Kostenrechnung im Zuckerrübenanbau
(KORA)

Konzeption
Stand: Oktober 1998

Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer (VSZ) ist bestrebt, seine Mitglieder bei der wirtschaftlichen Beurteilung des Zuckerrübenanbaues zu unterstützen. Er bietet seinen Mitgliedern hierzu die Möglichkeit der Teilnahme an einem Erhebungs- und Auswertungsprojekt auf der Basis einer Leistungs-Kosten-Rechnung ("KORA"). Für jeden Teilnehmer werden eine Reihe von wirtschaftlichen Kennzahlen ermittelt und diese anschließend statistisch analysiert. Jeder Teilnehmer erhält als Ergebnis seine Einzelergebnisse der letzten drei Jahre ("vertikaler Betriebsvergleich") und, zur persönlichen Einordnung seiner Ergebnisse, die arithmetischen Mittel sowie die Grenze des obersten Viertels bei Schichtung nach dem kalkulatorischen Gewinn des Zuckerrübenanbaues aller Teilnehmer seines Anbauverbandes ("horizontaler Betriebsvergleich").

Ein horizontaler Betriebsvergleich setzt eine zumindest hochgradige Vergleichbarkeit der betrachteten Unternehmen voraus. Diese ist aufgrund der stark unterschiedlichen Ausstattung der Einzelunternehmen im landwirtschaftlichen Bereich jedoch nicht gegeben. Diesem Problem wird traditionell damit begegnet, dass alle Ergebnisse auf einen Hektar Fläche bezogen werden. Dies ist insofern unbefriedigend, als für den Unternehmer nicht nur die wirtschaftliche Effizienz der Flächennutzung sondern auch die anderer Inputs, etwa Arbeits- und Kapitaleinsatz, von Bedeutung sind.

Um einen allzu großen Bruch zu vermeiden, wird auch weiterhin der Flächenbezug beibehalten. Zusätzlich wird jedoch als weitere Bezugsgröße der Output des Zuckerrübenanbaues, nämlich die erzeugte Zuckermenge in Form des bereinigten Zuckerertrages, herangezogen. Das Ergebnis der Vollkostenrechnung stellt der kalkulatorische Gewinn bzw. Verlust als Differenz aus Gesamtleistung und Gesamtkosten dar. Dieser kann nun sowohl auf die eingesetzte Fläche als auch auf die eingesetzte Arbeitszeit sowie das eingesetzte Kapital bezogen werden. Es ergibt sich jeweils die Verwertung des betrachteten Produktionsfaktors.

1. Leistungs-Kosten-Rechnung

Bei der Produktion von Zuckerrüben (= Leistungserstellung) erfolgt ein bestimmter Wertverzehr (= Kosten) in Form des Verbrauches von Saatgut, Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln etc. aber auch durch den Einsatz von Arbeitskräften, Maschinen und Gebäuden und nicht zuletzt durch die Bindung von Kapital. Aufgabe der Kostenrechnung ist die Erfassung, Verteilung und Zurechnung der entstehenden Kosten. Bei der Durchführung werden zunächst im Rahmen einer Kostenartenrechnung systematisch alle Kosten nach Kostenarten gegliedert erfasst. Nach der Art der verbrauchten Produktionsfaktoren können im vorliegenden Fall folgende Kostenarten unterschieden werden:

Die einzelnen Kostenarten weisen unterschiedliche Bezüge auf, so dass es im vorliegenden Fall sachgerecht erscheint, sie nach dem jeweiligen Bezug in flächenbezogene Kosten, ertragsbezogene Kosten sowie kapazitätsbezogene Kosten (= Kapazitätsbereitstellungskosten) zu differenzieren. Die flächenbezogenen Kosten umfassen dabei alle Kostenarten, die direkt den Flächeneinheiten zugewiesen werden können. Sie werden in DM/ha ausgewiesen und beinhalten die Kosten für Saatgut, Beize, Handels- und organische Dünger, Pflanzenbehandlungsmittel, den Lohn für Saisonarbeitskräfte, die Kosten für Reparaturen und Betriebsstoffe für Zugkraft, Spezial- und sonstige Maschinen, die Kosten für den Einsatz von Lohnmaschinen, sonstige flächenbezogene Kosten für Beregnung, Bodenuntersuchungen, etc. sowie einen Zinsansatz für das in diesen Kostenarten gebundene Kapital (= Umlaufvermögen).

