Kostenrechnung im Zuckerrübenanbau
(KORA)

Die Zuckerrübenzeitung (dzz), Nr. 1, Januar 1999, S. 6-7

Kosten fest im Griff!
Neukonzeption der Leistungs-Kosten-Rechnung im Zuckerrübenanbau
von A. Altweck, K. Hank und P. Wagner
Professur für Unternehmensforschung und Informationsmanagement der TU München

Der Beitrag stellt Neukonzeption und Ergebnisse des Projektes „KORA" (Kostenrechnung im Rübenanbau) vor. Er gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil, erschienen in der letzten Ausgabe der dzz, wurde die Berechnung der Ergebnisse dargestellt. Im hier vorliegenden zweiten Teil werden zunächst die einzelbetrieblichen Ergebnisse eines Beispielbetriebes anhand eines Kennzahlensystems einer beurteilenden Betrachtung unterzogen und anschließend statistische Ergebnisse des Anbaujahres 1997 dargestellt.

Kennzahlensystem

Jeder Teilnehmer an KORA erhält zusätzlich zur Leistungs-Kosten-Rechnung ein, in nebenstehender Tabelle abgedrucktes, Kennzahlensystem. Dabei wird die Leistungs-Kosten-Rechnung gewissermaßen „auf den Kopf gestellt". Zunächst wird die Verwertung der Faktoren Familienarbeit (Nr. 88), Kapital (Nr. 89) und Boden (Nr. 90) betrachtet. Diese ergeben sich durch Umlegen des kalkulatorischen Gewinnes zuzüglich der darin für den jeweils betrachteten Faktor berücksichtigten Kostenansätze auf die Einsatzmenge dieses Faktors, also z.B. die Verwertung der Familienarbeit als Summe aus kalkulatorischem Gewinn und Lohnansatz für Familienarbeitskräfte geteilt durch die von Familienangehörigen geleisteten Arbeitsstunden. Bezüglich der Faktoren Familienarbeit und eingesetztem Kapital weist der Beispielbetrieb sehr hohe Verwertungen auf. Lediglich bei der Verwertung des Bodens bleibt er hinter dem Durchschnitt zurück. Da sich die dargestellten Werte auf einen Hektar Zuckerrübenfläche - und damit Boden - beziehen, müssen für eine weitergehende Analyse die die Verwertung des Faktors Boden beeinflussenden Größen kalkulatorischer Gewinn und Zinsansatz für Boden betrachtet werden.

Der kalkulatorische Gewinn ergibt sich als Differenz aus Gesamtleistung und Gesamtkosten. Ein unbefriedigendes Ergebnis kann somit durch eine geringe Gesamtleistung, durch hohe Gesamtkosten oder durch eine Kombination von beidem verursacht sein. Im folgenden sind deshalb die Leistungs- und Kostenpositionen dargestellt. Die entsprechenden Werte sind zunächst auf die Fläche in Hektar, daneben aber auch auf die Menge an erzeugtem Zucker in Tonnen bereinigtem Zuckerertrag (BZE) bezogen. In der rechten Spalte schließlich finden sich Leistungs- und Kostenanteile in Prozent. Im unteren Teil des Kennzahlensystems sind schließlich einige nicht monetäre, erfolgsbestimmende Faktoren aufgeführt. Die Daten des Kennzahlensystems sind der Leistungs-Kosten-Rechnung entnommen und mit den dort verwendeten Zeilennummern gekennzeichnet.

Der Beispielbetrieb weist mit 4.183 DM/ha (Nr. 86) einen zwar überdurchschnittlichen, aber deutlich unterhalb des obersten Viertels liegenden kalkulatorischen Gewinn auf. Verursacht wird dieses Ergebnis bei geringfügig unterdurchschnittlicher Gesamtleistung (Nr. 52) von 7.317 DM/ha durch deutlich niedrigere Gesamtkosten (Nr. 84) als der Durchschnitt der Betriebe des Verbandes. Wird zunächst die Leistungsseite genauer betrachtet, so fällt auf, dass trotz eines unterdurchschnittlichen Zuckerrübenertrages von 64,2 t/ha (Nr. 28) und eines unter dem Mittel der Betriebe liegenden bereinigten Zuckergehaltes (Nr. 36) von 15,9 % eine überdurchschnittliche direkte Leistung der Rüben (Nr. 46) erzielt wird. Dies hat seine Ursache wesentlich in einer weit überdurchschnittlichen A-Quote (Nr. 29) von 68,5 % die zu einem über dem Mittel liegenden durchschnittlichen Rübenpreis führt.

