Der digitale Landwirt: Die Nutzung des Computers im Betriebsmanagement



Karin Rosskopf
Food and Agriculture
of the United Nations
Viale Terme di Caracalla
I-00100 Rom
krosskopf@web.de
Prof. Dr. Peter Wagner
Professur für Landwirtschaftliche
Betriebslehre
Martin-Luther-Universität Halle
06099 Halle
wagner@landw.uni-halle.de


Abstract

This paper presents the results of empirical studies about acceptance and use of computer on farms in Germany. Over the last three years a questionnaire was distributed to the visitors at the “Agrarcomputertage”, a fair for information technology in agriculture, in Lower Saxony (2002), Bavaria (2003) and Hesse (2004). This paper is displaying the results of the latest study. The focus of the empirical study in 2004 had been the role of the computer in farm management. The results of this study display, that farm management is a time-consuming and challenging task. Farmers spent on average 40 hours per month dealing with farm management. The computer is regarded as a very helpful instrument in farm management. Many farmer also get support from specialists, e.g. for book-keeping. Furthermore apart from standard software and farm software the Internet is widely used especially for getting information and for information exchange. Farmers plan to invest especially in applications of mobile computing and field management programmes. A lack of training in how to use ICT efficiently is still the main adoption barrier, confirming the results of the studies of the last few years.



1 Einführung und Konzept der empirischen Studie

Die Politik und die Medien propagieren, dass wir heute in einer Wissensgesellschaft leben, deren wichtigste Basis Informationen sind, die in digitaler Form erstellt, transferiert und gespeichert. Im Bereich der Landwirtschaft ist seit einigen Jahren ein starker Bedeutungszuwachs von digitalen Informationen etwa für die Betriebsführung oder die Prozesstechnik feststellbar. Dieser korreliert mit einer steigenden Zahl landwirtschaftlicher Betriebe, für die der Computer aus dem Betriebsalltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Verwendung des Computers durch Landwirte wird gefördert durch die immer stärkere Digitalisierung und Vernetzung in Ein- und Verkauf [Cl03] und in den vor- und nachgelagerten Teilen der Landwirtschaft. Es wurde zwar bislang in diveresen Studien der Stand der Computer- und Technologienutzung auf landwirtschaftlichen Betrieben untersucht, doch weniger seine Rolle im Betriebsmanagement, was Gegenstand dieses Beitrages sein wird. Bereits seit mehreren Jahren werden von den Autoren empirische Studien zur Akzeptanz neuer Technologien in der Landwirtschaft durchgeführt, um Einblicke in den Prozess der Digitalisierung landwirtschaftlicher Betriebe zu erhalten [RW02, RW03]. Die Datenerhebung erfolgt jeweils bei den Agrarcomputertagen, eine Fachmesse für Computertechnik in der Landwirtschaft, die jährlich in einem anderen Bundesland stattfindet. Schwerpunkte in der letztjährigen Erhebung waren Fragen zu Adaptionshemmnissen neuer Technologien, der Art der Softwarenutzung und der Bereitschaft zur Weiterbildung. Schwerpunkte des diesjährigen Beitrages werden das Investitionsverhalten der Landwirte und die Bedeutung des Computers für Aufgaben des Managements sein. Es sind demnach neue Ergebnisse zu den Investitionsabsichten in neue Software sowie deren Anforderungen und dem Zeitaufwand für Managementaufgaben sowie den Einstellungen von Landwirten zu Verwaltungserfordernissen zu erwarten. Der Vergleich der Ergebnisse im diesem Jahr mit den Studien in den vergangenen Jahren, etwa zu den Akzeptanzhemmnissen, rundet diesen Beitrag ab.