Unter dem Begriff der ertragsbezogenen Kosten werden alle Kostenarten zusammengefasst, die in direktem Zusammenhang mit dem Zuckerrübenertrag stehen. Diese werden in DM/t Zuckerrüben notiert und bei der Ausgabe auf die Zuckerrübenfläche umgelegt. Ertragsbezogene Kosten sind im vorliegenden Fall die Versicherungskosten sowie Verbands- und sonstige ertragsbezogene Beiträge. Da diese Kosten - mit Ausnahme der Versicherungskosten - erst zum Zeitpunkt der Ernte und damit am Ende des Produktionsprozesses anfallen, kann hierbei von einer Verzinsung des gebundenen Kapitals abgesehen werden.

Unter kapazitätsbezogenen Kosten werden schließlich alle Kosten für die Bereitstellung der Kapazitäten an Arbeitskräften, Schleppern und Maschinen, Boden und Gebäude verstanden. Diese Kostenarten werden in DM/Jahr notiert. Die auf den Zuckerrübenanbau entfallenden Anteile werden bei der Ausgabe wiederum auf die Zuckerrübenfläche umgelegt. Die kapazitätsbezogenen Kosten setzen sich im vorliegenden Fall aus den Löhnen für Familien- und ständigen Fremdarbeitskräften, Abschreibungen für Zugkraft, Spezial- und sonstige Maschinen, Zinsansätzen für Zugkraft, Spezial- und sonstige Maschinen, Boden und Gebäude sowie die sonstigen Kapazitätsbereitstellungskosten zusammen. Letztere beinhalten den Unterhalt und die Abschreibung von Wirtschaftsgebäuden sowie Kosten für Strom und Wasser, Versicherungen (Brand, Haftpflicht, Mobiliar), Berufsgenossenschaft, Steuern und Lasten und einen Ansatz für allgemeinen Betriebsaufwand.

An die Erfassung der Kosten schließt sich die Verteilung auf die einzelnen Kostenstellen, in denen sie anfallen, an. Während es für ein Einzelunternehmen durchaus sinnvoll ist, jeden Schlag als eigene Kostenstelle zu betrachten und damit schlagspezifische Auswertungen vorzunehmen, bietet es sich im Hinblick auf einen horizontalen Betriebsvergleich an, alle Zuckerrübenschläge eines Unternehmens zu einer einzigen Kostenstelle Erzeugung von Zuckerrüben zusammenzufassen. Die Verteilung der Kosten auf die einzelnen Kostenstellen kann nach drei Prinzipien erfolgen: dem Kostenverursachungsprinzip, dem Prinzip der Kostentragfähigkeit sowie dem Prinzip der Durchschnittsbildung. Wo immer möglich sollte das Kostenverursachungsprinzip angewendet werden. Hierbei werden alle Kosten den sie verursachenden Kostenstellen bzw. Kostenträgern zugerechnet. Nur in Fällen, in denen eine solcherart direkte Zurechnung aufgrund fehlenden kausalen Zusammenhanges nicht möglich ist, kommen die beiden anderen Verfahren zur Anwendung. Beim Prinzip der Kostentragfähigkeit werden die nicht zurechenbaren Kosten nach dem Verhältnis der Differenzen der Leistungen abzüglich der zurechenbaren Kosten der einzelnen Produkte proportional auf diese verteilt. Beim Prinzip der Durchschnittsbildung werden die nicht zurechenbaren Kosten nach Durchschnittssätzen auf die einzelnen Produkte verteilt.

Eine Reihe von Kostenarten erfüllt die Voraussetzung eines kausalen Zusammenhanges mit der Kostenstelle Erzeugung von Zuckerrüben und kann nach dem Verursachungsprinzip zugerechnet werden. Diese werden als Spezialkosten bezeichnet. Dabei sind wiederum zwei Kategorien zu unterscheiden: Kostenarten die in direktem Zusammenhang mit dem Produktionsumfang stehen werden als proportionale Spezialkosten bezeichnet. Im vorliegenden Fall stellen alle flächenbezogenen Kosten solche proportionalen Spezialkosten dar. Alle übrigen mit der Erzeugung von Zuckerrüben verbundenen aber vom Umfang unabhängigen Kostenarten werden als disproportionale Spezialkosten bezeichnet. Diese umfassen sowohl die ertragsbezogenen Kosten als auch die nicht proportionalen Kosten für Spezialmaschinen im Zuckerrübenanbau. Alle Spezialkosten lassen sich problemlos der Kostenstelle Erzeugung von Zuckerrüben zuordnen.

