Das Investitionsverhalten der Landwirte in Ost- und Westdeutschland(1)

Peter Wagner(2)

Die Landwirtschaft befindet sich auf Grund der EU-Agrarreform und der Beschlüsse zum allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) in einer überaus schwierigen Orientierungsphase. Es ist absehbar, daß die Reform in der gegenwärtigen Form schon mittelfristig nicht mehr durchzuhalten ist. Als einer unter vielen Gründen sei die bevorstehende Erweiterung der Union durch neue Mitglieder angesprochen, die alleine schon die gegenwärtigen Ausgleichszahlungen nicht mehr finanzierbar machen dürfte. In den neuen Bundesländern sind die meisten Landwirte zudem nach wie vor mit der Neu- bzw. Umorganisation ihrer Betriebe beschäftigt.

Es ist daher zu fragen, wie sich die neuen Rahmendaten auf das Investitionsverhalten des Sektors Landwirtschaft auswirken. Welche Faktoren werden das Investitionsverhalten der Landwirte in Ost- und Westdeutschland bestimmen und mit welchem Investitionsvolumen der Landwirtschaft ist mittelfristig zu rechnen? Dieser Beitrag versucht, Antworten auf diese Fragen zu liefern.

Die Anlage der Studie

Um Antworten auf die oben aufgeworfenen Fragen liefern zu können, ist eine Erhebung nach der DELPHI-Methode konzipiert worden. Im Vorfeld der eigentlichen Studie wurden Thesen aufgestellt, die von insgesamt 34 Experten, die sich mit Investitionen im Sektor Landwirtschaft beschäftigen, zu bewerten waren. Die Thesen, die im Verlauf des Beitrags vorgestellt werden, rücken teilweise bewußt vom gängigen Meinungsbild ab. Dahinter steht die Idee, Indikatoren zu identifizieren, die zukünftige Investitionen besser vorschätzen lassen.

Von den 34 Experten wurden 20 in den alten Ländern und 14 in den neuen Ländern, annähernd gleichverteilt aus den Bereichen Beratung, Industrie, Praxis, Wissenschaft und Verbänden, befragt.

Die Befragung gliederte sich in zwei Runden. Die erste Runde bestand aus einer mündlichen Befragung der jeweiligen Experten durch einen Interviewer. Ursprünglich war geplant, alle Experten zu einer zweiten Befragungsrunde zusammenzubringen, ihnen die Ergebnisse der ersten Runde vorzustellen und noch offene bzw. vertiefungswürdige Fragen ausdiskutieren zu lassen. Dies konnte leider nicht realisiert werden. Es erwies sich als unmöglich, einen gemeinsamen Termin für mehr als ein Viertel der Experten innerhalb des gesetzten Zeitrahmens zu finden. Aus diesem Grund wurde die zweite DELPHI-Runde in Form einer schriftlichen Befragung durchgeführt. Dazu wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt, der zum einen Teil bereits Ergebnisse der ersten Runde enthielt und zum anderen aus Fragen bestand, die bestimmte Sachverhalte weiter konkretisieren bzw. einige hinzugenommene Fragestellungen beantworten helfen sollte.

Der erste Teil des Beitrages stellt Ergebnisse dieser DELPHI-Befragung dar. Im zweiten Teil der Studie wird zur Unterlegung der Ergebnisse auf eine Befragung von landwirtschaftlichen Betrieben zurückgegriffen, die 1993 durchgeführt wurde. Hier wird versucht, allgemeine Ergebnisse zum Investitionsverhalten auf verschiedene Investitionsbereiche aufzugliedern.

Zur Vereinfachung ist das frühere Bundesgebiet im folgenden mit "West" bezeichnet, die neuen Länder mit "Ost".

Vorausgehende Überlegungen

In vielen Prognosen zum Investitionsverhalten der Landwirtschaft werden zahlenmäßige Werte am Produktionsfaktor Boden festgemacht, indem Investitionssummen für bestimmte Investitionsbereiche auf den Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (haLF) bezogen werden. Dies ist, insbesondere für reine Ackerbaubetriebe, ein gängiges und in weiten Teilen auch akzeptables Vorgehen. Wird allerdings der gesamte Sektor Landwirtschaft betrachtet, in dem insbesondere die Viehhaltung auch eine maßgebliche Rolle spielt, können solche Größen keine Orientierung mehr liefern. Es steht somit die Frage nach einer besseren Bezugsgröße für Investitionen in der Landwirtschaft im Vordergrund.

In vielerlei Hinsicht findet die Überlegung Zustimmung, daß mit zunehmenden Betriebsgrößen die Investitionen relativ zurückgehen. Dies läßt gerade für die Entwicklung in Deutschland, speziell in den neuen Bundesländern, auf ein rückläufiges Investitionsvolumen schließen. Es drängt sich allerdings die Frage auf, ob dieser Effekt vordergründig tatsächlich eine Rolle spielt, oder ob es andere, überlagernde Effekte gibt, die teilweise parallel laufen. Anzuführen ist hier insbesondere der überaus hohe Maschinenbesatz der deutschen Landwirtschaft. In Zeiten der Bedrohung des Sektors kann diese Erkenntnis allein schon dazu führen, den Maschinenbesatz in der Landwirtschaft abzubauen, um auf einem niedrigeren Niveau weiter zu operieren. Die Frage hierbei ist, ob das Investitionsvolumen langfristig gesehen dadurch tatsächlich zurückgeht oder ob es lediglich kurzfristige Effekte sind, die in mancherlei Szenarien einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden, ohne den tatsächlichen Ursachen Rechnung zu tragen.

Ein weiterer häufig festzustellender Punkt ist die Annahme, daß mit zurückgehender landwirtschaftlicher Nutzfläche das Investitionsvolumen in der Landwirtschaft ebenfalls abnimmt. Auch hier ist zu fragen, ob dies tatsächlich zutrifft, oder ob andere Faktoren maßgeblicher auf das Investitionsvolumen wirken. Vor diesem Hintergrund sollen die im folgenden vorgestellten Ergebnisse der Untersuchung gesehen werden.

Ergebnisse der Studie

Zunächst werden einige Thesen und deren Beurteilung durch die Experten vorgestellt. Die gefundenen Sachverhalte werden - wo möglich - statistisch untermauert.

These 1: Das Investitionsvolumen im Sektor Landwirtschaft nimmt mit zunehmender Betriebsgröße nicht ab.

Dieser These konnten sich die Experten nicht anschließen. Über 80 % der Befragten rechnen mit einem sinkenden Investitionsvolumen bei steigender Betriebsgröße. Allerdings gebe es Bereiche, etwa der Pflanzenschutz, in denen auf Grund gesetzlicher Auflagen die Investitionen durch teurer werdende Maschinen auch steigen könnten.

These 2: Die Höhe der Investitionen im Sektor Landwirtschaft ist vom Produktionswert der Landwirtschaft proportional abhängig.

Diese These kann statistisch untermauert werden. Die Analyse des Zusammenhangs zwischen Bruttoinvestitionen und Produktionswert der Landwirtschaft der Jahre 1970-1990 (zu den Daten vgl. BML, versch. Jg.) läßt eine außerordentlich hohe Korrelation dieser Größen erkennen. In die Regressionsanalyse gingen gleitende Dreijahresdurchschnitte ein. Dies geschah vor dem Hintergrund, daß in den einzelnen Jahren beispielsweise Witterungsschwankungen einen erheblichen Einfluß auf den Produktionswert haben, die aktuelle Investitionstätigkeit allerdings davon kaum beeinflußt wird. Berechnungen, die nicht auf gleitenden Durchschnitten, sondern auf den jeweiligen Jahresdaten beruhen, ergeben in jedem Fall ein etwas schlechteres Bestimmtheitsmaß (für eine lineare Regression R2 = 0,78). Dieser Umstand weist darauf hin, daß Punktschätzungen für einzelne Jahre unzuverlässiger sein werden als die Schätzung von Entwicklungslinien. Unter Zugrundelegung der gleitenden Dreijahresdurchschnitte ergibt sich folgender funktionale Zusammenhang:

y = 0,2297 x - 4744,3 (R2 = 0,87) bzw. y = 1468,75 * 1,0000315 x (R2 = 0,91)

wobei:
x = Produktionswert in Millionen DM
y = Bruttoinvestitionen in Millionen DM

Betrachtet man zunächst nur die Steigung der linearen Funktion, so entsteht der Eindruck, daß ca. 23 % des Produktionswertes wieder investiert würden. Dies ist aber nicht der Fall. Zum einen muß berücksichtigt werden, daß das absolute Glied negativ ist, zum anderen, daß die Investitionen relativ zum Produktionswert in den letzten 20 Jahren beträchtlich gestiegen sind (von ~13 % im Schnitt der Jahre 1969-71 auf ~18 % im Schnitt der Jahre 1989-91). Einer der maßgeblichen Gründe dafür ist sicher die zunehmende Substitution von Arbeit durch Kapital. Obwohl des Bestimmtheitsmaß für die Exponentialfunktion eine bessere Anpassung anzeigt, sollte der linearen Funktion der Vorzug gegeben werden. Eine weitere exponentielle Steigerung der Investitionen bei zunehmendem Produktionswert ist nicht zu erwarten, wenn man bedenkt, daß eine weitere Einsparung von Arbeit sich nicht in den gleichen Raten wie in der Vergangenheit vollziehen kann; schließlich bewegt sich der arbeitssparende technische Fortschritt auf einer Kurve, die sich asymtotisch dem Nullpunkt nähert, ohne ihn jedoch je erreichen zu können.

