Praxis durchsetzt oder nicht über den Status des Versuchsanbaus hinauskommt. Anhand von aktuellen Literatur- und Praxisdaten wurde die Wirtschaftlichkeit des Anbaus schnellwachsender Baumarten in Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen für einen Standort mit hohem durchschnittlichen Biomasseertragspotenzial sowohl bei Ackerfrüchten als auch bei Energieholz in der Region Mittelsachsen (Sachsen) ermittelt.
Zur Berechnung wurden sämtliche, während einer angenommenen Nutzungsdauer von 24 Jahren im Zusammenhang mit der Anlage einer Pappelplantage anfallenden, Kosten und Leistungen zusammengestellt und unsichere Variablen durch, aus den Literatur- und Praxisdaten gewonnene, Verteilungen beschrieben. Anschließend wurden im Rahmen einer Monte-Carlo-Simulation 8.000 Fälle berechnet, wobei der Kapitalwert, der sich unter dem Einfluss der für jeden Fall und jede Zufallsvariable gezogenen Realisationen und einem Kalkulationszinssatz von 3,5 Prozent ergab, nach dem Annuitätenmodell über die Nutzungsdauer verrentet wurde. Die solcherart ermittelten Annuitäten stellen den über die Nutzungsdauer zu erwartenden durchschnittlichen kalkulatorischen jährlichen Gewinn dar.
Im Ergebnis wird ersichtlich, dass auf dem untersuchten Standort die Annuität in der Mehrzahl der Fälle positive Werte erreicht. Das Minimum liegt bei -163 €/ha, das Maximum bei 529 €/ha, das arithmetische Mittel mit 142 €/ha deutlich im positiven Bereich. Ein Gewinnbeitrag größer Null wird zu fast 90 Prozent erzielt, weiterhin erreichen rund 30 Prozent der Annuitäten Werte von 200 €/ha und mehr.
Um eine Aussage zur Anbauwürdigkeit der Feldgehölze treffen zu können, müssen die Ergebnisse in einem nächsten Schritt mit um die Fläche konkurrierenden Ackerkulturen verglichen werden. Diese Gegenüberstellung sollte auf Vollkostenbasis erfolgen, um ein mit der Annuität vergleichbares Ergebnis zu erlangen.
Beim Vergleich mit der standorttypischen Fruchtfolge Winterraps - Winterweizen - Winterweizen - Wintergerste ergibt sich folgendes Bild: Auf dem betrachteten Standort erzielt die Fruchtfolge zur Ernte 2011 einen kalkulatorischen jährlichen Gewinn von rund 180 €/ha. Somit ist der Marktfruchtanbau bei einem solchen Niveau der Erträge und Preise dem Produktionsverfahren Energieholz überlegen. Fließen anstelle der Werte des Erntejahres 2011 die durchschnittlichen Erträge und Preise der Jahre 2006 bis 2010 in die Berechnung ein, erwirtschaftet der Landwirt mit der Fruchtfolge einen durchschnittlichen Gewinn von lediglich 96 Euro je Hektar und Jahr und damit rund 45 Euro je Hektar weniger im Vergleich zum Energieholzanbau.
Allgemein kann festgestellt werden, dass geringere Biomasseerträge aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen oder niedrigere Erzeugerpreise für Marktfrüchte bzw. Holzhackschnitzel die jährlichen Gewinnbeiträge der Produktionsverfahren entsprechend verringern und gleichzeitig zu einer veränderten Konkurrenzsituation führen. Umgekehrt vergrößert sich die Vorzüglichkeit eines Verfahrens gegenüber dem anderen mit der Erzielung hoher Ernteerträge bei gleichzeitig hohem Erzeugerpreisniveau. Insgesamt unterliegt der Gewinnbeitrag beim Anbau von Energieholz geringeren Schwankungen als beim Marktfruchtanbau, da die Holzbiomasseerträge auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen deutlich gleichmäßiger auftreten und sich weiterhin der Energieholzpreis auf einem recht einheitlichen Niveau (mit leicht steigender Tendenz) gefestigt hat. Eine pauschale Beurteilung der Opportunität eines Produktionsverfahrens gegenüber einem anderen ist generell nicht möglich, sondern immer im Einzelfall an den gegebenen Bedingungen zu prüfen.
Grundsätzlich können Kurzumtriebsplantagen Vorteile auf hoffernen Schlägen sowie auf Klein- und Splitterflächen bieten, da sie über die Jahre - verglichen mit Getreidekulturen - relativ wenig Aufwand für Bestandesführung und Pflege bedürfen. Auch die Ernte erfolgt nur alle drei bis fünf Jahre.

Kontakt

Postanschrift: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Naturwissenschaftliche Fakultät III
Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften
Professur für Landwirtschaftliche Betriebslehre
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Klaus Hank, 21.09.2014
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