Andere Kostenarten, wie etwa Löhne für ständige Arbeitskräfte oder Abschreibung und Zins auf Schlepper, betreffen jedoch mehrere Kostenstellen. Diese müssen in geeigneter Form auf die einzelnen Kostenstellen umgelegt werden. Hierbei kommen unterschiedliche Verfahren zur Anwendung. Diese werden im folgenden detailliert dargestellt.

Schließlich gilt es noch die Kostenstellenkosten auf die erzeugten Produkteinheiten (= Kostenträger) zu verteilen. Der Landwirt erzeugt Zuckerrüben. Deren Wert, also die erzielte monetäre Leistung, hängt jedoch unter anderem entscheidend von der Zuckerausbeute ab. Es bietet sich deshalb an, als Output und damit Kostenträger des betrachteten Produktionsprozesses nicht die Menge an erzeugten Zuckerrüben, sondern die Menge an erzeugtem Zucker in Form des bereinigten Zuckerertrages (BZE) heranzuziehen. Da bereits im Rahmen der Kostenstellenrechnung sämtliche mit der Erzeugung von Zuckerrüben verbundenen Kosten der entsprechenden Kostenstelle zugerechnet wurden und aus dieser Kostenstelle nur ein Produkt hervorgeht, kann dies durch einfache Division der gesamten Kostenstellenkosten durch die Anzahl der erzeugten Produkteinheiten erfolgen. Es ergeben sich die Stück- oder Selbstkosten.

Den Kosten stehen die Leistungen aus der Verwertung der Zuckerrüben gegenüber. Die naturale Leistung besteht in der Menge erzeugtem Zucker. Diese ergibt sich aus der Zuckerrübenmenge und dem bereinigten Zuckergehalt. Dabei ergibt sich leider kein einheitlicher Produktpreis. Vielmehr ist in Anbetracht der Marktregelung eine Reihe von Leistungsgrößen zu berücksichtigen. Zunächst wird der Zuckerrübenertrag um Erdanhang und Kopf-Blatt-Anteil gekürzt zur Menge an „reinen Rüben". Diese wird anschließend in verschiedene Kategorien eingeteilt. Den einzelnen Kategorien wird ein, von der Polarisation abhängiger, unternehmensspezifischer Grundpreis zugeordnet. Dabei werden bestimmte Beträge für Ausgleichszahlung und B-Produktionsabgabe einbehalten. Zusätzlich erhält der Landwirt eine Reihe von Prämien für Früh-/Spätlieferung über die Qualität bis zur Kampagne. Darüber hinaus wird das Rübenmark vergütet und meist ein Teil der im Vorjahr einbehaltenen Beträge für Ausgleichszahlung und B-Produktionsabgabe erstattet. Letzteres führt dazu, dass die Marktleistung erst lange nach der Kampagne, nämlich zum Zeitpunkt der Erstattung, korrekt ermittelt werden kann. KORA ist jedoch betriebsplanerisch nur bei zeitnahen Ergebnissen von Relevanz. Deshalb ist es erforderlich diesbezüglich geeignete Schätzungen vorzunehmen.

Wird die gesamte monetäre Leistung auf die erzeugte Zuckermenge umgelegt, so ergibt sich die Stückleistung.

2. Ermittlung der Leistung

Zur Berechnung der Leistung werden zunächst die Mengen an reinen Rüben der einzelnen Kategorien mit den zugehörigen Grundpreisen multipliziert und zur direkten Leistung der Rüben aufsummiert. Hierzu werden die Qualitätsprämien, die sonstigen Prämien und Zulagen, der Schnitzelwert, der Düngewert des Blattes sowie evtl. Entschädigungen für Hagel und Sonstiges addiert.

Mit Ausnahme des Düngewertes des Blattes ergeben sich alle Werte aus den Angaben des Landwirtes. Der Düngewert des Blattes wird durch Anwendung eines, für alle Betriebe einheitlichen, Multiplikators (1997: 0,322 DM/dt1)) auf den naturalen Rübenertrag ermittelt. Die Position Qualitätsprämien beinhaltet die Qualitätsprämie sowie die Ausbeutevergütung. Die sonstigen Prämien und Zulagen umfassen die Früh-/Spätlieferprämie, die Kampagneprämie sowie evtl. Erstattungen an Ergänzungsabgabe und B-Produktionsabgabe. Letztere werden durch Anwendung des Anteils der vorjährigen Erstattung auf die aktuellen Mengen geschätzt.