Die getrennte Analyse der Investitionen für Bauten und Maschinen in Abhängigkeit vom Produktionswert liefert, das lineare Modell unterstellt, folgendes Ergebnis (auch hier sind gleitende Dreijahresmittel die Grundlage der Berechnungen):

y1 = 0,0325 x - 88,9 R21 = 0,86

y2 = 0,2061 x - 5171,1 R22 = 0,77

wobei:
x = Produktionswert in Millionen DM
y1 = Bruttoinvestitionen in Bauten in Millionen DM
y2 = Bruttoinvestitionen in Maschinen in Millionen DM

Ausgehend von den beschriebenen Schätzfunktionen können quantitative Prognosen über das Investitionsvolumen der Landwirtschaft durchgeführt werden. Der Produktionswert ist hierbei für den Prognosezeitraum entweder für die einzelnen Jahre vorzuschätzen oder als Ergebnis einer Trendextrapolation zu gewinnen. Erstgenannte Methode bietet den Vorteil, daß auch politikbedingte Mengen- und Preiseffekte in die Berechnungen eingehen können.

Einschränkend muß gesagt werden, daß die hier abgeleiteten Regressionsgleichungen zwar für die gesamte Investitionssumme in der Landwirtschaft gute Prognosen liefern, allerdings unzuverlässiger werden, wenn es darum geht, Teilbereiche, beispielsweise Investitionen in Bodenbearbeitungsgeräte oder Ackerschlepper, zu beleuchten. Gleiches gilt, wenn die unabhängige Variable weiter disaggregiert wird. Wird beispielsweise die Wertschöpfung oder sogar der Gewinn des Sektors Landwirtschaft zu Grunde gelegt, lassen sich kaum noch schlüssige Aussagen auf das Investitionsvolumen treffen.

Die hier geschilderte starke Abhängigkeit zwischen landwirtschaftlichen Investitionen und dem Produktionswert sehen auch die befragten Experten so. Ihnen wurde allerdings nicht von den hier vorgestellten Ergebnissen berichtet, sondern sie hatten ihre Meinung unbeeinflußt zu bilden. Über 80 % der Experten sehen eine starke Abhängigkeit des Investitionsvolumen vom Produktionswert.

These 3: Die Höhe der landwirtschaftlichen Investition steht in proportionaler Abhängigkeit von der Bruttowertschöpfung des Sektors Landwirtschaft.

Die statistische Analyse gibt, wie bereits angedeutet, keine deutlichen Hinweise auf einen Zusammenhang. Ein offensichtlich noch viel geringerer Zusammenhang besteht zwischen dem verfügbaren Einkommen und den Investitionen. So waren auch nur noch gut 50 % der Experten der Meinung, daß zwischen den beiden genannten Faktoren Bruttowertschöpfung und Investitionsvolumen ein Zusammenhang besteht. Hier also eine deutlich schwächere Zustimmung als zur These Nr. 2.

Besteht nun tatsächlich eine Abhängigkeit der Investition vom Produktionswert, ist es von überragender Bedeutung, wie die Entwicklung des Produktionswertes in der Landwirtschaft für die Zukunft eingeschätzt wird. Deshalb wurde These Nr. 4 formuliert:

These 4: Der Produktionswert der Landwirtschaft steigt, obwohl die landwirtschaftliche Nutzfläche zurückgeht.

Für den Zeitraum von 1980-1990 kann diese Aussage statistisch mit einem hohen Bestimmtheitsmaß sogar auf der Basis von inflationsbereinigten Werten bestätigt werden. Allerdings muß einschränkend hinzugefügt werden, daß in diesem Zeitraum keine gravierenden Politikänderungen vorgenommen worden sind. Im Hinblick auf die u.U. auslaufende Agrarreform bzw. geringeren Ausgleichs- und/oder Prämienzahlungen muß das Ergebnis für die Jahre 1980-1990 relativiert werden. Vor diesem Hintergrund ist zu sehen, daß 55 % der Befragten die These verwerfen, also von einem real sinkenden Produktionswert ausgehen. Dies ist allerdings - bei Unterstellung konstanter Preise - nur dann richtig, wenn der Rückgang der Fläche ein größeres Ausmaß annimmt als die Steigerung der Naturalerträge durch biologisch-technischen Fortschritt.

Die bisher betrachteten Entwicklungen sind weitgehend von politischen Einflüssen frei und würden auch ohne stärkeres Eingreifen der Administration stattfinden. Es gibt allerdings auch Entwicklungen, die so ohne ein politisches Eingreifen in stärkerem bzw. geringerem Ausmaß stattfinden würden. Hierzu gehört insbesondere die Extensivierung und - wie durch die derzeitige Agrarreform unterstützt - das Nichtausscheiden von Grenzstandorten aus der Produktion. Da, trotz gegenteiliger Beteuerungen des BML, sehr viel dafür spricht, daß die gegenwärtige Reform nicht in ihrem Ausmaß bzw. ihrem Umfang beibehalten werden kann, ist es möglich, daß in Zukunft vermehrt Grenzstandorte aus der Produktion ausscheiden. Dieser Umstand fördert die Formulierung der These 5:

These 5: Wenn Grenzstandorte aus der Produktion ausscheiden, sinkt der Produktionswert nicht.

Dieser These konnten sich lediglich 35 % der Experten anschließen. Die anderen 65 % sehen ein Sinken des Produktionswertes, allerdings gehen sie davon aus, daß der Produktionswert unterproportional sinkt.

Die Befürworter der These führen ins Feld, daß der Produktionswert steigen bzw. konstant bleiben wird, weil dann die Stillegung auf besseren Standorten wegfällt. Des weiteren würde auf den verbleibenden Standorten intensiver gewirtschaftet werden, wenn die politischen Rahmenbedingungen dies zulassen. Die Gegner dieser These führen ins Feld, daß die optimale spezielle Intensität auf den besseren Standorten bereits heute erreicht sei und nicht abzusehen ist, daß die Stillegung auf dem besseren Standort wegfällt.

Für die Auswirkungen des Ausscheidens der Grenzstandorte auf die Bruttowertschöpfung des Sektors Landwirtschaft ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild: 60 % der Experten denken, daß die Bruttowertschöpfung bei Ausscheiden der Grenzstandorte nicht abnimmt. Über 25 % sogar gehen davon aus, daß die Bruttowertschöpfung steigt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Auf Grenzstandorten wird eine Bruttowertschöpfung gleich oder nahe Null erreicht. Fallen diese Standorte aus der Produktion, ergibt sich per Saldo kaum eine bzw. keine Änderung der Bruttowertschöpfung. Werden die verbleibenden Ressourcen auf den restlichen Flächen aber effizienter eingesetzt, ergibt sich dadurch eine Steigerung der Bruttowertschöpfung.

Bei der Befragung zur These 5 wurde in der ersten DELPHI-Runde von einer Fortführung der bisherigen gemeinsamen Agrarpolitik ausgegangen. In der zweiten DELPHI-Runde wurde die Fiktion einer vollkommenen Liberalisierung der Märkte unterstellt, also Weltmarktpreise, kein Außenschutz, keine Quoten, keine Stillegungsverpflichtung und Honorierung, keine Ausgleichszahlungen und Prämien. Bezüglich der Produktionswertentwicklung waren die Experten auch bei diesem "Deregulierungsszenario" der Meinung, daß der Produktionswert sinken werde, und zwar noch stärker als unter dem Szenario der Fortführung der gegenwärtigen Agrarpolitik mit ihren Ausgleichszahlungen, aber auch Stillegungsverpflichtungen. Bei dem unterstellten Zusammenhang zwischen Produktionswert und Investitionsverhalten kann also davon ausgegangen werden, daß die Beibehaltung der gegenwärtigen Agrarpolitik sich begünstigend auf das Investitionsverhalten auswirkt.

Bezüglich der Extensivierung sind ebenfalls Auswirkungen auf das Investitionsvolumen des Sektors zu erwarten. Einhellig bestand unter den Experten die Auffassung, daß durch fortschreitende Extensivierung weniger Neumaschinen abgesetzt werden: Der abnehmende Anbauanteil von Intensivfrüchten verringere die Nachfrage nach Nutzungspotential von Maschinen. Eine fortschreitende Extensivierung hat also eindeutig einen negativen Effekt auf das Investitionsvolumen der Landwirtschaft, unabhängig davon, wie sich alle anderen die Investition beeinflussenden Faktoren entwickeln.

Die folgenden Thesen behandeln wieder weniger politikbeladene Einflußfaktoren landwirtschaftlicher Investitionstätigkeit. So auch These 6, die unterstellt, daß das Investitionsvolumen nicht von der Fläche, sondern von der Erzeugung abhängig ist:

These 6: Der Investitionsbedarf je erzeugter Getreideeinheit ist konstant.