Bei den Kosten fällt vor allem der hohe Betrag (1.869 DM) und auch Anteil (59,7 %) der flächenbezogenen Kosten auf. Dieser wird wesentlich durch teures Saatgut (incl. Beize) (Nr. 54+55) sowie die Kosten für Lohnmaschinen (Nr. 63) verursacht. Die Auslagerung von Funktionen, hier des Rodens, führt jedoch gleichzeitig zu geringeren kapazitätsbezogenen Kosten (Nr. 82). Da die entsprechenden Maschinen nicht im Betrieb vorgehalten werden müssen, kommt es zu einer Verschiebung von kapazitätsbezogenen zu flächenbezogenen Kosten.

Auffällig sind sowohl beim Beispielbetrieb als auch insgesamt die geringen angesetzten Kosten für Abschreibung und Zins von Maschinen. Hier weist KORA offensichtlich noch Defizite auf. Es ist nicht plausibel, dass das am kalkulatorischen Gewinn gemessene obere Viertel der Betriebe über keine Spezialmaschinen (Nr. 75 und 78) verfügt und trotzdem lediglich Kosten für Lohnmaschinen (Nr. 63) in Höhe von 358 DM entstehen. Genausowenig ist es plausibel, dass der Beispielbetrieb zwar flächenbezogene Maschinenkosten (Nr. 61 und 62) aber keinerlei zugehörige Abschreibungs- und Zinskosten (Nr. 75, 76, 78 und 79) aufweist. Es gilt auch hier: Die Ergebnisse und deren Aussagekraft sind nur so gut wie die Qualität und Vollständigkeit der erfassten Daten. Dem Bereich der Buchung, Übertragung und Auswertung der Maschinenkostendaten wird deshalb in den nächsten Jahren besonderes Augenmerk gewidmet werden.

Der Beispielbetrieb weist trotz eines überdurchschnittlichen kalkulatorischen Gewinnes pro Hektar Zuckerrübenfläche eine unter dem Mittel des Verbandes liegende Verwertung des Faktors Boden auf. Dies hat seine Ursache in einem geringeren Zinsansatz für den Boden (= Differenz aus Nr. 90 und Nr. 86). Da dieser Zinsansatz durch Anwendung eines Kalkulationszinssatzes von 3,5 % auf den durch das 200fache der Landwirtschaftlichen Vergleichszahl (LVZ) geschätzten Wert des Bodens berechnet wird, bedeutet dies, dass der Beispielbetrieb auf Flächen mit weit unter dem Durchschnitt des Verbandes liegenden Landwirtschaftlichen Vergleichszahlen wirtschaftet. In der Kostenrechnung ist dies unmittelbar an einem niedrigen Einheitswert (Nr. 4 in der Tabelle des ersten Teils des Beitrags) erkennbar, der ebenfalls durch Anwendung eines für alle Betriebe einheitlichen Faktors aus der LVZ ermittelt wird.

Ob das Ergebnis den Betriebsleiter indes befriedigt, hängt von der Knappheit der eingesetzten Faktoren ab. Stellen auf dem Beispielbetrieb die Familienarbeit oder das Kapital die knappsten Faktoren dar, so mag der Erfolg durchaus befriedigen. Gleichwohl deuten sich Möglichkeiten einer weiteren Verbesserung des Ergebnisses durch Einsparungen bei Saatgut (Nr. 54), Düngung (Nr. 56 und 57 sowie 14+18, 15+19) und Pflanzenbehandlungsmitteln an. Sollten allerdings Einsparungen z.B. bei der Pflanzenbehandlung mit einem erhöhten Arbeitszeiteinsatz von Familienarbeitskräften verbunden sein, so führt dies zu einem Absinken der Verwertung der Familienarbeit. Es muss deshalb erwogen werden, ob noch entsprechend freie Kapazitäten an Familienarbeit zur Verfügung stehen bzw. von welchen anderen Aktivitäten - mit einer geringeren Faktorverwertung - diese abgezogen werden.