3. Ermittlung der flächenbezogenen Kosten

Die flächenbezogenen Kosten umfassen alle Kostenarten, die in kausalem Zusammenhang mit dem Zuckerrübenanbau stehen und mit dem Umfang der Produktion proportional ansteigen (= proportionale Spezialkosten). Sind die Kosten mit entsprechenden Zahlungen verknüpft (= pagatorische Kosten), so werden zur Berechnung die Einsatzmengen mit den zugehörigen Preisen multipliziert und für jede Kostenart aufsummiert:

Nach dieser einfachen Methode lassen sich die Kosten für den Einsatz von

ermitteln.

Beim Maschineneinsatz sind verschiedene Kostenarten zu unterscheiden. In Maschinen ist Kapital gebunden, das verzinst werden muss und durch den Einsatz „verbraucht" wird. Daneben ist der Einsatz mit Kosten für Reparaturen und Betriebsstoffe verbunden. Den flächenbezogenen Kosten werden davon lediglich die Kosten für Reparaturen und Betriebsstoffe zugeordnet.

Bezüglich des Einsatzes eigener Maschinen wird zwischen Schleppern, Spezial- und sonstigen Maschinen differenziert. Zur Berechnung der flächenbezogenen Kosten für Zugkraft (Schlepper) wird zunächst der Schleppereinsatz in kWh ermittelt, indem die Produkte aus Einsatzstunden im Zuckerrübenanbau und Motorleistung in kW über alle eingesetzten Schlepper aufsummiert werden. Auf diesen Wert wird anschließend ein, für alle Betriebe einheitlicher, Multiplikator (1997: 0,2490 DM je kW und Einsatzstunde) angewendet.

Bei Eigenmaschinen wird in Abhängigkeit von der Art der Maschine ein fester Betrag je Hektar Zuckerrübenfläche angesetzt (siehe Anhang 2.). Die sonstigen flächenbezogenen Kosten, z.B. der Beregnung, ergeben sich aus den Angaben der Landwirte.

Die Summe dieser Kostenartenkosten stellt das in Umlaufvermögen gebundene Kapital dar. Dieses ist zu verzinsen. Dabei wird von einem bestimmten Kapitalmarktzinssatz (1997: 8 % p.a.) sowie einer durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer von 6 Monaten ausgegangen.

4. Ermittlung der ertragsbezogenen Kosten

Zu den ertragsbezogenen Kosten zählen die Versicherungskosten sowie die Verbandsbeiträge. Die bisher in dieser Kostenkategorie zusätzlich berücksichtigten Kosten für Verladen und Transport entfallen, da diese Aktivitäten als eigenständige Produktionsverfahren bzw. unternehmerische Aktivitäten aufgefasst werden können. Die Versicherungskosten ergeben sich aus den Angaben der Landwirte. Die Verbandsbeiträge schließlich werden durch Multiplikation des Zuckerrübenertrages mit einem verbands- und jahresspezifischen Wert (1997: 0,80 - 1,20 DM/t Rüben) ermittelt.

5. Ermittlung der kapazitätsbezogenen Kosten

Zu den kapazitätsbezogenen Kosten zählen im wesentlichen die Lohn- sowie die Kapitalkosten. Der Lohn für Familien- sowie ständige Fremdarbeitskräfte im Zuckerrübenanbau ergibt sich aus der Anzahl der dort geleisteten Arbeitsstunden multipliziert mit einem Lohnansatz (1997: 37,12 DM/h). Bei den Familienarbeitskräften wird zusätzlich ein Betriebleiterzuschlag in Höhe eines bestimmten Betrages (1997: 62,50 DM) je 1.000 DM Einheitswert berücksichtigt. Der Einheitswert eines Hektars Zuckerrübenfläche wird durch Anwendung eines Faktors (1997: 37,26 DM/Punkt) aus der landwirtschaftlichen Vergleichszahl geschätzt. Der nach der Formel (1997)


berechnete Betriebsleiterzuschlag stellt damit bereits einen flächenbezogenen Wert dar.