Nur einer der Befragten konnte diese These vorbehaltlos zustimmen. 32 % stimmten dieser These unter Einschränkungen zu, während 65 % von einem degressiven Verlauf des Investitionsvolumens ausgehen. Der unterstellte lineare Zusammenhang wird nur bei einigen wenigen Erzeugnissen bzw. Investitionsbereichen (z.B. Erntetechnik) für möglich gehalten.

These 7: Die Großmaschine ist je Nutzungspotentialeinheit nicht billiger als die Kleinmaschine.

Hintergrund dieser These ist der Sachverhalt, daß Großmaschinen im allgemeinen teurer, aber auch leistungsfähiger als Kleinmaschinen sind. Beim Vergleich von Maschinen verschiedener Größe kann man als Vergleichsmaßstab eine den verschiedenen Maschinentypen angepaßte Nutzungspotentialeinheit, bei Mähdreschern z.B. die "Lebensleistung" in "Tonnen Durchsatz" heranziehen.

Bezieht man nun den Investitionsbedarf auf die Nutzungspotentialeinheit, konnten sich dieser These lediglich 26 % der Experten anschließen. 74 % lehnten die These ab und gingen von einem degressiven Kurvenverlauf aus. Die Befürworter der These führten ins Feld, daß geringere Stückzahlen und technische Zusatzeinrichtung von Großmaschinen möglicherweise die Nutzungspotentialeinheit verteuern bzw. nicht billiger werden lassen.

Bezüglich des Investitionsverhaltens ist die Ausnutzung des Nutzungspotentials der betrachteten Maschinen von erheblicher Bedeutung. Deshalb wurde folgende These formuliert:

These 8: Das Nutzungspotential einer Maschine wird in kleinen und großen Betrieben in gleicher Weise ausgenutzt.

85 % der Experten konnten dieser These nicht zustimmen. Sie gingen davon aus, daß Großbetriebe Maschinen besser ausnutzen als Kleinbetriebe. Dieses Urteil war bei den Experten in den neuen Ländern noch deutlicher als in den alten Ländern.

Bezüglich der Investitionen hat dies den Effekt, daß kleinere Betriebe eher bzw. vermehrt investieren, u.U. auch dann, wenn die Maschine technisch noch nicht erschöpft ist. Fließt diese Maschine - etwa wegen des hohen Alters, das Maschinen in Kleinbetrieben erreichen können - nicht wieder über den Gebrauchtmaschinenmarkt anderen Betrieben in der Landwirtschaft zu, bedeutet dies, daß Kleinbetriebe pro Nutzungspotentialeinheit ein höheres Investitionsvolumen tätigen. Umgekehrt ist daraus zu folgern, daß Großbetriebe relativ weniger Maschineninvestitionen tätigen als Kleinbetriebe. Dies sehen über 90 % der Experten so.

Ungeachtet der Antworten zur letzten These liegt der Vorteil von Großbetrieben bezüglich der Investitionen im finanziellen Bereich auf der vergleichsweise geringeren Kapitalbindung. Großbetriebe verbrauchen getätigte Investitionen durch bessere Auslastungen schneller als Kleinbetriebe. Dies bedeutet, daß das durchschnittlich gebundene Kapital in Maschinen in Großbetrieben geringer ist als in Kleinbetrieben. Dies ist auch in den Augen der Experten unbestritten. Außer den finanziellen Vorteilen sahen allerdings die meisten Experten noch weitere Vorteile des Großbetriebes, vor allen Dingen in der rascheren Implementierung technischen Fortschritts, in einem höheren Wiederverkaufswert der noch relativ jungen (aber technisch bereits verbrauchten) Gebrauchtmaschine und die Möglichkeit der Bildung von Arbeitsketten, sprich organisatorische Vorteile beim Arbeitseinsatz der Maschine.

Der Verkauf von Landmaschinen auf dem deutschen Absatzmarkt ist nicht nur vom Verhalten der Landwirte bzw. Lohnunternehmer abhängig, sondern auch stark von Importen geprägt. Der Marktanteil der deutschen Landmaschinenindustrie auf dem deutschen Markt ist in den letzten Jahren gesunken. Darauf basierend wurde folgende These formuliert:

These 9: Der Druck auf die Landmaschinenindustrie kommt eher durch die Internationalisierung der Märkte und weniger durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft (hin zu größeren Betrieben).

Keiner der Befragten war der Ansicht, daß der Importanteil zurückgehen könnte. Fast 60 % der Befragten sehen mittelfristig einen steigenden Importanteil. Als einer der Hauptgründe für den wachsenden Importanteil werden die hohen Preise von Maschinen deutscher Produktion gesehen. Mindestens genauso bedeutend allerdings sehen die Experten die nicht marktgerechte Produktpalette der deutschen Landmaschinenindustrie an. Diese hat nach Meinung eines Großteils der Experten versäumt, rechtzeitig große und robuste Maschinen zu entwickeln. Allerdings werden Marktchancen der deutschen Landmaschinenindustrie gesehen, die auf einer hohen Funktionssicherheit der Maschine, auf einem überdurchschnittlichen Service und auf dem eingebauten Know-how deutscher Landmaschinen beruhen. Diese Faktoren dominieren in vielen Fällen den günstigeren Verkaufspreis von Importmaschinen. Es wird erwartet, daß in 3-5 Jahren die deutsche Landmaschinenindustrie in der Lage ist, Maschinen, insbesondere für ostdeutsche Großbetriebe zu liefern, die den Maschinen der ausländischen Konkurrenz zumindest ebenbürtig sind. Interessanterweise wird hier auch eine Chance der deutschen Landmaschinenindustrie gesehen, da der überraschende Strukturwandel einen "katalytischen" Anpassungsdruck auf diese Branche ausübe. Dadurch stiegen nicht nur die Chancen auf dem inländischen Markt, sondern auch die Chancen auf den ausländischen Märkten.

Angeregt durch die hier geäußerten positiven Aspekte des Strukturwandels auf die Landmaschinenindustrie wurde in der zweiten DELPHI-Runde diesbezüglich die Fragestellung erweitert. Die Experten sehen insbesondere Vorteile darin, daß in größeren Betrieben die technische Lebensdauer (Nutzungspotential) wesentlich eher erreicht wird als in kleineren Betrieben. Dadurch bedingt werden die Investitionszyklen der verbleibenden Betriebe kürzer, womit der technische Fortschritt schneller umgesetzt werden kann. Gerade innovative Unternehmen könnten sich hierdurch einen Vorteil verschaffen. Durch den Strukturwandel sehen die befragten Experten eine Annäherung der Produktpalette deutscher und internationaler Hersteller. Durch diese Annäherung seien insbesondere die großen unter den investitionswilligen Betrieben nicht gezwungen, automatisch auf die Produkte ausländischer Hersteller zurückzugreifen, da sie Vergleichbares auch von deutschen Herstellern erhalten könnten. Hierbei spiele dann allerdings die Preispolitik die entscheidende Rolle.

Nachteile durch den Strukturwandel sehen die Experten insbesondere darin, daß, durch diesen bedingt, zukünftig wohl nur noch geringere Stückzahlen größerer Maschinen produziert werden können. Durch die kürzeren Investitionszyklen und die Anpassung der Produktpalette der deutschen und internationalen Landmaschinenhersteller ist nach Meinung der Experten ein höherer Forschungsaufwand als in der Vergangenheit notwendig. Dadurch, daß größere Kunden eine bessere Marktstellung haben, sehen die Experten nicht unbedingt einen Nachteil für die Landmaschinenindustrie. Nachteile hierdurch könnten sich eher für den Landmaschinenhandel ergeben.

Mit den eben genannten Punkten, die ein Gesamturteil der Experten darstellen, hat sich im wesentlichen bestätigt, was einzelne Experten bereits in der ersten Befragungsrunde geäußert hatten (vgl. These 11).

Bei der Frage zukünftigen Investitionsverhaltens geht es nicht nur um das reine Investitionsvolumen, sondern auch um das Verhalten der Investoren am Markt. Daher wurde These 10 formuliert:

These 10: Großbetriebe agieren am Investitionsgütermarkt anders als Kleinbetriebe.

Dieser These stimmten ausnahmslos alle Experten zu. Interessant hierbei ist, daß ca. 50 % der Befragten den Großbetrieb vom Kleinbetrieb nicht nach der Fläche, sondern nach dem Umsatz abgrenzen. In Regionen mit hoher Veredlungsdichte kam dies stärker zum Tragen als in Marktfruchtregionen.

Bezüglich des Verhaltens sind folgende Punkte hervorzuheben:

Bereits weiter oben wurde angesprochen, daß Großbetriebe Maschinen schneller verbrauchen und dadurch kürzere Kapitalbindungszeiten erreichen. Dies hat natürlich auch noch einen anderen Effekt, der in These 11 formuliert wurde:

These 11: Großbetriebe nutzen technischen Fortschritt eher als Kleinbetriebe.

