Unternehmensplanspiel
Puten & Perlhühner
von Wilhelm Brandes und Helmut Müller

I. Die Spielsituation

Sie repräsentieren das Unternehmen i und sind einer von n Anbietern, die den Großmarkt Hamburg mit Puten und/oder Perlhühnern beliefern können. (n = Zahl der Gruppen, die sich am Spiel beteiligen.) Ihr Einfluss auf das Marktgeschehen ist von der Zahl der Spielteilnehmer abhängig. In der Regel wird es mehr als 10 Teilnehmer geben, so dass Sie einen Mengenanpasser repräsentieren.

Das Planspiel ist in mehrere Perioden gegliedert. Am Beginn einer Periode legen Sie Ihr Produktionsprogramm und die damit verbundenen Investitionen fest und entscheiden über Ihre dafür notwendige Finanzierung. Am Ende jeder Periode wird Ihre Produktion verkauft, und der Kapitaldienst wird fällig.

Das Planspiel läuft über 10 Perioden. Das Spiel wird vorzeitig abgebrochen, sowie die Zahl der noch am Marktgeschehen beteiligten Unternehmen unter ein Viertel der Ausgangszahl n sinkt. Sieger ist das Unternehmen, das am Ende den höchsten Eigenkapitalbestand aufweist.

II. Der Markt

Es wird ein vollkommener Markt unterstellt. Sie als Produzent können aber, bedingt durch die Produktionsdauer, nur mit einer Verzögerung von einer Periode auf den Markt reagieren. Die Grundpreise GPj bilden sich auf dem Markt in Abhängigkeit von Gesamtangebot und Nachfrage. Dabei gilt, dass die gesamte Produktion abgesetzt wird. Lagerhaltung ist nicht möglich. Die Preise bilden sich gemäß den unten dargestellten interdependenten Nachfragefunktionen:

ln X1  =  a1  -  b1 * ln GP1  +  c1 * ln GP2
ln X2  =  a2  +  b2 * ln GP1  -  c2 * ln GP2

Dabei bedeuten:

jIndex der Tierart (1=Puten, 2=Perlhühner)
Xjnachgefragte Mengen nach Puten / Perlhühnern
GPjGrundpreise von Puten / Perlhühnern
ajKonstante (enthält einen Faktor, der die Marktgröße der Teilnehmerzahl anpasst und so einen Einfluss auf den Preis verhindert)
bj, cjPreis- bzw. Kreuzpreiselastizitäten mit  1 < {b1, c2} < 2  und  0 < {b2, c1} < 0,5

Der Computer rechnet über die Funktionen und die produzierten Mengen die Grundpreise GP1 und GP2 aus.

Für die Puten errechnet sich dann aus dem Grundpeis GP1 in Abhängigkeit von der Werbung (siehe unten) der individuelle Preis P1i für das Unternehmen i. Der Perlhuhnpreis P2 schwankt zufällig um ±10% um den Grundpreis GP2. Hierzu wird mittels eines Zufallszahlengenerators eine gleichverteilte Zufallszahl gezogen. Der Einfluss der zufälligen Schwankungen auf den Preis P2 ist gegenüber der Variabilität, die durch die Produktionshöhe gegeben ist, gering. Die zufälligen Schwankungen dienen in erster Linie dazu, die Errechnung der Preiselastizitäten zu erschweren.

III. Die Produktion

Um produzieren zu können, müssen Sie investieren. Dafür stehen Ihnen die Produktionseinheiten A, B, C, D und E zur Verfügung. Sie können diese Produktionseinheiten nur in ganzen Zahlen erwerben. Mit der Produktionseinheit A können Sie sowohl Puten als auch Perlhühner produzieren. Es sind max. 20 Stück (Puten + Perlhühner) je Produktionseinheit A möglich. Die Aufteilung kann in jeder Periode geändert werden. Die Produktionseinheiten B bis E sind jeweils auf ein Produkt spezialisiert. Die Produktionseinheit A unterscheidet sich von den übrigen auch durch eine kürzere Nutzungsdauer. In Abhängigkeit von der verwendeten Produktionseinheit entstehen variable Kosten in unterschiedlicher Höhe. Über den Kapitalbedarf für die einzelnen Investitionsalternativen und die variablen Produktionskosten informiert die folgende Übersicht.