Zur Ermittlung der Kapitalkosten für Zugkraft kommt ein neues Berechnungsverfahren auf der Basis eines Nutzungspotentiales von 8.000 Sh zur Anwendung. Es wird erwartet, dass dieses Verfahren - insbesondere in kleineren Betrieben - einen besseren Schätzwert für die tatsächlichen Kapitalkosten darstellt, als das bisher verwendete Verfahren auf der Basis einer Nutzungsdauer von 12 Jahren. Beim neuen Berechnungsverfahren wird zunächst, fußend auf empirischen Daten der Landtechnik Weihenstephan, die Nutzungsdauer in Abhängigkeit von der landwirtschaftlichen Nutzfläche nach der Funktion


kalkuliert. Diese Funktion weist für LF=0 eine Nutzungsdauer von 27,2 Jahren aus und strebt mit zunehmender Flächenausstattung (LF gegen Unendlich) exponentiell gegen eine Nutzungsdauer von 10 Jahren. Die jährlichen Kapitalkosten ergeben sich durch Anwendung des Annuitätenfaktors

mit dem Zinsfaktor q = 1 + Zinssatz/100 auf den Anschaffungspreis des Schleppers. Dabei wird wiederum ein Kapitalmarktzinssatz (1997: 8 % p.a.) unterstellt. Die Kapitalkosten pro Schlepperstunde ergeben sich durch Umlegen dieser jährlichen Kapitalkosten auf die erwartete jährliche Laufleistung. Diese ergibt sich bei einem konstanten Nutzungspotential von 8.000 Sh sowie einem jährlich gleichbleibenden Nutzungsumfang zu
nj = 8.000 Sh / N

Daraus ergeben sich die Kapitalkosten pro Schlepperstunde zu

kG = Preis a / nj

Diese beinhalten einen Abschreibungsanteil sowie einen Zinsanteil. Die Abschreibungskosten pro Schlepperstunde ergeben sich aus der Höhe des Anschaffungspreises dividiert durch das erwartete Nutzungspotential:

kA = Preis / 8.000 Sh

Die Residualgröße aus Kapital- und Abschreibungskosten pro Schlepperstunde stellt die über die Nutzungsdauer konstanten Zinskosten pro Schlepperstunde dar:

kZ = kG - kA

Zur Berechnung der Abschreibung sowie des Zinsansatzes für Zugkraft werden für sämtliche Schlepper eines Betriebes die Einsatzstunden im Zuckerrübenanbau herangezogen und mit den nach obigem Schema kalkulierten Abschreibungs- sowie Zinskosten pro Schlepperstunde bewertet.

Wird beispielsweise von einem Betrieb mit 300 ha LF ein neuer Schlepper für 100.000 DM angeschafft, so wird eine Nutzungsdauer von

N = 10,0 + 17,2 e-0,0062 * 300 = 12,7 Jahre

und eine jährliche Laufleistung von
n = 8.000 Sh / 12,7 Jahre = 631 Sh/Jahr

erwartet. Bei der erwarteten Nutzungsdauer von 12,7 Jahren sind nach dem Annuitätenmodell bei einem Kalkulationszinssatz von 8 % p.a. jährliche Kapitalkosten in Höhe von 12.840 DM. Werden diese auf die jährliche Laufleistung von 631 Sh/Jahr umgelegt, so ergeben sich Kapitalkosten pro Schlepperstunde von 20,35 DM/Sh. Diese setzen sich aus den Abschreibungen in Höhe von 100.000 DM/8.000 Sh = 12,50 DM/Sh und dem Zinsansatz von 20,35 DM - 12,50 DM = 7,85 DM/Sh zusammen.

Bezüglich der Kapitalkosten von Maschinen sind zwei Kategorien von Maschinen zu unterscheiden. Bei Spezialmaschinen für den Zuckerrübenanbau können die gesamten jährlichen Kosten der Kostenstelle Erzeugung von Zuckerrüben zugeordnet werden. Bei den übrigen Maschinen, im weiteren sonstige Maschinen genannt, dürfen lediglich die mit dem Zuckerrübenanbau in Beziehung stehenden Anteile der jährlichen Kapitalkosten dieser Kostenstelle zugewiesen werden.