Hinter dieser These verbirgt sich mehr als es zunächst den Anschein erweckt, denn es sollte insbesondere herausgearbeitet werden, ob durch dieses Phänomen der Landmaschinenindustrie ein Vor- oder Nachteil entsteht. Zunächst stimmten über 90 % der Experten dieser These zu. Allerdings sehen nur 30 % der Experten hier einen Vorteil für die deutsche Landmaschinenindustrie. Dennoch sollen hier einige Argumente angeführt werden, die dafür sprechen, daß ein weitergehender Strukturwandel hin zu Großbetrieben und die damit einhergehende raschere Nutzung des technischen Fortschritts ein Vorteil für die deutsche Landmaschinenindustrie ist: Im internationalen Wettbewerb habe die deutsche Industrie nur eine Chance mit anspruchsvollen Kunden, die durch den raschen Strukturwandel hervorgebracht werden. Durch diesen und die damit verbundene Veränderung der Nachfrage internationalisiert sich die Produktpalette derjenigen Hersteller, die in der Lage sind, sich hier rasch anzupassen.

Wenngleich 70 % der Experten keine Vorteile für die deutsche Landmaschinenindustrie sehen, sollte dieses nach vorne gerichtete Argument dennoch nicht unterschätzt werden. Argumente, die nach Meinung der Experten dagegensprechen, sind insbesondere, daß durch Großbetriebe die "Übermechanisierung in der Landwirtschaft" zurückginge und daß Umstellungen, d.h. die kostspielige Inkooperierung von Innovationen in Maschinen, von den Betrieben nicht entsprechend honoriert würden. Dennoch dürfte klar sein, daß eine Schneckenhauspolitik nicht das langfristige Überleben der Landmaschinenindustrie sichern kann.

Hier sei eine persönliche Anmerkung erlaubt. Es ist unbestritten, daß in Zeiten, in denen Maschinenvermögen teilweise massiv abgebaut wird, das Investitionsvolumen - zumindest kurzfristig - abnimmt. Dennoch wird sich langfristig am Investitionsvolumen als solches nicht dramatisch viel ändern. Es wird sich, da gleichzeitig von einem sinkenden Produktionswert auszugehen ist, auf einem niedrigeren Niveau wieder einpendeln. Wie bereits zutreffenderweise festgestellt wurde, nutzen Großbetriebe das Nutzungspotential ihrer Maschinen schneller aus, d.h. sie haben einen höheren Maschinenumschlag. Kleinbetriebe hingegen nutzen ihre Maschinen länger, investieren mithin weniger oft. Dennoch haben unter sonst gleichen Bedingungen beide Betriebe ein etwa ähnliches Investitionsvolumen pro Nutzungspotentialeinheit. Mit der Umstrukturierung hin zu mehr Großbetrieben entsteht allerdings ein anderes Problem, dem bisher nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Um den Marktkanal oben offenzuhalten, ist es unbedingt erforderlich, einen Markt für Gebrauchtmaschinen zu etablieren, der diese aus dem Markt herausnimmt, so daß es zu keinem Rückstau durch Preisverfall für Gebrauchtmaschinen kommt. Ob langfristig gesehen der Gebrauchtmaschinenmarkt in Deutschland bzw. Westeuropa hierzu in der Lage ist, sei bezweifelt. Hier kann sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wer dieses Problem zufriedenstellend löst. Insbesondere ist dabei an osteuropäische oder noch weiter entfernte Märkte zu denken, die möglicherweise in der Lage sind, ein größeres Gebrauchtmaschinenvolumen zu absorbieren. Nicht vergessen werden darf dabei allerdings, daß diese Märkte durch ein entsprechendes Service- und Kundendienstnetz ebenso unterstützt werden müssen, wie die Märkte für Neumaschinen.

Ein weiterer Punkt, welcher das Investitionsvolumen im Landmaschinenbereich nicht unerheblich beeinflussen kann, sind Änderungen von Arbeitsverfahren in der Landwirtschaft. Beispielsweise beansprucht die Minimalbodenbearbeitung weniger Maschinenkapital als die konventionelle Bodenbearbeitung. Dies führte zur Aufstellung der These 12:

These 12: Eine Änderung der Arbeitsverfahren, z.B. bei der Bodenbearbeitung, vermindert die erforderliche Schlagkraft.

Einhellige Meinung der Experten war, daß die Suche nach kostengünstigeren Arbeitsverfahren verstärkt fortgesetzt wird. Dennoch sei nicht jede Lösung an jedem Standort realisierbar. Einsparungspotential sehen die meisten der Befragten hauptsächlich bei der Bodenbearbeitung und bei der Erntetechnik, weniger betroffen sind Aussaat und Pflegetechnik.

Ebenso einhellig war allerdings auch die Meinung, daß der Trend in Zukunft weiterhin dahingehe, Arbeit durch Kapital zu substituieren. Bezüglich der zukünftigen Veränderung von Arbeitsverfahren ist natürlich besonders interessant, ein Urteil über Ausmaß und Richtung zu erhalten.

Hierzu konnte in der zweiten Befragungsrunde eine quantitative Aussage erlangt werden, nachdem in der ersten Runde mögliche Verfahren eingekreist wurden. Die Bedeutung verschiedener Verfahren und die Auswirkung hinsichtlich des Schlagkraftbedarfs sind in der folgenden Übersicht 1 dargestellt.

Übersicht 1: Zukünftige Bedeutung verschiedener Arbeitsverfahren in der Pflanzenproduktion
Anzahl Nennungen

(N=26)

Etablierung Schlagkraftbedarf
ja nein steigt bleibt sinkt
pfluglose Bodenbearbeitung 21 5 9 6 8
Direktsaat 23 3 10 8 6
vereinfachte Saattechnik 1) 5 21 3 9 4
mech. Unkrautbekämpfung 15 10 11 11 2
Abflammtechnik 3 23 1 7 2
1) beispielsweise Aussaat mit dem Düngerstreuer

Die Übersicht macht deutlich, daß die Experten am ehesten damit rechnen, daß in Zukunft die pfluglose Bodenbearbeitung und die Direktsaat weitere Verbreitung finden werden. Auch die zunehmende Bedeutung der mechanischen Unkrautbekämpfung kann aus der Übersicht abgelesen werden. Nur geringe Zukunftschancen werden einer vereinfachten Saattechnik und der Abflammtechnik eingeräumt. Weniger aussagekräftig sind die Angaben mit dem Schlagkraftbedarf, die mit den einzelnen Techniken verbunden sind. So kann lediglich für die Direktsaat und insbesondere für die mechanische Unkrautbekämpfung davon ausgegangen werden, daß der Schlagkraftbedarf bei Einführung dieser Verfahren steigt.

Die Wiedervereinigung hat drastisch vor Augen geführt, daß außer den Familienbetrieben noch andere Organisationsformen der Landbewirtschaftung existieren. Unabhängig davon, wie sich die Entwicklung in Zukunft einpendeln wird, ist es interessant zu beleuchten, wie sich Lohnarbeitsbetriebe im Gegensatz zu Familienbetrieben bezüglich des Investitionsverhaltens abgrenzen lassen. Daher wurde folgende These formuliert:

These 13: Lohnarbeitsbetriebe zeigen das gleiche Investitionsverhalten wie Familienbetriebe.

Die Antworten hierzu sind zunächst ähnlich ausgefallen wie bei der Beurteilung der Situation bezüglich der Groß- und Kleinbetriebe; im wesentlichen also eine bessere Ausnutzung der Maschinen und die Realisierung einer stärkeren Nachfragerposition am Investitionsgütermarkt. Interessanterweise herrschte vor allen Dingen im Osten die Meinung, daß das Investitionsverhalten von Lohnarbeitsbetrieben sich stark von dem der Familienbetriebe unterscheide. Auch die westlichen Experten sehen hier Unterschiede, wenn auch nicht in dieser ausgeprägten Form. Strittig ist die Frage, ob der Lohnarbeitsbetrieb oder der Familienbetrieb letztlich die bessere (robustere, komfortablere) Maschine kauft. Verschiedene Argumente sprechen allerdings dafür, daß Lohnarbeitsbetriebe noch mehr Wert auf Qualität bzw. Robustheit legen als Familienbetriebe: Lohnarbeitsbetriebe sind darauf angewiesen, ihren Lohnarbeitskräften einen Arbeitsplatz zu bieten, der die Arbeitskräfte längerfristig mit dem Betrieb verbindet. Darüber hinaus sind Ausfallzeiten für den Lohnarbeitsbetrieb teurer als für den Familienbetrieb, zumindest was die pagatorischen Kosten betrifft. Des weiteren sei der Trend besonders in Lohnarbeitsbetrieben ungebrochen, den Arbeitszeitbedarf zu reduzieren. Daher investierten Lohnarbeitsbetriebe eher in Systemlösungen, d.h. eine permanente Verbindung beispielsweise von Schlepper und Anbaugeräte, als Familienbetriebe, die - wegen der vergleichsweise billigeren Arbeitskraft - eher in der Lage sind, langwierige und teilweise umständliche Umrüstverfahren durchzuführen. Auch hier wieder ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Systemlösung. Ferner sei in Lohnarbeitsbetrieben die Investitionsbereitschaft höher, denn der "Arbeitsplatz Technik" soll dem überbetrieblichen Vergleich standhalten. In Lohnarbeitsbetrieben besteht der verstärkte Zwang, teure Arbeitskraft durch Kapital zu ersetzen. Interessanterweise stehen diese Aussagen teilweise im Gegensatz zu den Aussagen zu den Großbetrieben, sie führen nämlich zu vergleichsweise höheren Investitionen.

