Softwaregestaltung und Informationsbedarf für Computerprogramme zur Betriebsführung

P. Wagner(1)

1 EINLEITUNG

Der Bedarf von Entscheidungsträgern an Information und deren sachgerechte Darbietung zur Vorbereitung und Durchführung von Handlungen ist seit jeher Gegenstand der landwirtschaftlichen Betriebslehre. Information als zielorientiertes Wissen bedeutet Wettbewerbskraft. Eine systematische Nutzung der informationstechnischen Hilfsmittel zur Steigerung der geistigen Produktivität kann Einkommenszuwachs bedeuten, wie umgekehrt die unterlassene Informationsnutzung zu Einkommensverlusten führen kann (KUHLMANN und WAGNER, 1986, S.408). Diese Erkenntnis, gepaart mit ständig leistungsfähigerer Hardware und immer vielfältigerer Software hat in den letzten Jahren zu einem regelrechten Boom in der Informationsverarbeitung mit vielversprechenden Ansätzen geführt. Dennoch hat diese Technologie bei weitem noch nicht die Verbreitung in der Landwirtschaft gefunden, die ihr, folgt man den Aussagen von Experten in diesem Bereich, eigentlich zukommen müßte.

Dieser Beitrag versucht, nach einer kurzen Darstellung des Status quo der Informationsverarbeitungstechnologie aus der Sicht der Wissenschaft, aufzuzeigen, wie Landwirte und landwirtschaftliche Berater als eigentliche Adressaten und Anwender, diese Technologie einschätzen und wie die teilweise unbefriedigende Situation verbessert werden könnte.

2 STAND DER INFORMATIONSVERARBEITUNG IN DER LANDWIRTSCHAFT

Der gegenwärtige Stand der Informationsverarbeitung in der Landwirtschaft ist geprägt von der Diskussion um Integrierte Entscheidungs-Unterstützungs-Systeme (DEUTSCHE LANDWIRTSCHAFTS GESELLSCHAFT, 1990; KUHLMANN, 1990), deren Konzept auf einen Vorschlag von SPRAGUE und WATSON (1983) zurückgeführt werden kann. Tatsächlich erscheinen die meisten angebotenen Lösungen jedoch noch weit von diesem Idealmodell entfernt. Das zweite große Feld der Experten- und wissensbasierten Systeme, das ebenfalls Gegenstand vieler wissenschaftlicher Publikationen ist (BARRET und JONES, 1989; DEUTSCHE LANDWIRTSCHAFTS GESELLSCHAFT, 1988; WAGNER, 1992, S.75ff, WAGNER, 1993, S.57ff), weist ebenfalls vielversprechende Ansätze auf, dennoch kann auch hier nicht vom Einsatz ausgereifter Programme auf breiter Ebene die Rede sein.

Demgegenüber sind die "klassischen" Verfahren der Informationsverarbeitung, wie Lineare Programmierung, Simulation oder Kostenrechnung, etwas in den Hintergrund getreten, wenngleich ganz offensichtlich auch hier sowohl noch erheblicher Forschungsbedarf, namentlich sei beispielsweise die Kostenrechnung genannt, als auch ein Bedarf von seiten der Anwender besteht.

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(1) Priv. Doz. Dr. Peter Wagner, Institut für landwirtschaftliche Betriebslehre, Justus-Liebig-Universität, Senckenbergstr. 3, 35390 Giessen