Bei Spezialmaschinen erfolgt die Berechnung der jährlichen Kapitalkosten wiederum auf der Basis von Nutzungspotentialen. Dabei wird jedem durch einen Balis-Code gekennzeichneten Maschinentyp ein bestimmtes Nutzungspotential in Hektar zugeordnet. Die erwartete Nutzungsdauer ergibt sich überschlägig als Quotient aus Nutzungspotential und aktueller Zuckerrübenfläche. Leider können dabei Einsätze in Fremdbetrieben nicht berücksichtigt werden, da die den Landwirten gebotene Möglichkeit, diese in den Schlussdialogen des Prüfprogramms TESTKORA einzugeben, im Auswertungsjahr 1997 nicht genutzt wurde. Aus der erwarteten Nutzungsdauer lässt sich wiederum durch Unterstellen eines bestimmten Kapitalmarktzinssatzes (1997: 8 % p.a.) der Annuitätenfaktor berechnen, der zur Ermittlung der jährlichen Kapitalkosten auf den Anschaffungspreis angewendet wird. Die jährlichen Abschreibungskosten ergeben sich erneut durch Multiplikation des Anschaffungspreises mit dem Quotienten aus tatsächlicher Nutzung im aktuellen Jahr und dem Nutzungspotential. Die Residualgröße aus jährlichen Kapital- und Abschreibungskosten stellt die jährlichen Zinskosten dar:

kG = Preis a

kA = Preis nj / Nutzungspotential

kZ = kG - kA

Die Abschreibung und der Zinsansatz für Spezialmaschinen ergeben sich durch Summation über alle Spezialmaschinen.

Die jährlichen Kapitalkosten aller sonstigen im Zuckerrübenanbau eingesetzten Maschinen werden nach der Nutzungsdauer berechnet und nach dem Anteil der Zuckerrüben- an der gesamten Ackerfläche der Kostenstelle zugewiesen. Hierzu wird für jeden durch einen Balis-Code gekennzeichneten Maschinentyp eine bestimmte Nutzungsdauer unterstellt. Die jährlichen Kapitalkosten ergeben sich wiederum durch Anwendung des Annuitätenfaktors auf den Anschaffungspreis. Die jährlichen Abschreibungskosten ergeben sich durch Division des Anschaffungspreises durch die Nutzungsdauer. Die jährlichen Zinskosten ergeben sich wiederum als Residualgröße aus jährlichen Kapital- und Abschreibungskosten.

kG = Preis a

kA = Preis / Nutzungsdauer

kZ = kG - kA

Die Abschreibung und der Zinsansatz für sonstige Maschinen ergeben sich durch Summation über alle sonstigen im Zuckerrübenanbau eingesetzten Maschinen.

Der Zinsansatz für Boden und Gebäude ergibt sich aus zwei Komponenten. Für die Bewertung der Wirtschaftsgebäude werden die Bilanzdaten der Bayerischen Buchführungsstatistik aus der Gruppe der Zuckerrübenanbaubetriebe mit mehr als 60 ha landwirtschaftlich genutzten Fläche herangezogen. Diese Gruppe wurde gewählt, weil sie den geringsten Viehbesatz aufweist und somit dem notwendigen Bedarf an Wirtschaftsgebäuden im Zuckerrübenanbau (Maschinenhalle, Schleppergarage) am nächsten kommen dürfte. Zum Ausgleich kurzfristiger Schwankungen wird das gleitende Dreijahresmittel herangezogen. Auf die so ermittelte Kapitalbindung in Wirtschaftsgebäuden wird ein Zinsansatz für Eigenkapital (1997: 3,5 % p.a.) angewendet, so dass sich ein flächenbezogener Pauschalwert (1997: 36,16 DM/ha) ergibt.

Die Flächen werden mit dem 200fachen der landwirtschaftlichen Vergleichszahl bewertet. Hierauf wird ein Zinssatz für Eigenkapital (1997: 3,5 % p.a.) angewendet. Die sonstigen Kapazitätsbereitstellungskosten werden pauschal mit einem flächenbezogenen Betrag (1997: 523,00 DM/ha) bewertet.

6. Ergebnisse der Leistungs-Kosten-Rechnung

Werden der Gesamtleistung die Kosten aller drei Kategorien (Gesamtkosten) gegenübergestellt, so ergibt sich als Differenz der kalkulatorische Gewinn bzw. Verlust des Zuckerrübenanbaues. Da hierbei durch Berücksichtigung von Lohnansätzen für die eingesetzte Familienarbeit sowie durch Zinsansätze für das eingesetzte Kapital eine zumindest kalkulatorische Entlohnung aller eingesetzten Faktoren erfolgt, stellt diese Kennzahl die wesentliche Erfolgsgröße der Leistungs-Kosten-Rechnung dar. Bleiben hingegen die kapazitätsbezogenen Kosten, die zumeist nicht unmittelbar mit entsprechenden Auszahlungen verknüpft sind, unberücksichtigt, so ergibt sich als Differenz aus der Gesamtleistung und den flächen- sowie ertragsbezogenen Kosten der Deckungsbeitrag des Zuckerrübenanbaues.

