Beispielklausur für Landwirtschaftliche Betriebslehre mit Musterlösung

(Lösungen kursiv, Lösungen ohne Gewähr!)

Aufgabe 1: (4 Punkte)

Die Fa. Müller + Co. hat im Produktionsbereich des Unternehmens vier Produktionsprozesse mit folgender zeitlicher Anordnung der Ausgaben und Einnahmen (GE = Geldeinheiten):

ZeitpunktAusgaben je
Produktionsprozeß
Einnahmen je
Produktionsprozeß
t140 GE -
t260 GE-
t380 GE-
t420 GE-
t5-200 GE

Hinweis: Die neuen Produktionsprozesse der Unternehmung beginnen in t5

Ermitteln Sie den Kapitalbedarf durch Vervollständigung der Tabelle:

Zeit-
punkt
Ausgaben zu den Zeitpunkten Ausgaben
kumuliert
Einnahmen
zu den Zeitpunkten
Einnahmen kumuliert Kapital-
bedarf
t1 160 160 0 160
t2 240 400 0 400
t3 320 720 0 720
t4 80 800 0 800
t5 160 960 800 800 160
t6 240 1200 800 400
t7 320 1520 800 720
t8 80 1600 800 800
t9 160 1760 800 1600 160

Der maximale Kapitalbedarf ist vorhanden, wo die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen am größten ist.


Aufgabe 2: (2 Punkte)

a) Wie ist der Deckungsbeitrag eines Produktionsprozesses definiert?

Leistung - variable Kosten

b) Was sind variable Kosten?

Kosten, die sich mit dem Produktionsumfang ändern

c) Was sind Grenzkosten?

Kosten einer zusätzlich erzeugten Einheit

d) Was sagt das Prinzip der Nutzungskosten aus?

Kosten sind entgangener Nutzen


Aufgabe 3: (2 Punkte)

Die Gewinn- und Verlustrechnung arbeitet mit dem Begriffspaar Ertrag und Aufwand; der Saldo beider Größen ist der Gewinn.

Die Kosten-Leistungs-Rechnung arbeitet mit dem Begriffspaar Leistung und Kosten; der Saldo beider Größen ist der kalkulatorische Gewinn.


Aufgabe 4: (3 Punkte)

Bewerten Sie jeweils durch richtig (R) oder falsch (F) folgende Aussagen:

( F ) 1) Eine abnehmende Grenzrate der Substitution läßt sich durch einen linearen Funktionsverlauf charakterisieren.

( R ) 2) Die Unternehmensform GmbH ist eine Kapitalgesellschaft.

( R ) 3) Abschreibungen werden getätigt um den Werteverzehr eines Anlagegutes über die Zeit sachgerecht zu verteilen.

( F ) 4) Im Gegensatz zu AG`s unterliegen GmbH`s dem Publizitätszwang.

( R ) 5) Zentrales Begrenzungsziel von Unternehmen ist die Aufrechterhaltung der Liquidität.

( F ) 6) Das Gegenstück zum Begriff "Einzahlungen" ist der Begriff "Ausgaben".


Aufgabe 5: (5 Punkte)

Ein Unternehmen agiert auf einer linearen Funktion für die interne Rendite. Es werden 2.000.000 GE Eigenkapital eingesetzt, die einen Gewinn von 250.000 GE erbringen. Fremdkapital wird bisher nicht eingesetzt.

Die Eigenkapitalrentabilität dieses Betriebes soll durch eine kreditfinanzierte Vergrößerung des Betriebes auf 20 % angehoben werden. Auf wieviel GE muß der Gewinn dafür steigen? Der Kredit (Kredit I) hat einen Zinssatz von 7,5 %. Wie stark muß der Betrieb vergrößert werden, bzw. wieviel Kredit muß aufgenommen werden, um das gesteckte Ziel zu erreichen?

Gewinn muß auf 400 000 GE steigen (+ 150 000 GE), denn 20 % von 2 Mio EK sind 400 000.

EKR in Ausgangssituation = 12,5 %

(12,5 % - 7,5 %) x = 150 000 GE

Wie hoch ist der Betrag, mit dem ich bei (12,5 % - 7,5 %) = 5 % 150 000 GE erwirtschafte?

0,05 x = 150 000 GE

x = 3 000 000 GE

Wie ändern sich Gewinn und Eigenkapitalrentabilität, wenn darüber hinaus ein Kredit (Kredit II) von 500.000 GE zu einem Zinssatz von 10 % aufgenommen werden kann?

Gewinnänderung: x = (12,5 % - 10,0 %) 500 000 = + 12 500 GE

Gewinn: 400 000 GE + 12 500 GE = 412 500 GE

EKR: 20,625 %

Ein weiterer Kredit (Kredit III) von 500.000 GE kann wegen des steigenden Kreditrisikos nur noch zu einem Zinssatz von 15 % aufgenommen werden. Wie hoch wäre nach Aufnahme dieses Kredites die Eigenkapitalrentabilität?

EKR: 20 %

Welche Kredite sollte der Unternehmer aufnehmen und warum sollte er dies tun?

KI und KII, da Zinssatz unter interner Rendite liegt

(oder: da EKR mit KIII wieder sinkt)


Aufgabe 6: (5 Punkte)

[Mit etwas Phantasie ist diese Aufgabe auch in den landwirtschaftlichen Bereich übertragbar :-) ]

Eine Bäckerei ist auf zwei Produkte spezialisiert, Semmeln (SE) und Brezen (BR). Drei Faktoren begrenzen die Produktion:

- Arbeit, Kapazität 8 h = 480 Minuten/Tag
- Semmelformmaschine, Kapazität 4000 Stück/Tag
- Brezenformmaschine, Kapazität 1500 Stück/Tag

Die Produkte stellen folgende Ansprüche an den Produktionsfaktor Arbeit:

- pro Semmel: 0,1 Minuten = 6 Sekunden
- pro Breze: 0,2 Minuten = 12 Sekunden

Die beiden Produkte erzielen folgenden Deckungsbeitrag pro Einheit:

- Semmel: 0,20 DM
- Breze: 0,50 DM

Skizzieren Sie den zulässigen Lösungsraum und ermitteln Sie die optimale Produktkombination.

Errechnen Sie dafür den zu erzielenden Gesamtdeckungsbeitrag.

graphische Lösung


Aufgabe 7: (4 Punkte)

Der Stückpreis eines Produktes beträgt 8,00 DM. Ermitteln Sie rechnerisch und graphisch die optimale Intensität, wenn die Kostenfunktion und die Leistungsfunktion wie folgt lauten:

K = 2y2 + 3
y = Produktmenge
K = Kosten

L = P * y
L = Leistung
P = Produktpreis

a) bei welcher Produktmenge wird die optimale Intensität erreicht?

K' = L' 4y = 8
y = 2

b) wie hoch ist dabei der Gewinn?

G = L - K
= (8 * 2) - (2 * 2 2 + 3)
= 16 - 11 = 5

c) stellen Sie die Lösung graphisch dar (erstellen Sie ggf. eine Wertetabelle dafür):

graphische Lösung

ENDE DER KLAUSUR

Klaus Hank, 18.05.2016
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