Kennzahlensystem zur Beurteilung des Zuckerrübenanbaues
Betrieb Name
Jahr 1997
Nummer Bezeichnung Einheit Betriebs-
werte
Verbandswerte Betriebswerte
Mittelwert 1. Viertel
88 Verwertung der Familienarbeit DM/AKh 765,18 659,63 568,57 bezogen auf
bereinigten
Zuckerertrag
Anteila)
89 Verwertung des eingesetzten Kapitals DM/1000 DM 455,67 263,76 250,15
90 Verwertung des Bodens DM/ha 4.361,72 4.439,36 5.138,35
    DM/ha DM/ha DM/ha DM/t BZE %
86 Kalk. Gewinn/Verlust 4.183,19 4.070,84 4.688,83 410,18  
52 Gesamtleistung 7.316,96 7.448,06 8.155,34 717,45  
46   Direkte Leistung der Rüben 6.172,44 6.114,15 6.771,26 605,23 84,36
47   Qualitätsprämien 330,92 232,63 221,33 32,45 4,52
48   Sonstige Prämien und Zulagen 151,64 396,45 402,63 14,87 2,07
49   Schnitzelwert 455,19 494,94 537,52 44,63 6,22
50   Düngerwert des Blattes 206,77 209,89 222,60 20,27 2,83
51   Hagelschäden und sonstige Entschädigungen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
84 Gesamtkosten 3.133,77 3.377,22 3.466,51 307,28  
66   Flächenbezogene Kosten 1.869,14 1.660,37 1.632,14 183,28 59,65
54     Saatgut 315,70 254,31 230,81 30,96 16,89
55     Beizmittel 0,00 23,89 0,00 0,00 0,00
56     Handelsdünger 332,62 283,62 327,16 32,61 17,80
57     Organische Dünger 0,00 31,71 110,59 0,00 0,00
58     Pflanzenbehandlungsmittel (außer Beize) 383,34 359,87 288,58 37,59 20,51
59     Lohn für Saisonarbeitskräfte 0,78 5,28 8,00 0,08 0,04
60     Zugkraft (Reparaturen, Betriebsstoffe) 109,43 125,54 117,01 10,73 5,85
61     Spezialmaschinen (Reparaturen, Betriebsstoffe) 8,20 64,87 71,95 0,80 0,44
62     Sonstige Maschinen (Reparaturen, Betriebsstoffe) 34,20 36,71 41,30 3,35 1,83
63     Lohnmaschinen 600,00 396,29 357,52 58,83 32,10
64     Sonstige flächenbezogenen Kosten 12,99 14,42 16,46 1,27 0,69
65     Zinsansatz Umlaufvermögen 71,89 63,86 62,77 7,05 3,85
70   Ertragsbezogene Kosten 94,97 92,85 109,87 9,31 3,03
68     Hagelversicherung 37,18 34,18 47,65 3,65 39,15
69     Beiträge 57,79 58,67 62,22 5,67 60,85
82   Kapazitätsbezogene Kosten 1.169,66 1.624,00 1.724,50 114,69 37,32
72     Lohn für Familienarbeitskräfte 275,69 445,07 376,59 27,03 23,57
73     Lohn für ständige Fremdarbeitskräfte 33,88 34,13 118,78 3,32 2,90
74     Abschreibung Zugkraft 60,58 64,56 65,26 5,94 5,18
75     Abschreibung Spezialmaschinen 0,00 8,81 0,00 0,00 0,00
76     Abschreibung sonstige Maschinen 0,00 34,65 51,38 0,00 0,00
77     Zinsansatz für Zugkraft 61,85 71,39 73,24 6,06 5,29
78     Zinsansatz für Spezialmaschinen 0,00 18,00 0,00 0,00 0,00
79     Zinsansatz für sonstige Maschinen 0,00 19,76 30,65 0,00 0,00
80     Zinsansatz für Boden und Gebäude 214,66 404,62 485,61 21,05 18,35
81     Sonstige Kapazitätsbereitstellungskosten 523,00 523,00 523,00 51,28 44,71
a) jeweils Anteile an nächsthöherer Kategorie
  Leistung
28   Zuckerrübenertrag t/ha 64,2 65,2 69,1    
29   Anteil A-Rüben % 68,5 50,8 60,9    
36   Bereinigter Zuckergehalt % 15,9 16,2 16,1    
37   Qualitätszahl   100,3 101,1 100,6    
  Produktion
3   Durchschnittliche Schlaggröße ha 4,0 4,6 5,2    
    ../ha ../ha ../ha ../t BZE  
14+18   Stickstoffeinsatz kg/.. 130,3 112,6 123,9 12,78  
15+19   Phosphoreinsatz kg/.. 102,7 49,4 67,8 10,07  
16+20   Kalieinsatz kg/.. 175,2 123,4 211,9 17,18  
17+21   Kalkeinsatz kg/.. 0,0 494,4 1.040,9 0  
22   Arbeitseinsatz AKh/.. 6,3 10,5 9,7 0,62  
27   Zugkrafteinsatz Sh/.. 4,8 6,9 6,8 0,47  