Als Summe aus kalkulatorischem Gewinn bzw. Verlust, Zinsansatz für das eingesetzte Kapital (Umlaufvermögen, Zugkraft, Spezialmaschinen, sonstige Maschinen, Boden und Gebäude) und Lohnansatz für Familienarbeitskräfte ergibt sich der Einkommensbeitrag der Zuckerrübe. Dieser Betrag stellt die Wertschöpfung des Zuckerrübenanbaus dar und steht der Landwirtsfamilie für die Entlohnung der eingesetzten Faktoren zur Verfügung.

Die folgende Abbildung stellt diese Zusammenhänge nochmals dar. Dabei ist links die Gesamtleistung als Säule aufgetragen. Werden davon die Gesamtkosten, also die Summe aus flächen-, ertrags- und kapazitätsbezogenen Kosten, abgezogen, so ergibt sich der kalkulatorische Gewinn (2. Säule). Bei der Berechnung des Deckungsbeitrages bleiben die kapazitätsbezogenen Kosten unberücksichtigt. Hier werden von der Gesamtleistung lediglich die flächen- und ertragsbezogenen Kosten abgezogen (3. Säule). Damit lässt sich der Deckungsbeitrag alternativ als Summe aus kalkulatorischem Gewinn und kapazitätsbezogenen Kosten ermittelt. Zur Berechnung des Einkommensbeitrages werden die flächenbezogenen Kosten um den Zinsansatz für das Umlaufvermögen und die kapazitätsbezogenen Kosten um die Zinsansätze für Zugkraft, Maschinen, Boden und Gebäude sowie den Lohnansatz für die Familienangehörigen gekürzt. Diese gekürzten Beträge und die ertragsbezogenen Kosten werden von der Gesamtleistung abgezogen (rechte Säule). Alternativ kann der Einkommensbeitrag aus dem kalkulatorischen Gewinn zuzüglich sämtlicher Zinsansätze sowie des Lohnansatzes für die Familienarbeitskräfte berechnet werden.

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Die Verwertung der Familienarbeit ergibt sich durch Umlegen der Summe aus kalkulatorischem Gewinn und der darin berücksichtigten Lohnkosten für Familienangehörige auf die eingesetzten Arbeitsstunden. Die Verwertung des eingesetzten Kapitals wird durch Umlegen des kalkulatorischen Gewinnes zuzüglich der darin berücksichtigten Zinsen auf das durchschnittlich gebundene Kapital berechnet. Dieses setzt sich aus dem Umlaufvermögen, den eingesetzten Maschinen, den Wirtschaftsgebäuden sowie dem Boden zusammen. Zur Berechnung des Umlaufvermögens wird von den flächenbezogenen Kosten ausgegangen. Da das Umlaufvermögen nur etwa ein halbes Jahr gebunden ist, wird als in Umlaufvermögen gebundenes Kapital die Hälfte der flächenbezogenen Kosten ohne Zinsansatz für Umlaufvermögen herangezogen. Zur Berechnung des durchschnittlich in Maschinen gebundenen Kapitals wird von den Abschreibungen und den Zinsansätzen der drei Maschinenkategorien Schlepper, Spezial- und sonstige Maschinen ausgegangen. Der Quotient aus Zinsen und Abschreibungen steigt mit zunehmender erwarteter Nutzungsdauer an. Deshalb kann aus ihm auf die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer in der entsprechenden Maschinenkategorie geschlossen werden: Die jährlichen Kapitalkosten ergeben sich nach dem Annuitätenmodell durch Anwenden des von erwarteter Nutzungsdauer und Kalkulationszinssatz abhängigen Annuitätenfaktors auf den Neupreis der Maschinen. Wird von einer gleichmäßigen Nutzung der Maschinen über die erwartete Nutzungsdauer ausgegangen, so ist für Abschreibungen jährlich ein gleichbleibender Betrag und für Zinsen das Residuum aus Kapitalkosten und Abschreibung anzusetzen. Es gilt:


Einsetzen und Auflösen liefert die Gleichung:

