Kostenrechnung im Zuckerrübenanbau
(KORA)

Als 1964 die Ablösung der nationalen deutschen Zuckermarktordnung durch eine EWG-Zuckermarktordnung - diese trat am 1. Juli 1968 in Kraft - abzusehen war, begann der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V. (VSZ) betriebswirtschaftliche Erhebungen bei seinen Mitgliedern durchzuführen. Ziel dieser Erhebungen war es zunächst vor allem, die ermittelten Kosten des Zuckerrübenanbaus als Argument bei preispolitischen Verhandlungen einsetzen zu können. Es wurde eine Stichprobengröße von 200 Erhebungsbetriebe der damals über 80.000 Mitgliedsbetriebe des VSZ angestrebt. Die Erhebungsbetriebe sollten möglichst gleichmäßig aus allen Regionalverbänden stammen.

Ab 1967 wurde die Datenerhebung und Auswertung in Zusammenarbeit mit der TU München-Weihenstephan durchgeführt. Die Datenerfassung erfolgte über Erhebungshefte, die Auswertung wurde schon im folgenden Jahr durch elektronische Datenverarbeitung unterstützt. Dabei wurden anfangs 46 Merkmale aus den Kategorien allgemeine Daten, Arbeits- und Schleppereinsatz, Kosten pro Hektar Zuckerrüben, Kostenanteile, Ertrag und Gewinn sowie produktionstechnische Daten betrachtet. Die Werte der Einzelbetriebe wurden zunächst von Hand codiert und auf Lochkarten gestanzt. Anschließend erfolgte eine Auswertung am Großrechner mit speziell hierfür entwickelten Verrechnungsprogrammen. Mit dem Einzug von Personal Computern wurden ab 1990 die Daten am Institut in Weihenstephan mittels eines, der Heftstruktur nachempfundenen, Eingabeprogrammes in eine Datenbank eingestellt und verrechnet.

Obwohl der Umfang der berechneten Variablen im Laufe der Zeit auf über 90 Merkmale anstieg und diese vor allem wertvolle Information zur betriebswirtschaftlichen Einordnung der Zuckerrübenproduktion der Erheberbetriebe darstellten (horizontaler Betriebsvergleich), konnte die angestrebte Zahl von 200 Heften pro Jahr während der gesamten bis 1996 laufenden Hefterhebungsphase nicht erreicht werden. Ein Hemmnis dürfte vor allem die Behandlung von Fixkosten dargestellt haben. Diese waren im Laufe der Zeit absolut und anteilig stark gestiegen. Sie wurden bei KORA bis dato jedoch nur sehr grob gegliedert in wenigen Kategorien ausgewiesen und überdies weitgehend aus Daten der Bayerischen Buchführungsstatistik sowie des KTBL-Taschenbuches abgeleitet, so dass diesbezüglich kaum einzelbetriebliche Aussagen abgeleitet werden konnten.

Mit dem zunehmenden Einsatz von Schlagkarteiprogrammen auf den landwirtschaftlichen Betrieben kam Anfang der 90er Jahre von teilnehmenden Landwirten die Anregung zur elektronischen Datenerhebung über die Schlagkarteiprogramme. Dabei sollte nicht nur das manuelle Ausfüllen der Erhebungshefte in den Betriebe und das ebenfalls manuelle Eingeben der Daten in die Datenbank am Institut in Weihenstephan durch eine automatisierte Datenübergabe ersetzt werden, sondern auch der Umfang der transferierten Daten wesentlich erweitert werden, um weitergehende Auswertungen zu ermöglichen. Hierfür war eine standardisierte Schnittstelle erforderlich, die vom Institut in Weihenstephan in Zusammenarbeit mit führenden Ackerschlagkarteiherstellern unter dem Dach der Bayerischen Landesanstalt für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur (LBA) entwickelt wurde und, mit leichten Modifikationen, bis heute für den Datenaustausch zwischen Schlagkarteiprogramm auf dem Betrieb und KORA-Auswertung an der Universität verwendet wird.

1996 schließlich erfolgte eine vollständige inhaltliche Überarbeitung der KORA-Konzeption. Dabei wurden viele im Laufe der Zeit bedeutungslos gewordene Merkmale gestrichen und dafür neue, als wesentlich erachtete, Merkmale aufgenommen, Kostenpositionen zum Teil nach heutigen Anforderungen und Gegebenheiten neu geordnet und der Bereich der Fixkostenberechnung völlig neu gestaltet. Auch wurde die Ergebnisausgabe durch ein Kennzahlensystem ergänzt, das den teilnehmenden Betrieben eine Schwachstellenanalyse erleichtern soll.

Seit dem Jahr 2002 wird KORA an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgefürt.

Überblick über den heutigen Stand der Konzeption.

Alter Wein in neuen Schläuchen: Zur Schätzung der Fixkosten für Zugkraft und Maschinen

Kosten fest im Griff - Teil 1 (Kostenrechnung)

Kosten fest im Griff - Teil 2 (Kennzahlensystem und Ergebnisse 1997)

Stand: 08.05.2003, kh