2. Ergebnisse der empirischen Erhebung

a) Daten der Grundgesamtheit

Im Jahre 2004 haben sich bei den Agrarcomputertagen in Alsfeld (Hessen) 92 Teilnehmer an der Umfrage beteiligt. Diese Zahl ist im Vergleich zu den Erhebungen in Göttingen (N=371) im Jahr 2002 und 2003 in München (N=700) deutlich geringer, was auf die geringere Besucherzahl und den begrenzteren Zeitumfang der Datenerhebung zurückzuführen ist. Von den 92 Befragten gaben 46% (n=42) an, einen Haupterwerbsbetrieb zu führen, 31 (n=34%) sind Landwirte im Nebenerwerb und die restlichen 20% sind entweder noch in Ausbildung oder im vor- bzw. nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft einschließlich Wissenschaft und Forschung tätig. Die Zahl der Nebenerwerbslandwirte ist im Vergleich zu den Vorjahren höher. Die große Mehrheit der Befragten waren Männer (90%). Von den 74 Betriebsinhabern bewirtschaften 19% einen Betrieb mit bis zu 29 ha Landfläche, 42% bis zu 99 ha Landfläche, die restlichen 39% bewirtschaften über 100 ha Landfläche (fünf Landwirte ohne Angabe). 56 Betriebe halten Tiere, hiervon 27 Milchkühe/Rinder, 13 Mastbullen, 6 Zuchtsauen, 9 Mastschweine und einer Geflügel. Ein Computer ist auf 62 Betrieben (84%) vorhanden, 54 Betriebe (dies sind 84% der Betriebe mit Computer) verfügen zudem über einen Internetzugang. Das Bildungsniveau unter den Befragten ist hoch: Mehr als 2/3 der teilnehmenden Personen haben entweder einen Meister-, Techniker- oder Hochschulabschluss. Alleine aus diesen Angaben ist zu ersehen, dass eine Representativität für die Landwirtschaft nicht erwartet werden kann. Die Ergebnisse sind allenfalls typisch für computernutzende Landwirte.


b) Der Computer als Instrument im Betriebsmanagement

Das Management eines landwirtschaftlichen Betriebes ist zu einer komplexen Aufgabe geworden, die Fachwissen und Zeit erfordert. Von den 71 Landwirten in der Befragung gaben 80% an, dass Ihrer Meinung nach der Verwaltungsaufwand für landwirtschaftliche Betriebe in den letzten Jahren zugenommen hat. In dieser empirischen Studie wurde untersucht, welcher Verwaltungsaufwand im Einzelnen zu bewältigen ist. Abb.1 zeigt die Art der Tätigkeiten und die dafür aufgewendete durchschnittliche Stundenzahl pro Monat.

Abb. 1

Abb. 1: Durchschnittlicher Zeitaufwand pro Monat für die Verwaltung eines landwirtschaftlichen Betriebes


Addiert man die Mittelwerte, so erhält man einen durchschnittlichen Gesamtaufwand von 42 Stunden im Monat, also etwas mehr als einen Tag pro Woche. Die Addition der jeweiligen Mediane liefert einen Wert von 25 Stunden. Aus den ermittelten Werten lässt sich schliessen, das der Aufwand mit der Betriebsgröße ansteigt, da z.B. die zeitintensive Verwaltung von Mitarbeitern bei kleineren Betrieben entfällt. Interessant erscheint zudem, dass die allgemeine Verwaltung im Tier- und Pflanzenbau zeitintensiver als die jeweilige Prämienbeantragung ist. Insgesamt erscheint die Verwaltung im Pflanzenbau zeitintensiver als in der Tierhaltung zu sein, wobei anzumerken ist, dass die befragten Betrieben mehrheitlich gleichzeitig Pflanzenbau und Tierhaltung betreiben. Zudem sind Bankgeschäfte und die Buchführung wichtige Elemente im Betriebsmanagement, die regelmäßig zu bewältigen sind. Immerhin knapp 60% erachten für Verwaltungsangelegenheiten das vorhandene Fachwissen auf dem Betrieb für ausreichend, was sicherlich auf das hohe Bildungsniveau der Befragten zurückzuführen ist. Dennoch greifen viele Betriebe auf fachmännische Hilfe, z.B. durch einen Steuerberater zurück, da sie die Aussage, dass ohne diese die Verwaltungsaufgaben nicht zu bewältigen sind, für voll oder überwiegend zutreffend halten (54%). Immerhin mehr als die Hälfte der Landwirte hält den Computer für ein hilfreiches Instrument in der Betriebsführung: 54% der Landwirte (n=68) beantworteten die Aussage „Der Computer ist bei Verwaltungsaufgaben hilfreich“ mit voll zutreffend, 21% mit überwiegend zutreffend, 7% teilweise zutreffend, 3% mit kaum zutreffend, 10% mit nicht zutreffend und 3% machten keine Angabe. Das Ergebnis zeigt, dass der Computer im Büro des Landwirts nicht nur Verwendung findet, sondern für ihn auch einen Nutzen stiftet.