Produk-
tions-
einheit
Nutzungs-
dauer
(Perioden)
Kapazität: max. Erzeu-
gung pro Periode
und Einheit
Kapital-
bedarf
in GE
Variable Kosten
je Stück in GE
PutenPerlhühnerPutenPerlhühner
A2(Puten+Perlhühner) <= 20401010
B325--2108-
C3--25360-6
D375--15903-
E3--751800-2

Ihre Unternehmung verfügt zu Beginn des Spieles über keine Produktionsanlagen. Die gekauften Anlagen werden linear abgeschrieben und gehen mit ihren jeweiligen Restwerten in die Berechnung des Eigenkapitals mit ein.

IV. Die Werbung

Jedes Unternehmen i hat die Möglichkeit, durch Werbung und/oder Produktgestaltung, fortan Werbung genannt, für die produzierten Puten einen um einen bestimmten Betrag über dem Grundpreis GP1 liegenden individuellen Preis P1i zu erzielen. Der Werbeaufwand darf dabei max. 2 Geldeinheiten je produzierter Pute betragen.

Der Werbeerfolg, gekennzeichnet durch den Wirkungsfaktor WF, hängt vom Werbeaufwand aller Marktteilnehmer, der Werbeintensität WI, ab. Die Werbeintensität kann zwischen 0 (kein Unternehmen betreibt Werbung) und 1 (alle Unternehmen betreiben maximalen Werbeaufwand) schwanken. Gemäß der unten aufgeführten quadratischen Gleichung kann der Wirkungsfaktor zwischen 0,5 und 4,0 variieren. Für das Unternehmen i bedeutet dies: Der Wirkungsfaktor wird mit dem Werbeaufwand je Pute (=SWi) multipliziert und ergibt dann den individuellen Preisaufschlag. Ein Wirkungsfaktor von 2,0 bedeutet z.B., dass ein Unternehmen für 1 GE/Pute Werbeaufwand einen um 2 GE/Pute höheren Erlös erzielt.

Die im Planspiel unterstellten Wirkungsmechanismen der Werbung verwenden die mathematischen Beziehungen der folgenden Formeln:

Werbeintensität:WI  =  Summe des Werbeaufwandes / Summe des maximal möglichen Werbeaufwandes
Wirkungsfaktor:WF  =  3,5 * WI2  -  7 * WI  +  4
Individueller Preisaufschlag:P1i  =  GP1  +  SWi * WF

V. Auszahlungen

In jeder Periode entstehen fixe Kosten (= Auszahlungen) von 200 GE pro Unternehmung. Diese werden selbst dann fällig, wenn ein Unternehmen in einer Periode nicht produziert. Die Auszahlungen für die Investitionen und Produktion werden am Beginn der Produktionsperiode fällig. Die Auszahlungen für Zinsen und Tilgung werden am Ende der Periode fällig.

VI. Die Finanzierung

Zur Finanzierung verfügt jede Unternehmung über ein Girokonto mit einem Anfangsbestand (Startkapital) von 1.000 GE und einem Dispositions-Kreditrahmen von 2.000 GE. Daneben können Produktionsanlagen mit langfristigen Darlehen beliehen werden. Zur Wahrung der Fristenkongruenz können langfristige Darlehen nur in der Periode der Investition aufgenommen werden. Jede Unternehmung kann zur Produktion Kredite in beliebiger Stückelung zu vorgegebenen Konditionen aufnehmen.

Für die Kredite gelten die folgenden Konditionen:

Für den langfristigen Kredit dienen die Produktionseinheiten B bis E als Sicherheiten. Die großen Produktionseinheiten sind mit einem höheren Risiko verbunden, deshalb ist die Beleihungsgrenze niedriger. Die Produktionseinheit A genügt dem langfristigen Kredit nicht als Sicherheit und kann deshalb nicht beliehen werden.

VII. Alternative Anlageformen

Mittel, die während einer Periode nicht benötigt werden, können als Wertpapier-Paket für eine Periode festgelegt werden. Die Rendite dieses Wertpapier-Pakets ergibt sich für alle Unternehmen in gleicher Weise als Realisierung einer dreieckverteilten Zufallsvariablen mit einem Minimalwert von -2%, einem Modalwert von 8% sowie einem Maximalwert von 30%. Auf die Rendite haben Ereignisse der Vorperioden keinen Einfluss.

Sofern Sie während der laufenden Periode noch über liquide Mittel verfügen, werden diese automatisch mit 5% verzinst.

