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85350 Freising-Weihenstephan
Prof. Dr. Peter Wagner
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Zur Wirtschaftlichkeit von Precision Farming
Peter Wagner

Die Einkommenswirkung von Precision Farming wird im wesentlichen von folgenden Determinanten bestimmt:
- Notwendige Investitionen für Precision Farming,
- Heterogenität des Standortes und gegenwärtig praktiziertes Niveau der Düngung,
- Anteil und Umfang der Fruchtarten im Produktionsprogramm und
- Betriebsgröße.

Ein Überblick über den Investitionsbedarf für einen Einstieg in Precision Farming liefert die folgende Übersicht. Die Werte sind lediglich als Anhaltspunkt zu verstehen, die sich auf Angebote (Mitte 1999) verschiedener Anbieter stützen. Zugrunde liegt der Investitionsbedarf für ein reines „Mapping-System", also dem auf Ertragskarten basierenden Ansatz.

Schätzung des Investitionsbedarfs für Precision Farming
Z Investition DM
(ca. Werte)

1

Ausstattung Traktor mit LBS1) und DGPS (incl. Terminal)

25000
2 Nachrüstung Düngetechnik 8000
3 Nachrüstung Drilltechnik 8000
4 Nachrüstung Pflanzenschutztechnik 8000
5 Nachrüstung Erntetechnik (ohne Terminal) 20000
6 Büroausstattung (Software) 6000

7 SUMME 75000

1) Landwirtschaftliches Bus System

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen die Investitionsausgaben langfristig abgedeckt werden können über
- höhere Erträge und/oder
- Einsparungen beim Faktoreinsatz.
Die Ursache für den Mehrertrag bzw. den Minderaufwand an Produktionsfaktoren liegt in den Unterschieden zwischen einheitlicher Schlagbewirtschaftung (wie üblicherweise bisher) und kleinräumig differenzierter Bewirtschaftung von Teilschlägen (Precision Farming).

In der Übersicht unten sind die Ergebnisse einer Break-Even-Analyse für die Einführung der Precision Farming-Technologie in Abhängigkeit von der Betriebsgröße ausgeführt.

Zeile 1 weist den Investitionsbedarf für die Precision Farming Technologie aus (vgl. Übersicht oben). Für die Betriebsgrößen 800 ha wurde zusätzlich die Ausstattung eines zweiten Schleppers mit der entsprechenden Technologie kalkuliert, so dass sich der Investitionsbedarf hier auf 100 000 DM beläuft. Die Abschreibung in Zeile 2 erfolgt zeitabhängig auf fünf Jahre, weil davon ausgegangen werden kann, dass nach fünf Jahren die Technologie technisch überholt ist. Der Zinsanspruch für gebundenes Kapital wurde (Zeile 3) mit 8 % kalkuliert. In Zeile 5 sind die Jahreskosten auf ein Hektar umgelegt. Es zeigt sich, dass die Kostenbelastung mit zunehmender Betriebsgröße drastisch abnimmt.

Im mittleren Drittel der Übersicht wird ein extensiver Markfruchtbetrieb durchgerechnet (Fruchtfolge überwiegend Getreide). Die Ergebnisse in Zeile 6 zeigen, wie hoch die Mehrerträge unter sonst gleichen Bedingungen bei Einführung der Precision Farming Technologie mindestens ausfallen müßten, um Kostendeckung zu erreichen. Der zusätzliche Investitionsbedarf kann aber auch über eine mögliche Reduktion der variablen Kosten Abdeckung finden, insbesondere kommen hierzu die Positionen Saatgut, Stickstoffdünger und Herbizide in Frage. Die notwendige prozentuale Reduktion zur Erreichung des Break-Even für diese Positionen ist in den Zeilen 8, 9 und 10 ausgewiesen.

Im unteren Drittel sind die gleichen Berechnungen für einen intensiven Marktfruchtbetrieb ausgewiesen. Hier zeigt sich der Einfluss des Anteils der Fruchtarten im Produktionsprogramm: Je intensiver die Organisationsstruktur, desto geringer fallen die notwendigen naturalen Ertragssteigerungen aus und desto weniger Einsparungen an Produktionsfaktoren sind notwendig, um Kostendeckung zu erreichen.

Notwendige Erhöhung der Erträge / Reduktion der
Faktoraufwandmengen zur Kostendeckung
(Break-Even-Analyse für Marktfruchtbetriebe)

Anbaufläche (ha)

Z

Kennzahl Einheit 100 400 800 3)

Mehrkosten
1 Investitionskosten für Precision Farming DM 75000 75000 100000
2 Abschreibung (5 Jahre) DM/Jahr 15000 15000 20000
3 Zins (bei 8 %) DM/Jahr 3784 3784 5046
4 Jahreskosten 4) DM/Jahr 18784 18784 25046
5 Jahreskosten pro ha DM/ha 187,8 47,0 31,3

notwendige Änderungen zur Kostendeckung - extensiv 1)
6 notw. Erhöhung des Naturalertrages 5) bis Break-Even % 9,1 2,3 1,5
7 notw. Reduktion einzelner var. Kostenpos. bis Break-Even
8 - Saatgut % 126,2 31,6 21,0
9 - N-Dünger % 140,8 35,2 23,5
10 - Herbizide % 135,4 33,9 22,6
11 - Summe Saatgut, N-Dünger, Herbizide % 44,6 11,2 7,4

notwendige Änderungen zur Kostendeckung - intensiv2)
12 notw. Erhöhung des Naturalertrages 5) bis Break-Even % 5,9 1,5 1,0
13 notw. Reduktion einzelner var. Kostenpos. bis Break-Even
14 - Saatgut % 77,6 19,4 12,9
15 - N-Dünger % 130,7 32,7 21,8
16 - Herbizide % 95,1 23,8 15,8
17 - Summe Saatgut, N-Dünger, Herbizide % 32,2 8,0 5,4

Fußnoten
1) Fruchtartenanteil: Weizen 67,1 %, Körnermais 8.8 %, Raps 16.7 %, Kartoffeln 0 %, Zuckerrüben 7,3 %
2) Fruchtartenanteil: Weizen 57,9 %, Körnermais, 4,4 %, Raps 3,7 %, Kartoffeln 4,9 %, Zuckerrüben 29,2 %
3) Höhere Investitionskosten durch zusätzliche Ausstattung eines zweiten Schleppers
4) ohne Reparatur, Wartung und Arbeitskosten
5) bei gleichem Preisgerüst

Fazit

Derzeit ist die Technologie in manchen Bereichen - gilt vornehmlich für Pflanzenschutz - noch nicht ausgereift. Wenn dies in absehbarer Zukunft der Fall ist, scheint insbesondere bei größeren Betrieben eine Kostendeckung für die zusätzlichen Ausgaben der Precision Farming Technologie im Bereich des Möglichen. Für kleinere Betriebe ist die Technologie über Lohnunternehmer, Betriebsgemeinschaften oder Gewannebewirtschaftung einsetzbar. Neben der rein ökonomischen Betrachtungsweise bietet Precision Farming noch viele Vorteile, auch sollten die von Precision Farming ausgehenden positiven ökologischen Aspekte Beachtung finden.

 

 

23.11.1999, kh