c) Softwarenutzung und Investitionsbereitschaft

Um die „Art der Digitalisierung“ der Landwirte zu ermitteln, ist ein Überblick über die verwendete Software auf landwirtschaftlichen Betrieben sinnvoll. Tabelle 1 vergleicht die aktuellen Daten mit den Erhebungen aus den Vorjahren.


Software in % 2002
(n=306)

(Göttingen)
in % 2003
(n=558)

(München)
in % 2004
(n=62)

(Alsfeld)
Standardsoftware (MS-Office) 85 % 85 % 73 %
Bankgeschäfte 53 % 58 % 65 %
Schlagkartei 50 % 30 % 57 %
Düngeplanung, -bilanzierung 44 % 44 % 44 %
Buchführung 34 % 33 % 34 %
Mobile Computing -- 14 % 21 %
Herdenführung 27 % 23 % 19 %
Lehr- und Lernprogramme 14 % 16 % 16 %
Fütterung/Futterberechnung 21 % 23 % 13 %
PrecisionFarming/GPS-Software 9 % 6 % 8 %

Tab. 1: Softwareeinsatz auf landwirtschaftlichen Betrieben

Bei der Mehrheit der Software zeigen sich nur geringe Abweichungen. Auffallend ist jedoch, dass die Zahl der Landwirte, die den Computer für ihre Bankgeschäfte verwenden, stetig ansteigt. Vergleicht man das mit der Buchführung, was ebenfalls ein wichtiger Zeitfaktor im Betriebsmanagement ist, so ist hier keine Veränderung zu den Vorjahren zu erkennen. Hier scheinen viele Landwirte externe Hilfe, z.B. einer landwirtschaftlichen Buchführungsstelle, in Anspruch zu nehmen. Auffallend ist zudem, dass der Anteil der Landwirte, die sich für das Mobile Computing entschieden haben, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist: Zur Abschätzung der zukünftigen Entwicklung ist ein Einblick in das Investitionsverhalten von Landwirten nützlich. Auf die Frage, in welche Software eine Investition geplant ist, antworteten die Landwirte wie folgt: Mobile Computing (20%), Schlagkartei (18%) und Düngeplanung (16%). In geringerem Umfang sind die Landwirte auch an Investitionen in die sonstigen Softwaretypen interessiert, in ein Buchführungsprogramm möchten etwa 8% der Landwirte investieren. Investiert der Landwirt, so ist seine wichtigste Anforderung an neue Software, dass keine Anpassungsprobleme der Software an seine Bedürfnisse bestehen (n=17), eine leichte Einarbeitung möglich ist (n=16) und die Datenpflege einfach erfolgen kann (n=14). Neben Anwendungssoftware erfreut sich das Internet regen Zuspruch durch die Landwirte.