Ergebnisse 1997

Im folgenden werden einige Durchschnittsergebnisse für alle teilnehmenden Betriebe dargestellt. Dabei muss beachtet werden, dass die teilnehmenden Betriebe nicht repräsentativ für den süddeutschen Zuckerrübenanbau sind. Es handelt sich hierbei um einige spezielle Spitzenbetriebe, deren Ergebnisse nicht generell auf alle Rübenanbaubetriebe zu übertragen sind. So wird auf der Leistungsseite ein gut 20 % höheres Ergebnis erzielt als im süddeutschen Durchschnitt. Aussagen über die Ergebnissituation im süddeutschen Zuckerrübenanbau anhand der über KORA gewonnenen Daten sind nur bedingt möglich.

Ertrag

Mit einem durchschnittlichen Hektarertrag von 59,8 t konnten die Erheberbetriebe im Anbaujahr 1997 wieder eine sehr gute Ernte einfahren, zumal die Qualität der Rüben ausgedrückt durch die Polarisation von 18,8 Prozent überdurchschnittlich war, so dass ein Zuckerertrag von 10 t je Hektar erzielt wird. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Massenertrages und des Zuckerertrages in t/ha ab 1986. Dabei wird deutlich, dass sich der Massenertrag, mit Ausnahme des Jahres 1991, stabil um die 60 t/ha bewegt, d.h. im Beobachtungszeitraum nur minimal angestiegen ist. Hingegen konnte der Zuckerertrag im Verlauf dieses Zeitraumes von knapp über 8 auf 10 t/ha gesteigert werden, was auf eine stetige Verbesserung der Rübenqualität hinweist. Eine ausgefeilte Produktionstechnik, die vom Großteil der Erheberbetriebe beherrscht wird, kommt dem Ziel qualitativ hochwertige Rüben zu erzeugen immer näher.

Abbildung 1: Entwicklung des Rüben- und Zuckerertrages in t/ha von 1986 bis 1997 - Testbetriebe im VSZ

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Massenertrages und des Zuckerertrages in t/ha ab 1986. Dabei wird deutlich, dass sich der Massenertrag, mit Ausnahme des Jahres 1991, stabil um 60 t/ha bewegt, d.h. im Beobachtungszeitraum nur minimal angestiegen ist. Hingegen konnte der Zuckerertrag im Verlauf dieses Zeitraumes von knapp 8 auf 10 t/ha gesteigert werden, was auf eine stetige Verbesserung der Rübenqualität hinweist.

Arbeitsaufwand

Der mittlere Arbeitsaufwand wird mit 14,5 Stunden je Hektar ausgewiesen. Dieser Wert ist mit den ausgewiesenen Werten vergangener Jahre nicht vergleichbar, weil mit dem Wegfall der Heftbetriebe der Arbeitseinsatz im Zusammenhang mit Lohnmaschineneinsätzen nicht mehr erfasst wird. Abbildung 2 zeigt den Arbeitsaufwand in Abhängigkeit von der Rübenfläche. Während in früheren Jahren große Rationalisierungseffekte zwischen den kleineren Betrieben und Großbetrieben vorhanden waren, sind diese bei den Betrieben bis 5 ha Rübenfläche völlig verschwunden. Diese Betriebe, die im Durchschnitt mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 34 ha ausgestattet sind, werden überwiegend im Nebenerwerb geführt und vergeben die Arbeitserledigung weitgehend überbetrieblich. Dies führt sogar dazu, dass diese Betriebe weniger eigene Arbeitsstunden im Rübenanbau einsetzen als Betriebe mit einer Anbaufläche von über 20 ha. Diese Zahlen liefern den Beweis, dass die Zuckerrübe den Charakter einer arbeitsintensiven Kultur längst verloren hat.