Die Auflösung dieser Gleichung nach der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer N stellt ein analytisch nicht lösbares Problem dar. Die Beziehung lässt sich aber im Bereich 10 bis 34 Jahre mit hinreichender Genauigkeit, d.h. mit Abweichungen unter einem halben Jahr gegenüber den tatsächlichen Werten, durch die einfache lineare Beziehung

approximieren. Der Neuwert der Maschinen ergibt sich nach dem linearen Abschreibungsmodell als Produkt aus jährlicher Abschreibung und erwarteter Nutzungsdauer N. Davon ist durchschnittlich die Hälfte gebunden:

Einsetzen der Berechnungsformel für die durchschnittliche Nutzungsdauer N und Vereinfachen führt für das durchschnittlich in Maschinen gebundene Kapital in Abhängigkeit von Abschreibungen und Zinsen auf die Beziehung

Das solcherart ermittelte durchschnittlich gebundene Kapital kann nur bei Spezialmaschinen in Gänze der Kostenstelle Erzeugung von Zuckerrüben zugeschrieben werden. Die Schlepper und sonstigen Maschinen werden auch auf anderen Kostenstellen eingesetzt, so dass das darin gebundene Kapital nur anteilig der Kostenstelle Zuckerrübenbau zugerechnet werden kann. Dieser Anteil wird durch den Anteil der Zuckerrüben- an der Ackerfläche bestimmt.

Für Wirtschaftsgebäude wird der in der Kostenrechnung berücksichtige flächenbezogene Pauschalwert aus der Bayerischen Buchführungsstatistik herangezogen. Dieser stellt das statistische Mittel der Zeitwerte der zugrundeliegenden Zuckerrüben-Spezialbetriebe dar und kann somit direkt als Schätzer für das durchschnittlich gebundene Kapital herangezogen werden.

In den Schnittstellendateien finden sich derzeit nahezu keine Angaben zu Pachtpreisen. Deshalb werden sämtliche Zuckerrübenschläge behandelt, als ob sie im Eigentum des sie bewirtschaftenden Landwirtes stünden, was zu entsprechendem Kapitaleinsatz führt. Für das in Boden gebundene Kapital wird in Anlehnung an aktuelle Werte der Bayerischen Buchführungsstatistik das 500fache der landwirtschaftlichen Vergleichszahl (LVZ) angesetzt. Bezüglich der sonstigen kapazitätsbezogenen Kosten wird von einer sechsmonatigen Festlegung des Kapitals ausgegangen, was in einer Anrechnung der Hälfte des ausgewiesenen Betrages zum Ausdruck kommt.

7. Ergebnisausgabe

Die Ergebnisausgabe umfasst insgesamt 92 Variablen. Dabei erfolgt zunächst eine Vorstellung des Betriebes anhand allgemeiner Daten. Anschließend wird eine Reihe von produktionstechnischen Daten des Zuckerrübenanbaues im Betrieb dargestellt. Hieran schließt sich die Ausgabe relevanter Leistungsdaten sowie die Berechnung der Gesamt- und Stückleistung an. Es folgt die Ausgabe der Kosten in den drei Kategorien flächen-, ertrags- und kapazitätsbezogene Kosten sowie die Berechnung der Gesamt- und Stückkosten. Abschließend werden die Erfolgsgrößen sowie die Faktorverwertungen ausgegeben.

Insgesamt enthält jedes Ergebnistableau fünf Spalten mit Werten. Dabei werden zunächst für einen vertikalen Betriebsvergleich, also die Entwicklung des Betriebes in der Zeit, die einzelbetrieblichen Werte des aktuellen und der beiden vorangegangenen Jahre dargestellt. Für einen horizontalen Betriebsvergleich, also die Frage, wie sich das einzelbetriebliche Ergebnis des Betriebes im Vergleich zu dem aller Betriebe des Anbauverbandes ausnimmt, folgen zwei statistische Maßzahlen des Verbandes, dem der Betrieb angehört. Es sind dies der arithmetische Mittelwert jeder Ergebnisvariable und die Grenze des obersten Viertels, bei Schichtung nach dem kalkulatorischen Gewinn. Die einzelbetrieblichen Werte des aktuellen Jahres werden anschließend zu einem Kennzahlensystem aufbereitet.


1) Datenquellen siehe Anhang: Katalog der nicht betriebsspezifischen Daten für die Produktionskostenberechnung im Süddeutschen Zuckerrübenbau (20 kB)

Stand: 13.04.2000, kh