Abb. 2

Abb. 2: Internetnutzung durch Landwirte

Internetnutzung bedeutet, dass eine Nutzung mindestens einmal jährlich erfolgt. Die Nutzung zur Informationsversorgung erfolgt von mehr als 80% der Betriebe mindestens wöchentlich, in Ein- und Verkauf und bei der Abgabe von Förderanträgen deutlich seltener. Die geringste Durchdringungsrate des Internets bei Managementprozessen ist bei der Produktvermarktung; hier sind traditionelle Strukturen dominierend.


d) Akzeptanzprobleme neuer Technologien

Das Wissen um Akzeptanzprobleme erleichtert für Wissenschaft und Praxis die Konzeption von Maßnahmen, die initiert werden, um die Akzeptanz neuer Technologien durch Landwirte zu erhöhen. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass eine mangelnde Akzeptanz vor allem auf fehlendes Training bzw. Schulung und das fehlende Verständnis des Nutzens eines PCs zurückzuführen ist (vgl. Rosskopf, Wagner 2003). Auch bei der diesjährigen Befragung wurden diese Punkte wieder als die wichtigsten erachtet, 68% glauben, dass fehlendes Training und 45% mangelndes Verständnis für den Nutzen des Computers maßgebliche Akzeptanzhemmnisse darstellen. Bedeutend weniger wichtig sind fehlende ökonomischen Vorteile (35%), hoher Zeitbedarf (29%), fehlende Benutzerfreundlichkeit (24%), hohe Anschaffungskosten (14%) und das Problem fehlender verwendbarer Informationen für die Betriebsführung (10%).


3 Der digitale Landwirt – Vision oder Realität?

Landwirte, die die Agrarcomputertage besuchen, besitzen i.d.R. nicht nur einen Computer, sondern interessieren sich allgemein für neue Technologien und Programme. Andere empirische Studien, z.B. eine Befragung von mehr als 100.000 Landwirten in Bayern, zeigen, dass in etwa auf jedem zweiten landwirtschaftlichem Betrieb derzeit ein Computer vorhanden ist [FRS03]. Die wichtigsten Anwendungsfelder eines Computers sind für Landwirte die Informationsbeschaffung im Internet, die Abwicklung von Bankgeschäften und der Einsatz im Pflanzenbau (Schlagkartei und Düngeplanung). Derjenige Landwirt, der bereits über eine digitale Grundausstattung verfügt, wird in Zukunft mobiler. Die Verbreitung von Mobile Computing ist in den letzten Jahren gestiegen, von einer weiteren Verbreitung kann ausgegangen werden. Dass der Computer tatsächlich ein Nutzen stiftet und keine Fehlinvestition ist, davon müssen jedoch viele Landwirte noch überzeugt werden. Zudem ist weiterhin ein Angebot zur EDV-Weiterbildung von Landwirten notwendig, damit bestehende Wissenslücken geschlossen werden können.


Literatur

[Cl03] CLASEN, M.: (Miß-)Erfolgsfaktoren digitaler Marktplätze in der Agrar- und Ernährungsindustrie, in: Budde, H.-J,; Müller, R.A:E.; Birkner, U. (Hrsg.): Referate der 24. GIL-Jahrestagung in Götitingen, Bd. 16, 2003, S. 19-23.

[FRS03] FISCHER, S.; REISNECKER, T.; SPITZER; A.: Die DV-Ausstattung der bayerischen Landwirte 2003, in: Schule und Beratung, 2003, Ausgabe 11, S. III-1 –III-3.

[RW02] ROSSKOPF, K:, WAGNER, P.: Anforderungen an Agrarsoftware und Ursachen von Akzeptanzproblemen – Ergebnisse einer Studie bei den Agrarcomputertagen 2002, in: Wild, K.; Müller, R.A.E.; Birkner, U. (Hrsg.): Referate der 23. GIL-Jahrestagung in Dresden, Bd. 15, 2002, S. 183-186.

[RW03] ROSSKOPF; K.; WAGNER, P.: Akzeptanz neuer Technologien in der Landwirtschaft – Ergebnisse empirischer Studien, in: Budde, H.-J,; Müller, R.A:E.; Birkner, U. (Hrsg.): Referate der 24. GIL-Jahrestagung in Götitingen, Bd. 16, 2003, S. 126-130.