Abbildung 2: Arbeitsaufwand (Familien- und ständige Fremd-AK) im Zuckerrübenanbau in Abhängigkeit von der Rübenfläche - Testbetriebe im VSZ 1997

Während in früheren Jahren große Rationalisierungseffekte zwischen den kleineren Betrieben und Großbetrieben vorhanden waren, sind diese bei den Betrieben bis 5 ha Rübenfläche völlig verschwunden.

Leistung

Leistungsbilanzierend konnte mit 7.555 DM je Hektar wieder ein gutes Ergebnis erzielt werden. Das Vorjahresniveau wurde um 380 DM übertroffen. Obwohl der A-Rübenanteil nur 61,2 % an der gesamten Anlieferungsmenge betrug, konnte dank qualitativ hochwertiger Rüben noch ein durchschnittlicher Auszahlungspreis ohne Prämien von rund 105 DM je t Rüben erzielt werden.

Kosten

Die flächenbezogenen Kosten (zur Erläuterung der Kostenarten vgl. den ersten Teil des Beitrages in dzz Nr. 6, S. 7) umfassen alle Kostenarten, die mit dem Umfang der Produktion proportional ansteigen. Für 1997 wird hier ein Wert von 1.600 DM ausgewiesen, der sich gegenüber dem Vorjahr um rund 8,5 % reduzierte. Einsparungen sind insbesondere beim organischen Dünger, Pflanzenbehandlungsmitteln, Zugkraftkosten und Lohnmaschinen festzustellen.

Zur Kategorie der ertragsbezogenen Kosten zählen die Prämien für die Hagelversicherung und die Beiträge für Verband, CMA und Förderungsfond, die lediglich 2,5 % der Gesamtkosten ausmachen.

Den größten Kostenfaktor bilden nach wie vor die kapazitätsbezogenen Kosten. Im wesentlichen sind dies die Lohn- sowie die Kapitalkosten. Mit einem mittleren Kostenaufwand von 1.913 DM je ha für das laufende Auswertungsjahr 1997 errechnet sich hier ein Rückgang um ca. 840 DM je ha gegenüber dem Vorjahr, der sich wie folgt erklären läßt: Einsparungen von ca. 250 DM ergeben sich durch den niedrigeren Arbeitsaufwand, der von 23 Stunden auf 15 Stunden je ha gesunken ist. Erklärung hierzu siehe Abschnitt „Arbeitsaufwand". Weitere 130 DM basieren auf der Minderung der Zugkraftkosten. Diese Senkung der ausgewiesenen Kosten beruht zum einen auf einer Reduzierung des Schleppereinsatzes von 14,0 auf 8,7 Stunden je ha und zum anderen auf der Umstellung des Abschreibungsmodus von Nutzungsdauer auf Nutzungspotential. Gleiches gilt bei den Maschinenkosten, die ab 1997 ebenfalls nach Nutzungspotential berechnet werden. Die Kostenreduzierung beträgt hier rund 380 DM je ha. Auf Grund der geringen Maschinenauslastung, insbesondere bei den kleineren Betrieben, wirkt sich die neue Abschreibungsmethode stark kostenmindernd aus, dürfte aber der Realität näher kommen als die bisherige Abschreibungsmethode nach Nutzungsdauer. Die sonstigen Kapazitätsbereitstellungskosten umfassen anteilige Fixkosten, wie Unterhalt und Abschreibung der Wirtschaftsgebäude, Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Steuern und Lasten und allgemeinen Betriebsaufwand. Der ausgewiesene Wert wird der Bayerischen Buchführungsstatistik - Gruppe Zuckerrübenbaubetriebe mit 60-150 ha - entnommen und beziffert sich für 1997 auf 523 DM je ha.

Als Gesamtkosten wird für das laufende Jahr 1997 ein Wert von 3.602 DM je ha ausgewiesen. Die überdurchschnittlich hohe Reduzierung der ausgewiesenen Kosten von gut 20 % gegenüber dem Vorjahr wird zum Teil durch weitere Rationalisierungseffekte im Zuckerrübenanbau, daneben aber auch durch das geänderte Berechnungsverfahren bei den Maschinenkosten verursacht. Abbildung 3 zeigt die Entwicklung der Kosten im Zuckerrübenanbau von 1973 bis 1997 auf. In erster Linie waren es die kapazitätsbezogenen Kosten, die bis Mitte der achtziger Jahre stark angestiegen sind. Eine überdimensionierte Eigenmechanisierung und hoher Arbeitseinsatz verursachten im wesentlichen diese hohen Kosten. Ende der achtziger Jahre setzte allmählich ein Umdenken ein. Durch einen Abbau der Eigenmechanisierung zugunsten von Maschinengemeinschaften und überbetrieblichen Maschineneinsätzen konnten nach und nach Kapitalkosten eingespart werden. Auch bei den flächenbezogenen Kosten wird nicht mehr um jeden Preis „volles Programm" gefahren. So sanken beispielsweise die Handelsdüngeraufwendungen von 1967 bis 1997 monetär um 60 %.