VIII. Die Liquidität

Ihre Unternehmung muss stets über eine ausreichende Liquidität verfügen. Bei Produktionsbeginn darf das Girokonto nur bis zur Höhe des Dispositionskredites von maximal 2.000 GE überzogen werden. Sollten am Ende einer Periode nach Auszahlung der fälligen Zinsen und Tilgungen und Einzahlung der Verkaufserlöse sowie der Rückzahlung der Geldanlage, das Girokonto im Minus stehen, dann überlebt das Unternehmen nur, wenn genügend Anlagevermögen zur Deckung, also Eigenkapital vorhanden ist.

Eine Unternehmung muss den Konkurs anmelden und scheidet aus, wenn nach Abschluss einer Periode die Verbindlichkeiten nicht mehr durch Vermögen abgedeckt werden, also eine Unterbilanz vorliegt.

IX. Der Spielablauf

X. Ein Beispiel

Jahr Investitionen
(Einheiten)
Produktion
(Stück)
Werbung
(GE)
Fremdkapital
(GE)
Kapitalanlage
(GE)
ABCDEX1X2langfr.kurzfr.
111---2520-168-250
2--11111011011019831367-
3           

Das hier vorgestellte Unternehmen ist in der ersten Periode relativ zurückhaltend. Es investiert in kleine Aggregate. Der Kreditspielraum beim langfristigen Kredit, der sich durch die Anschaffung einer Anlage vom Typ B ergibt, wird voll ausgeschöpft. Neben der Produktion setzt das Unternehmen auch ein Viertel des Startkapitals für Wertpapiere ein. Dem Unternehmen verbleibt eine Liquidität von 68 GE für die Periode.

In der zweiten Periode wird die Kapazität erheblich ausgeweitet. Mit der Anlage A, die in der ersten Periode nur für die Produktion von Perlhühner eingesetzt wurde, werden jetzt jeweils 10 Puten und 10 Perlhühner produziert. In dieser Periode setzt das Unternehmen 110 GE für Werbung (=1 GE/Pute) ein. Die Kreditmöglichkeit beim langfristigen Fremdkapital wird auch in dieser Periode voll ausgeschöpft. Neben dem noch vorhandenen Kredit aus der ersten Periode (112 GE) werden 1983 GE langfristigen Kredits neu aufgenommen. Darüber hinaus muss das Unternehmen sein Girokonto noch um 1.367 GE überziehen (kurzfristiger Kredit), damit die Liquidität hergestellt wird.

XI. Ergebnisausdruck

Nach jeder Periode erhalten Sie einen Ergebnisausdruck, in dem die wichtigsten Daten Ihrer Unternehmung aufgeführt sind. Dabei werden teilweise gerundete Werte ausgegeben; intern wird jedoch mit den genauen Werten weitergerechnet.

Unternehmen Nr.: 1

Per Puten Perlhühner Finanzsituation Rg
SX1WFX1GP1indP1SX2X2GP2RenRWR-FKLiqEK
11254.002530.0030.001252030.0014.6160112163516833
23752.3811012.8815.2637511012.884.82570137859717892
Es haben sich 5 Unternehmen am Marktgeschehen beteiligt.

Bedeutung der Abkürzungen im Ergebnisausdruck:

PerPeriode
SX1Gesamtproduktion von Puten
WFWirkungsfaktor der Werbung
X1Produktion der Unternehmung an Puten
GP1Grundpreis für Puten
indP1durch Werbung erzielter individueller Preis für Puten
SX2Gesamtproduktion von Perlhühnern
X2Produktion der Unternehmung an Perlhühnern
GP2Preis für Perlhühner (Unter Verwendung des Zufallszahlengenerators)
RenRendite für das Wertpapier-Paket
RWRestwert der Anlagegüter am Ende der Periode
R-FKHöhe des verbleibenden langfristigen Fremdkapitals am Ende der Periode
LiqLiquidität am Ende der Periode = Kontostand Ihres Girokontos
EKEigenkapital am Ende der Periode
RgRang (Position im Spiel, am Eigenkapital gemessen)

Hinweis: Die in dem Ergebnisbogen für das Beispiel ausgewiesenen Preise für Perlhühner wurden keinen Schwankungen durch den Zufallszahlengenerator unterworfen. Diese Zahlen sollen dazu dienen, Ihnen eine Vorstellung von dem möglichen Marktergebnis zu vermitteln. (Zusammenwirken von Produktionsmenge und Elastizitäten gemäß der vorgegebenen Funktionen) Durchschnittlich produzierte jedes Unternehmen 25 Puten und 25 Perlhühner in Periode 1 sowie 75 Puten und 75 Perlhühner in Periode 2.

 kh (27.04.2016) [ TOP