Ein bereits weiter oben angesprochenes Phänomen ist der überdurchschnittliche Maschinenbesatz in der deutschen Landwirtschaft. Ein Maß dazu sind die Abschreibungen in Bezug zur Bruttowertschöpfung. Sie betrugen 1991/92 in Deutschland über 38 %, in Frankreich und England lediglich 27 %, in den Niederlanden 30 % (berechnet nach BUNDESREGIERUNG, 1994, S.89). Vielfach wird ins Feld geführt, daß hier erhebliche Gewinnreserven bestehen. Dies führte zur Formulierung der These 14:

These 14: Insbesondere in der deutschen Landwirtschaft wird versucht, die betriebliche Fixkostenbelastung durch Maschinen zu senken.

Hier herrschte ein einhelliges Meinungsbild. Alle Experten waren der Meinung, daß die Fixkosten in Zukunft niedriger sein werden, als in der Vergangenheit und auch zum heutigen Zeitpunkt. Von nahezu allen Befragten wurde dazu genannt:

Die Senkung der Fixkostenbelastung schwebt wie ein Damoklesschwert über der Landmaschinenindustrie. Es gilt dennoch auch an dieser Stelle noch einmal klar herauszustellen, daß die Senkung des betrieblichen Fixkostenanteils zwar für den landwirtschaftlichen Betrieb Auswirkungen hat, aber nicht in gleichem Maße auf das Investitionsvolumen des Sektors Landwirtschaft übertragen werden darf. Werden beispielsweise die betrieblichen Fixkosten gesenkt und dadurch vermehrt Arbeiten an Lohnunternehmer vergeben, ist zwar die entsprechende Maschine auf dem landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr vorhanden, aber dieses Potential muß im Maschinenpark des Lohnunternehmers vorhanden sein. Per Saldo ist der Effekt also nicht so gravierend, wie es im ersten Blick den Anschein hat.

Nach diesen allgemein gehaltenen Aussagen soll zum Abschluß der Vorstellung der Ergebnisse der Expertenbefragung darauf eingegangen werden, wie hoch die Experten die derzeitigen jährlichen Investitionssummen für verschiedene Maschinentypen ansetzen. Darüber hinaus wurde gefragt, wie die Experten diese Entwicklung für die weitere Zukunft einschätzen. Die Ergebnisse sind in Übersicht 2 dargestellt. Dabei sind die Aussagen bewußt auf Maschinen beschränkt, um die Darstellung in der gewohnten Form - nämlich pro haLF - vornehmen zu können.

Übersicht 2: Schätzung der aktuellen Investitionen im Maschinenbereich
jährl. Invest. in DM/haLF Schlepper Bodenbearbeitung Pflege Ernte Insgesamt
arithmetisches Mittel West 250 88 56 226 601
Ost 102 39 29 117 298
gesamt1) 207 78 50 209 527
kleinster Wert West 100 40 20 60 220
Ost 302) 20 15 70 170
größter Wert West 500 250 100 800 1320
Ost 150 80 50 160 380
1) gewichtet
2) extrem niedrige Schätzung (Ausreißer), nächstniedriger Wert: 70

Die Zahlen aus der Übersicht lassen einige interessante Aussagen zu. Zunächst fällt auf, daß die Prognose (arithmetisches Mittel) der West-Experten etwa doppelt so hoch ausfallen wie die der Ost-Experten. Hier spielt offensichtlich immer noch die Verwurzeltheit mit den angestammten Betriebsformen eine Rolle. Betrachtet man hingegen die niedrigsten Werte der jeweiligen Prognose, liegen diese - von dem Ausreißer abgesehen - wesentlich dichter beisammen. Um einen Vergleichsmaßstab zu liefern sei erwähnt, daß in den letzten Jahren (für die alten Länder) die Investitionen für Ackerschlepper um DM 200 pro haLF gelegen haben. Zumindest hier kann von einem drastischen Einbruch bei den Expertenschätzungen nicht die Rede sein. Für Ackerschlepper und alle anderen Landmaschinen zusammen lagen die Investitionen in den letzten Jahren bei etwa 750 DM/haLF, hier ist ein deutliches Gefälle der Expertenschätzung feststellbar.

Übersicht 3: Entwicklung der Investitionen
  Ost West
drastisch sinken - 1
sinken 5 13
gleichbleiben 5 5
steigen - -

Es stellt sich die Frage, wie die zukünftige Entwicklung von den Experten eingeschätzt wird. Dies ist in Übersicht 3 gezeigt: Per Saldo wird von  einem sinkenden Investitionsvolumen im Maschinenbereich ausgegangen. Die Aussagen bergen bezüglich ihrer Differenzierung zwischen Ost und West insoweit keine Überraschungen, als daß die West-Experten, die bei ihren Aussagen zu den Investitionssummen erheblich über den Ost-Experten liegen, einen stärkeren Rückgang voraussehen. Im Gegensatz dazu sieht die Hälfte der Ost-Experten keine weitere Entwicklung nach unten. Insgesamt zeichnet sich also eine Verschlechterung der Situation ab, wie es der Einbruch des Wirtschaftsjahres 1992/93 vielleicht schon vorahnen ließ. Es zeigt sich weiterhin, daß ein Einpendeln des Investitionsvolumens eher in Richtung der heutigen Schätzungen der Ost-Experten gehen könnte.

Übersicht 4: Schätzung der Investitionen für Maschinen und Schlepper im Jahr 2000
jährl. Invest. in DM/haLF1) < 200 200-400 401-600 601-800 > 800
Maschinen West 1 5 3 3 -
Ost 3 10 - - -
gesamt 4 15 3 3 -
jährl. Invest. in DM/haLF1) < 100 100-200 201-300 301-400 > 400
Schlepper West - 8 2 1 1
Ost 4 9 - - -
gesamt 4 17 2 1 1
1) Anzahl der Nennungen, N = 25

In der zweiten Befragungsrunde ist versucht worden, hier konkretere Aussagen zu erhalten. Es wurde gefragt, wie hoch die Experten die jährlichen Investitionen für Maschinen im Jahr 2000 schätzen. Das Ergebnis zeigt Übersicht 4. Dort sind für verschiedene Investitionsklassen die Anzahl der Expertennennungen, gegliedert nach Experten-Ost und -West, abgetragen.

Wie auch schon bei der Schätzung der aktuellen Investitionen im Maschinenbereich wir deutlich, daß die Ostexperten sich durch niedrigere Schätzungen als die Westexperten auszeichnen. Die am stärksten besetzten Klassen für Maschineninvestitionen bzw. Schlepper sind 200-400 DM/haLF bzw. 100-200 DM/haLF. Damit bestätigt sich nochmals, daß zukünftig von einem sinkenden Investitionsvolumen sowohl für Maschinen als auch Schlepper ausgegangen werden kann. Die Werte zur Schätzung der Investitionen im Jahr 2000 liegen doch beträchtlich unter denen der aktuellen Investitionen im Maschinenbereich. Die Expertenschätzungen decken sich sehr gut mit der weiter unten dargestellten Betriebsbefragung bezüglich zukünftiger Investitionen (vgl. insbesondere Übersicht 11). Dort ergeben sich Werte für Investitionen im Bereich Ackerschlepper von durchschnittlich 105 DM/haLF bzw. 137 DM/haLF für Marktfruchtbetriebe (vgl. Übersicht 15).

Ergebnisse einer Befragung von landwirtschaftlichen Betrieben

Im Juni 1993 wurde eine schriftliche Befragung von 1940 Probanden aus der Adressendatei der DLG durchgeführt. Die Fragebogen wurden zu 50 % in den alten Ländern, zu 50 % in den neuen Ländern versandt. Hierdurch ist die Stichprobe zugunsten der neuen Länder verzerrt, was auch beabsichtigt war. Allerdings kann so keine Repräsentanz erreicht werden. Die hier vorgelegten Ergebnisse sind also eher als Stimmungsbild zu verstehen; woraus sich dennoch einige interessante Folgerungen in Verbindung mit der DELPHI-Studie ziehen lassen. Darüber hinaus sei betont, daß es sich hier lediglich um Ergebnisse einer Erhebung in landwirtschaftlichen Betrieben handelt, die nur sehr bedingt das Investitionsverhalten des Sektors Landwirtschaft wiedergeben kann. Der Bereich der Lohnunternehmer ist beispielsweise überhaupt nicht angesprochen. Dies berührt eigentlich alle Maschinenbereiche, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Besonders die Erntetechnik, weniger die Ackerschlepper, sind davon betroffen.