Abbildung 3: Kostenentwicklung im Zuckerrübenanbau - Testbetriebe im VSZ

In erster Linie waren es die kapazitätsbezogenen Kosten, die bis Mitte der achtziger Jahre stark angestiegen sind. Eine überdimensionierte Eigenmechanisierung und hoher Arbeitseinsatz verursachten im wesentlichen diese hohen Kosten. Ende der achtziger Jahre setzte allmählich ein Umdenken ein.

Wie aus Abbildung 4 zu erkennen ist, reduzierte sich der Aufwand an Reinnährstoffen für Stickstoff in etwa um die gleiche Größenordnung. Bei Phosphor und Kali liegen die Aufwandsreduzierungen noch höher. Für diese Entwicklung sorgte zunächst die Einführung der individuellen Qualitätsbezahlung und in den letzten Jahren dürften die Düngeempfehlungen nach der EUF-Methode verantwortlich zeichnen. Zur Düngungsintensität im Zuckerrübenanbau sei generell noch vermerkt, dass die seit etwa 20 Jahren rückläufigen Düngergaben der Testbetriebe bis jetzt keinerlei Hinweis auf negative Tendenzen bei der Ertragsentwicklung liefern. Bezüglich der Rübenqualität ist in diesem Zeitraum eine spürbare Verbesserung eingetreten, die wesentlich zum Erfolg des Rübenanbaues beigetragen hat. Wenn es Ertragseinbußen gab, so waren sie in erster Linie witterungsbedingt.

Abbildung 4: Aufwand an Reinnährstoffmengen im Zuckerrübenanbau von 1967 - 1997 - Testbetriebe im VSZ

Der Aufwand an Reinnährstoffen reduzierte sich von 1967 - 1997 um ca. 60 %. Bei Phosphor und Kali liegen die Aufwandsreduzierungen noch höher.

Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag, als Differenz aus den je Flächeneinheit erzielten Leistungen - hier einschließlich Schnitzelwert und Düngerwert des Blattes - und den flächen- und ertragsbezogenen Kosten, dient zur Deckung der kapazitätsbezogenen Kosten und des Gewinns. Der Deckungsbeitrag stellt somit eine betriebswirtschaftliche Erfolgsgröße dar, die sich zur Messung der innerbetrieblichen Wettbewerbskraft bzw. der relativen Vorzüglichkeit eines Betriebszweiges eignet. Für 1997 wird ein Wert von 5.866 DM/ha ausgewiesen, der das Vorjahresergebnis um rund 12 % verbessert. Der Zuckerrübenanbau schneidet auch hier sehr gut ab und wird von kaum einem anderen pflanzlichen Produktionsverfahren geschlagen.

Einkommensbeitrag

Auch der ausgewiesene Einkommensbeitrag liegt deutlich über dem Vorjahreswert. Die Verbesserung beträgt hier 27,4 % auf 5.221 DM. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Steigerung gegenüber dem Vorjahr differenziert betrachtet werden muss, da auf Grund der Umstellung des Berechnungsmodus bei Maschinen niedrigere Kapitalkosten (Abschreibung, Zins) ausgewiesen werden, die sich zwangsläufig auf der Gewinnseite positiv auswirken. Ein beachtlicher Teil der Einkommenssteigerung dürfte bei den vorliegenden Testbetrieben aber auch auf die straffe und konsequente Betriebsführung des Produktionsverfahrens „Zuckerrübenanbau" zurückzuführen sein. Der Zuckerrübenanbau hat bei diesen Betrieben Leitkulturcharakter, wobei davon ausgegangen werden kann, dass vom Management die Produktionstechnik voll beherrscht wird.

Wir hoffen, dass die individuellen Auswertungen für die an KORA teilnehmenden Betriebe die ein oder andere Schwachstelle noch aufzuspüren vermögen, damit sie den Herausforderungen der Zukunft noch besser gewachsen sein werden.


18.02.1999, kh