Übersicht 5: Rechtsformen nach Ost und West
  N Anteil der Befragten West bzw. Ost in Prozent
Fam.Betr. GbR eG jur.Pers.
West 73 82,2 15,1 - 2,7
Ost 80 22,5 10,0 48,8 18,8
N 153 78 19 39 17

Zunächst sei zum besseren Verständnis der Ergebnisse die Stichprobe näher beleuchtet. Bei weitem nicht alle der Befragten waren Inhaber bzw. Bewirtschafter landwirtschaftlicher Betriebe. Noch viel weniger dieser Gruppe erbrachten Angaben zu den Investitionen, die in den nächsten fünf Jahren für ihren Betrieb geplant sind. Nur diese Betriebe allerdings sind interessant für vorliegende Zwecke. Die so verbleibende Gruppe ist in Übersicht 5 dargestellt, Insgesamt verbleiben 156 Betriebe, drei Betriebe erteilten zur Rechtsform keine Auskunft. Über 90 % dieser Betriebe sind Vollerwerbsbetriebe. Von den 156 gaben bis auf einen ihren Betriebssitz an: 73 Betriebe befinden sich im Westen, 82 Betriebe im Osten Deutschlands.

Übersicht 6: Ausbildung der Betriebsleiter
  gesamt (%)

(N=150)

Ost (%)

(n=70)

West (%)

(n=80)

Landw.Gehilfe 4,0 1,3 7,1
Landw.Meister 17,3 5,0 31,4
staatl.gepr.Landw. 14,7 13,8 15,7
Fachhochschule 21,3 21,3 21,4
Universität 41,3 58,8 21,4
sonstiges 1,3 - 2,9

Ein weiteres interessantes Merkmal ist die Ausbildung der Betriebsleiter.  Anerkannterweise steigt das Ausbildungsniveau auch und gerade in der Landwirtschaft - insbesondere der Leiter überlebensfähiger und expandierender Betriebe - ständig an. Das Ausbildungsniveau der Betriebsleiter der Stichprobe ist in Übersicht 6 zu sehen. Dort fällt der dominierende Anteil der Fachhochschul- und Universitätsabsolventen auf. Es darf unterstellt werden, daß dies das zukünftige Klientel der landwirtschaftlichen Investitionsgüterindustrie ist. Insofern kommen den hier erstmals ausführlicher präsentierten Ergebnissen dieser Studie eine besondere Wirkung zu - insbesondere wenn man unterstellt, daß diese Gruppe, alleine von ihrer Ausbildung her, besonders rational entscheiden können sollte.

Übersicht 7: Viehbestände der viehhaltenden Betriebe
Größen-
klasse
Milchkühe Mastrinder Mastkälber Mutterkühe Sauen Mastschweineplätze Größen-
klasse
(N=63) (N=47) (N=16) (N=24) (N=39) (N=49)
1-20 % 3,2 19,1 - 20,8 5,1 10,2 % 1-100
21-50 11,1 4,3 12,5 29,9 15,4 18,4 101-400
51-100 9,5 19,1 31,3 20,8 15,4 51,0 401-1000
101-200 11,1 12,8 31,3 12,5 17,9 18,4 1001-2000
201-1000 52,4 31,9 25,0 12,5 38,5 2,0 2001-10000
>1000 12,7 12,8 - 4,2 7,7 - >10000

In Übersicht 7 sind die Viehbestände der viehhaltenden Betriebe ausgewiesen. Auch hier zeigt sich, daß die Besatzstärken weit überdurchschnittlich sind. In der Übersicht nicht ausgewiesen sind fünf Betriebe, die eine Legehennenhaltung betreiben. Davon sind zwei Betriebe mit kleinen Beständen, zwei Betriebe mit 1000-3000 Hennen und ein Betrieb mit über 10000 Legehennen.

Übersicht 8: Umsätze der Betriebe
Umsatz (Mio.DM) gesamt (%)

(N=149)

Ost (%)

(n=77)

West (%)

(n=72)

<0.25 6,7 1,3 12,5
0,25-0,5 18,8 6,5 31,9
0,5-1 21,5 13,0 30,6
1-2 16,8 15,6 18,1
2-5 16,8 27,5 5,6
>5 19,5 36,4 1,4

Die Betriebe nach Umsatzklassen sind in Übersicht 8 gezeigt. Zusätzlich geht dort die Verteilung nach Ost und West hervor. Auch hier wieder überdurchschnittliche Umsätze, noch deutlicher im Osten als im Westen. Zum besseren Vergleich seien die durchschnittlichen Erträge aus den Buchführungsergebnissen genannt, die eine Richtschnur für die Umsätze liefern: Im Westen erzielten landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 1992/93 DM 198 291. Im Osten erzielten Einzelunternehmen im gleichen Wirtschaftsjahr DM 292 593, Personengesellschaften DM 1 070 862 und juristische Personen DM 5 610 592 an durchschnittlichem Ertrag je Betrieb (BUNDESREGIERUNG, 1994, S.177, 282, 298, 302). Für diese Frage sind bereits im Fragebogen Klassen gebildet worden, so daß ein Mittelwert nicht sauber zu berechnen ist. Werden allerdings in jeder Klasse, außer der niedrigsten und höchsten, die mittleren Werte angenommen, in der untersten DM 200 000 und in der obersten DM 6 Mio. (vgl. zu diesem Vorgehen auch Übersicht 12, Spalten (1) und (3)), so ergibt sich dennoch ein Anhaltspunkt für einen Mittelwert: Über alle Betriebe läge er bei DM 2,25 Mio., im Osten bei DM 3,5 Mio. und im Westen bei DM 923 000. Zumindest im Westen ist der Durchschnitt der befragten Betriebe vom Umsatz her etwa fünfmal größer als der Durchschnitt aller Betriebe. Im Osten liegt der durchschnittliche Umsatz der befragten Betriebe für Familienbetriebe bei DM 890 000, für die Gesellschaften bürgerlichen Rechts bei DM 1,63 Mio., für die eingetragenen Genossenschaften bei DM 4,66 Mio. und für die juristischen Personen bei DM 4,36 Mio.; auch hier also sind die befragten Betriebe deutlich größer als der Durchschnitt der Betriebe.

Übersicht 9: Landw. Nutzflächenausstattung


haLF
gesamt (%)

N=155

Ost (%)

(n=82)

West (%)

(n=73)

1-50 9,7 1,2 19,2
51-100 13,5 1,2 27,4
101-200 16,1 2,4 31,5
201-500 18,7 20,7 16,4
501-1000 9,7 15,9 2,7
1001-2000 18,1 32,9 1,4
>2000 14,2 25,6 1,4

In Übersicht 9 ist schließlich die Ausstattung der Betriebe mit landwirtschaftlicher Nutzfläche dargestellt. Insgesamt sind die Betriebe recht gleichmäßig verteilt, jedoch bestehen - wie schon bei den Umsätzen - erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West: Im Westen befinden sich faktisch keine Betriebe mit mehr als 500 haLF, im Osten hingegen haben Betriebe kaum eine Flächenausstattung von unter 200 haLF. Die durchschnittliche Flächenausstattung im Westen liegt bei 265 haLF, im Osten bei 1550 haLF.

Übersicht 10: Wachstumsabsichten der Betriebe
  Wachstum Familienbetrieb GbR eG jur.Person
abs. % abs. % abs. % abs. %
West JA 39 67,2 6 75,0 - - 2 100,0
NEIN 19 32,8 2 25,0 - - - -
Summe 58 100,0 8 100,0 - - 2 100,0
Ost JA 16 100,0 4 57,1 14 38,9 6 42,9
NEIN - - 3 42,9 22 61,1 8 57,1
Summe 16 100,0 7 100,0 36 100,0 14 100,0

Zum Abschluß der Beschreibung der Stichprobe sei auf das beabsichtigte betriebliche Wachstum eingegangen (vgl. Übersicht 10). Von allen Betrieben beabsichtigen 61,3 % zu wachsen, im Westen deutlich mehr als im Osten. Insbesondere sind es die Familienbetriebe und die Gesellschaften bürgerlichen Rechts, die sich mit Wachstumsabsichten tragen und eine Vergrößerung ihres Betriebes planen. Hinsichtlich der Umsätze ist zu beobachten, daß die meisten Betriebe mit Wachstumsabsichten im Bereich zwischen DM 0,5 und 2 Mio. liegen, hier wollen fast 80 % aller Betriebe wachsen. Bezüglich der Flächenausstattung sind es die Betriebe zwischen 100 und 1000 haLF, die hauptsächlich eine Vergrößerung planen. Insbesondere gibt es in der Klasse von 100 bis 200 haLF keinen Betrieb, der nicht wachsen will.

Investitionsverhalten der landwirtschaftlichen Betriebe

Bezüglich ihres Investitionsverhalten wurden die Betriebe gefragt, welche Investitionen sie für die nächsten fünf Jahre planen und wieviel sie dafür auszugeben beabsichtigen. Der Zeitraum, für den die Investitionsvorhaben abzuschätzen waren, ist sehr lang gewählt. Wie auch die Expertenbefragung gezeigt hat, werden offensichtlich in den meisten Fällen kürzere Zeiträume für eine Investitionsplanung zugrunde gelegt. Dies läßt vermuten, daß die folgenden Ergebnisse eher eine Unterschätzung als eine Überschätzung des tatsächlichen Investitionsverhaltens darstellen. Darüber hinaus ist die spezielle Struktur der Stichprobe zu berücksichtigen: Überdurchschnittlich große Vollerwerbsbetriebe mit überdurchschnittlich gut ausgebildeten Entscheidungsträgern. Diese Stichprobe spiegelt zwar die Situation der Landwirtschaft nach der Jahrtausendwende besser wider. Soll aber auf die nächsten Jahre geschlossen werden, muß Berücksichtigung finden, daß das Investitionsvolumen in näherer Zukunft auch noch von Nebenerwerbsbetrieben, weniger rechnenden und Landwirten mit kleineren Betrieben geprägt wird. Auch dies ist ein Indiz dafür, daß das tatsächliche Investitionsvolumen eher unterschätzt wird. Dagegen spricht, diese Aussage gilt vornehmlich für die neuen Länder, daß hier bereits heute und auch für die nähere Zukunft, eine Reihe von Neu- und Erweiterungsinvestitionen geplant sind. Diese Art von Investitionen sind durch die besonderen Umstände geprägt und werden nicht in diesem Ausmaß anhalten. Insgesamt können die genannten Effekte eine teilweise aufhebende Wirkung haben.

In die Berechnungen sind ausschließlich Betriebe aufgenommen, die auch investieren wollen. Dies ist insbesondere bei der Interpretation der Mittelwerte zu berücksichtigen. Dahinter steht die Überlegung, realistische Zahlen über die Investitionstätigkeit zu erhalten. Würden auch Betriebe in die Mittelwertberechnung aufgenommen, die in den nächsten fünf Jahren (entsprechend der Fragestellung) in bestimmten Bereichen nicht beabsichtigen zu investieren - etwa weil sie gerade einen neuen Schlepper gekauft haben -, würden die Mittelwerte zu niedrig ausgewiesen. Das gewählte Vorgehen bietet zusätzlich den Vorteil, daß der "Vergabeeffekt" weitgehend ausgeschaltet werden kann: Wer in bestimmten Bereichen investiert, vergibt dort kaum Arbeiten an Lohnunternehmer.

Übersicht 11: Investitionsabsichten landwirtschaftlicher Betriebe
Investitionsbereich

(Angaben in DM/haLF)

N Durchschnitt kleinster Wert größter Wert
O W Ost West ges. Ost West Ost West
Ackerschlepper 68 44 52 187 105 6 5 231 639
Bodenbearb./Pflege1) 60 43 19 73 42 1 3 100 668
Ernte Druschfrüchte 40 7 54 196 75 6 29 301 427
Ernte Hackfrüchte 11 10 23 153 85 6 12 80 714
Ernte Futter 30 9 21 98 40 4 15 53 516
Stall Rinder 50 10 94 403 145 8 14 350 1166
Stall Schweine 20 13 167 514 304 5 6 1111 2000
Fütterungsanlagen 26 7 22 92 37 1 16 125 167
PC/Software 35 22 3 45 19 1 1 25 800
Lager/Aufber. Getreide 31 22 54 146 92 5 3 252 670
Sonstiges 34 22 103 287 175 5 10 625 2143
1) Durch fehlerhafte Zuordnung zu niedrig ausgewiesen

In Übersicht 11 sind die Investitionsabsichten der Betriebe dargestellt. Wie bereits für die Expertenschätzung ist auch hier jeweils der Durchschnitt, der kleinste und der größte Wert, getrennt nach Ost und West, wiedergegeben. Zusätzlich weisen die beiden ersten Zahlenspalten die Anzahl der Betriebe aus, die Investitionsabsichten in den verschiedenen Bereichen hegen. Vergleicht man diese Zahlen für den Bereich "Ackerschlepper" mit der Zahl aller Betriebe der Stichprobe, fällt auf, daß 83 % der östlichen Betriebe (68 von 82) in den nächsten fünf Jahren investieren möchten, aber nur 60 % der westlichen Betriebe (44 von 73). Zu den Spalten "kleinster" bzw. "größter Wert" sei angemerkt, daß die Aussagekraft dieser Zahlen in der Übersicht wesentlich geringer ist als die entsprechenden Zahlen in der Expertenschätzung: Die Expertenschätzungen beziehen sich auf Durchschnitte, die Zahlen in Übersicht 11 jedoch auf Einzelbetriebe. Das hat zur Folge, daß etwa ein flächenstarker Einzelbetrieb, der im Schlepperbereich bereits mit relativ neuen Maschinen ausgestattet ist und lediglich eine kleinere Ersatzinvestition vornehmen möchte, zwangsläufig einen erheblich niedrigeren Wert ausweisen muß.

Die Durchschnittswerte in den vergleichbaren Bereichen liegen allesamt unter den Expertenschätzungen. Dies ist zum Großteil auf die bereits dargelegten Gründe zurückzuführen (überdurchschnittlich große Betriebe, überdurchschnittliche Ausbildung der Entscheidungsträger, zu langer Zeitraum der Projektion). Andererseits geben sowohl die Strukturen als auch die Ausbildung das Bild landwirtschaftlicher Unternehmen der Zukunft (nach der Jahrtausendwende) besser wieder als dies bei einer repräsentativen Stichprobe heute der Fall wäre. Gehen die Experten unisono in der Zukunft von sinkenden Investitionen aus, mag hier ein erster Eindruck von dem Niveau entstehen, das zu erwarten ist.

Erwähnung bedürfen die hohen Werte unter "Sonstiges": Hier wurden Investitionen angegeben, die sich nicht ohne weiteres in das vorgegebene Schema einordnen ließen oder wo eine Einordnung nicht richtig vorgenommen wurde. Nicht oder schlecht einordnen ließen sich beispielsweise Investitionen in den Geflügelbereich, in Maschinen- und Lagerhallen, in Futter- und Kartoffellager, Beregnung usw.; dies erklärt die hohen Beträge in diesem Bereich. Häufig nicht richtig eingeordnet wurden Maschinen der Dünge-, Pflanzenschutz- und Aussaattechnik. Daher sind die Werte im Bereich Bodenbearbeitung/Pflege tendenziell zu niedrig ausgewiesen.

Besondere Beachtung sollte der geringen Abweichung der Betriebsergebnisse von den Expertenschätzungen im Bereich Erntetechnik gewidmet werden. Gerade bei der Erntetechnik besteht, wie in keinem anderen Bereich, ein enger Zusammenhang zum erzeugten Produktionsvolumen (vgl. These 6). Dies mag die ausschlaggebende Erklärung für die ähnlichen Investitionshöhen sein. Die anderen Bereiche zeichnen sich dadurch aus, daß durch geänderte Produktionsverfahren (etwa Einsparung von Arbeitsgängen) mehr Möglichkeiten bestehen, mit einem geringeren spezifischen Maschinenbesatz auszukommen. Wenn solche Verfahren neu eingeführt werden, dann sicher zuerst von Betrieben, die von ihrer Anlage her der Gruppe der befragten Betriebe ähnelt, also zur Gruppe der "Innovatoren" bzw. der "frühen Mehrheit" gehört. Folgerichtig liegen hier die Angaben der Betriebe unter den Expertenschätzungen.

Übersicht 12: Investitionen pro TDM Umsatz
Betr.größe

(Umsatzklasse in Mio.DM)

N angenommener Umsatz

(Mio.DM)

jährliche Investitionen

(TDM)

Investitionen

(DM/TDM Umsatz)

(1) (2) (3) (4) (5)
< 0,25 10 0,2 30,1 150
0,25 - 0,5 28 0,375 47,6 130
0,5 - 1,0 32 0,75 68,8 90
1,0 - 2,0 25 1,5 210,1 140
2,0 - 5,0 25 3,5 279,1 80
> 5,0 29 6,0 493,8 85

Zu Beginn dieses Beitrags wurde eine sehr starke Abhängigkeit der Investitionen vom Produktionswert gezeigt. Mit bestimmten Einschränkungen (insbesondere innerbetrieblicher Verbrauch) kann vom Umsatz der Betriebe auf den Produktionswert geschlossen werden.

Wie sich die beabsichtigten Investitionen in Relation zum Umsatz der Betriebe verhalten, ist in Übersicht 12 geschätzt. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß die Betriebe in der Befragung lediglich Umsatzklassen angegeben haben (Spalte (1) der Übersicht), zu den Berechnungen aber diskrete Werte notwendig sind. Daher sind je Umsatzklasse bestimmte Umsätze unterstellt worden, die in Spalte (3) ausgewiesen sind. Durch Division dieser jährlichen (angenommenen) Umsätze durch die beabsichtigten jährlichen Investitionen (Spalte (4)) lassen sich die Schätzungen der Umsätze pro tausend DM Umsatz berechnen (Spalte (5)). Trotz dieser Einschränkung kann bei dieser statischen Betrachtung von einem drastischen Rückgang der Investitionen bei steigender Betriebsgröße nicht die Rede sein.

Übersicht 13: Investitionen pro haLF und pro TDM Umsatz
Betriebsgröße

(haLF)

N Investitionen

(DM/haLF)

Investitionen

(DM/TDM Umsatz)

50 15 859 100
51-100 21 552 86
101-200 25 416 107
201-500 29 323 95
501-1000 16 284 147
1001-2000 28 204 89
> 2000 22 188 141

Um auf die eingangs formulierte Unterstellung zurückzukommen, wonach die Ausweisung der Investitionen pro haLF keine geeignete Größe darstellt und die Summe der Investitionen nicht sehr stark von der Größe (gemessen in haLF) der landwirtschaftlichen Betriebe abhängig ist, stellt Übersicht 13 die beabsichtigten jährlichen Investitionen in den Zusammenhang mit der Betriebsgröße in haLF. Es wird deutlich, daß die Investitionen pro haLF mit zunehmender Betriebsgröße (haLF) drastisch zurückgehen, hingegen werden die Investitionen pro TDM Umsatz offensichtlich nicht von der Betriebsgröße, gemessen in haLF, beeinflußt! Wenn hier zum einen die Betriebsgröße mit einem ungeeigneten Maß und zum anderen die Investitionsaktivitäten mit einer genauso ungeeigneten Kennzahl (DM/haLF) gemessen werden, entsteht der Eindruck, daß große Betriebe relativ sehr viel weniger investieren als kleine Betriebe. Daß dies, zumindest in diesem Ausmaß, nicht der Fall ist, wurde in Übersicht 12 und Übersicht 13 (letzte Spalte) belegt. Wegen der fehlenden Repräsentanz und anderer methodischer Mängel (z.B. Umsatzklassen statt diskreter Werte) ist das vorliegende Datenmaterial nicht geeignet, auf der Basis der Umsätze eine Prognose des Investitionsverhaltens abzuleiten. Dennoch läßt sich in Verbindung mit dem gezeigten Zusammenhang zwischen Bruttowertschöpfung und Investitionsverhalten erkennen, daß größere Betriebe, bezogen auf den Umsatz, per se nicht weniger investieren als kleinere Betriebe.

Investitionsverhalten von Marktfruchtbetrieben

Übersicht 14: Rechtsform der Marktfruchtbetriebe
  Fam.Betr. GbR eG jur.Pers. Summe
West 28 5 - 1 34
Ost 12 4 4 - 20
Summe 40 9 4 1 54

Zum Abschluß sollen ausschließlich Betriebe ohne Viehhaltung, also reine Ackerbaubetriebe analysiert werden. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, die vertrauten Kennzahlen (pro haLF) methodisch einwandfreier verwenden zu können. Die Zusammensetzung dieses Teils der Stichprobe ist in Übersicht 14 ausgewiesen. Insgesamt sind es 56 Betriebe, wovon zwei Betriebe keine Rechtsform angegeben haben.

Übersicht 15: Investitionsabsichten von Marktfruchtbetrieben
Investitionsbereich

(Angaben in DM/haLF)

N Durchschnitt kleinster Wert größter Wert
O W Ost West ges. Ost West Ost West
Ackerschlepper 15 22 89 170 137 21 5 231 639
Bodenbearb./Pflege1) 13 22 29 86 65 9 3 100 688
Ernte Druschfrüchte 8 5 96 191 132 19 29 301 426
Ernte Hackfrüchte 5 9 32 156 112 6 12 80 714
Ernte Futter 1 1 13 22 17 13 22 13 22
Stall Rinder 2 1 59 153 90 52 154 67 154
Stall Schweine 2 - 179 - 179 52 - 308 -
Fütterungsanlagen 2 - 41 - 81 15 - 67 -
PC/Software 11 13 3 70 39 1 1 8 800
Lager/Aufber. Getreide 13 11 71 133 99 5 3 252 670
Sonstiges 11 15 120 351 253 9 10 418 2143
1) Durch fehlerhafte Zuordnung zu niedrig ausgewiesen

Das geplante Investitionsverhalten - pro haLF und Jahr -, getrennt nach Ost und West und gegliedert nach zehn Investitionsbereichen, ist in Übersicht 15 dargestellt. Der Vergleich mit den Werten in Übersicht 2 läßt erkennen, daß die Betriebe bei den vergleichbaren Positionen auch etwas geringere Investitionen angegeben haben. Die möglichen Ursachen sind bereits angesprochen worden. Diesen weiter oben angeführten Sachverhalten Rechnung tragend, passen die Ergebnisse recht gut zusammen. Bezüglich der Ackerschlepper belief sich die Expertenschätzung auf 207 DM/haLF, hier werden 137 DM/haLF ausgewiesen. Für Bodenbearbeitung und Pflege lag das Expertenurteil bei 128 DM/haLF, hier werden 86 DM/haLF ausgewiesen. Für die Erntetechnik belaufen sich die Schätzungen der Experten auf 209 DM/haLF, hier sogar auf 244 DM/haLF für Drusch- und Hackfrüchte. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß zu bedenken ist, daß nur Betriebe ausgewiesen sind, die tatsächlich investieren wollen; diese Betriebe vergeben also offensichtlich keine (oder nur wenige) Arbeiten im Lohn. Verglichen mit Übersicht 11 (Investitionen aller Betriebe) zeigt sich allerdings, daß die Angaben zu Ackerschleppern, Bodenbearbeitung/Pflege und Erntetechnik (Ausnahme Ernte Futter) bei reinen Marktfruchtbetrieben deutlich höher liegen als im Durchschnitt aller Betriebe. Hingegen liegen Investitionsabsichten im tierischen Bereich offensichtlich nur dann vor, wenn hier neue Produktionsverfahren aufgenommen werden sollen, dies erklärt auch die niedrige Anzahl der Betriebe (N) für diese Investitionsbereiche.

Zusammenfassung

Der Beitrag versucht, Determinanten zukünftigen Investitionsverhaltens landwirtschaftlicher Betriebe aufzuzeigen. Als eine geeignete Größe, um das gesamte Investitionsvolumen des Sektors Landwirtschaft zu prognostizieren, wurde der Produktionswert herausgearbeitet. Folgerichtig werden im Verlauf des Beitrags Faktoren isoliert, die den Produktionswert der Landwirtschaft beeinflussen. Dies sind insbesondere Faktoren, die durch politische Vorgaben bestimmt sind und sich entsprechend schlecht vorhersagen lassen. Darüber hinaus existieren aber noch eine Reihe anderer Bestimmungsgründe zukünftigen Investitionsverhaltens. Es wird gezeigt, daß eine Veränderung der Betriebsstruktur hin zu größeren Betrieben per senoch nicht zu sinkenden Investitionen führt. Vielmehr ist gegenwärtig der Abbau einer vielfach anzutreffenden "Übermechanisierung" für sinkende Investitionen verantwortlich.

Die Übermechanisierung, insbesondere kleinerer Betriebe, hat zur Folge, daß das Nutzungspotential vieler Maschinen nicht vollständig ausgenutzt wird. Großmaschinen sind, obwohl absolut teurer, pro Nutzungspotentialeinheit billiger. Großbetriebe agieren anders am Investitionsgütermarkt und führen eher arbeits- und kapitalsparende Produktionsverfahren ein. Dies alles führt zu vergleichsweise geringeren Investitionen.

Großbetriebe - mit dem Zwang zur effizienteren Nutzung des teuren Produktionsfaktors Arbeit - investieren aber auch in robustere Maschinen, sind investitionsfreudiger, weil sie langfristig attraktive Arbeitsplätze schaffen sowie technischen Fortschritt nutzen müssen und stehen unter stärkerem Zwang als Kleinbetriebe, Arbeit durch Kapital zu ersetzen. Dies führt zu vergleichsweise höheren Investitionen.

Die Prognosen der Experten und eine Befragung landwirtschaftlicher Betriebe deuten darauf hin, daß die Investitionen unter Abwägung der genannten Sachverhalte zurückgehen, sich aber wieder auf ein stabiles Niveau einpendeln werden. Es wurde versucht, dieses Niveau als Synthese der Expertenmeinung und der Betriebsbefragung abzuleiten.

Die von den angeführten Sachverhalten ausgehende Bedrohung der Landmaschinenindustrie ist aber gleichzeitig auch deren Chance, wenn sie auf die geänderten Anforderungen, insbesondere die der großen Vielpersonen-Lohnarbeitsbetriebe, eingeht und dadurch in der Lage ist, ihre Produktpalette zu internationalisieren.

Literaturverzeichnis:

BUNDESREGIERUNG, 1994: Drucksache 12/6751, Materialband zum Agrarbericht, Bonn.

BML (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Hrsg.), Versch. Jg.: Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Bundesrepublik Deutschland.

KUHLMANN, F., 1986: Der Landmaschinenhandel als Mittler zwischen Industrie und Landwirt/Lohnunternehmer. Vortrag gehalten anläßlich der Tagung des Unternehmerringes der Landmaschinen-Fachbetriebe am 4.9.1986 in Bad Rothenfelde.


(1) Herrn Dr. Heinrich (Halle) und Herrn Dr. Wettich (Darmstadt) sei für die Durchführung der Expertenbefragung gedankt. Weiterhin danke ich Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Kuhlmann (Gießen) für wertvolle Anregungen bei der Formulierung der Thesen.

(2) Institut für landwirtschaftliche Betriebslehre der Justus-Liebig-Universität Gießen, Senckenbergstraße 3, 35390 Gießen.