3 INFORMATIONSVERARBEITUNG AUS DER SICHT DER ANWENDER

3.1 Die empirische Studie

Die Aussagen dieses Kapitels beruhen auf einer 1992 durchgeführten, schriftlichen Umfrage unter 519 Landwirten und landwirtschaftlichen Beratern die einen Computer zur Informationsverarbeitung benutzen (Rücklaufquote 38.2 %, N = 198).

Von den 198 auswertbaren Fragebogen stammen der überwiegende Teil von praktizierenden Landwirten, gefolgt von Beratern, Landwirten und Beratern sowie sonstigen Personen.

Übersicht 1: Struktur und Altersverteilung der Stichprobe
Landwirte1) Berater Sonstige Insgesamt
Alter % % % %
unter 20 0,7 - - 0,5
20 - 30 19,3 19,4 28,6 20,3
31 - 40 43,6 38,9 28,6 41,1
41 - 50 26,4 25,0 28,6 26,4
51 - 60 5,7 16,7 9,5 8,1
über 60 4,3 - 4,8 3,6
Anzahl 140 36 21 1972)
1) darunter 14 Landwirte, die auch eine Beraterfunktion ausüben
2) eine fehlende Altersangebe, N = 198

Die Altersverteilung der Stichprobe und in den einzelnen Klassen ist - wie auch die vorgenannten Sachverhalte - Übersicht 2 zu entnehmen. Die am häufigsten vertretene Altersklasse ist 31 - 40 Jahre, dies ist offensichtlich unabhängig von der ausgeübten Tätigkeit als Landwirt oder als Berater.

Übersicht 2: Altersverteilung der Stichprobe

Alter Landwirte Landw. u. Ber. Sonstige SUMME

abs. % abs. % abs. % abs. %
Unter 20 1 0,8 - - - - 1 0,5
20-30 26 20,6 7 19,4 6 28,6 40 20,3
31-40 52 41,3 14 38,9 6 28,6 81 41,1
41-50 34 27,0 9 25,0 6 28,6 52 26,4
51-60 8 6,3 6 16,7 2 9,5 16 8,1
über 60 5 4,0 - - 1 4,8 7 3,6
Summe 126 100,0 36 100 21 100 197 100

Ein weiteres Merkmal, nach dem sich zumindest die Gruppe der Landwirte näher zu beleuchten lohnt, ist die Betriebsgröße. Sie ist für vorliegende Zwecke im Umsatz der Betriebe ausgedrückt (vgl. Übersicht 3), um die Problematik der flächenarmen aber viehreichen Betriebe zu umgehen. Leider erwies sich die Klasseneinteilung im Nachhinein nicht als glücklich, da insbesondere die Gruppe "über 500 TDM" zu stark besetzt ist, mindestens eine zusätzliche Klasse ist hier für zukünftige Studien angezeigt.

Übersicht 3: Umsätze der Betriebe

Umsatz (TDM) Landwirte Landw. u. Ber. SUMME

abs. % abs. % abs. %
100 7 5,9 1 7,7 8 6.1
 100-200 13 11 2 15,4 15 11.5
200-300 18 15,3 2 15,4 20 15.3
300-400 14 11,9 1 7,7 15 11.4
400-500 15 12,7 2 15,4 17 13.0
500 51 43,2 5 38,5 56 42.7
Summe 118 100 13 100 131 100.0

3.2 Intention der empirischen Studie

Die Intentionen der Studie lassen sich anhand der im Vorfeld formulierten Hypothesen ableiten:

1. Die Akzeptanz der Computertechnologie bei Landwirten und Beratern ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Vermutung ist, daß die Erwartungen, die mit dem Computereinsatz verbundenen waren, nicht erfüllt worden sind und die Anwenderschaft von daher keine unbedingt positive Einstellung gegenüber dieser Technologie hat.

Es wird daher versucht, die Einstellungen der Landwirte und Berater zu erfassen und soweit möglich, differenziert darzustellen. Die Befragung richtete sich allerdings nicht an "Nichtanwender", da sonst die weiteren verfolgten Ziele der Studie nicht hätten erreicht werden können.

2. Die angebotene und verwendete Software und die damit verbundenen Dokumentationen und Dienstleistungen sind verbesserungsfähig.

Die Befragung versucht daher Schwachstellen von Software zu analysieren und Vorschläge zur Verbesserung abzuleiten.

3. Die angebotene und verwendete Software läßt hinsichtlich der Datenintegration alle Wünsche offen.

Es wird daher versucht, die wichtigsten Belange der Datenintegration abzugrenzen und nach ihrer Notwendigkeit zu ordnen um den vordringlichen Integrationsbedarf aufzeigen zu können.

3.3 Ergebnisse der empirischen Studie

3.3.1 Erwartungen beim Computerkauf

Die Gründe für einen Computerkauf und vor allem das Maß der Erfüllung der damit verbundenen Erwartungen können wesentliche Hinweise für die Softwareentwicklung aber auch für die Akzeptanz liefern. Es standen vier Gründe zur Bewertung, zusätzlich bestand die Möglichkeit, sonstige Gründe anzugeben. Das Ergebnis der Auswertung zeigt Übersicht 4. Dort ist auch der Erfüllungsgrad der Erwartungen abzulesen.

 

Übersicht 4:Gründe für den Computerkauf

Computerkauf wegen ...
(Mehrfachnennungen)
War Grund
(1)
 Erwartungen erfüllt zu ... (in % von (1)) Rangziffer2)
 

 Abs.

 %1)

 über 80%

 50-80%

 20-50%

 Weniger als 20%

 

 besseren Entscheidungen

121

62,1

35,5

45,5

15,7

3,3

1,87

 besserer Betriebsübersicht

133

68,2

48,5

40,9

9,1

1,5

1,64

 Arbeitserleichte-rung

115

59,0

40,7

31,0

24,8

3,5

1,91

 Kostensenkung

73

37,4

24,3

34,3

32,9

8,6

2,26

 sonstigem

48

24,6

-

-

-

-

-

1) % der Fälle, N = 195

2) Der höchste zu erreichende "Zufriedenheitsgrad" betrug 1, der niedrigste 4

Der Hauptgrund, einen Computer zu kaufen, war offensichtlich eine bessere Betriebsübersicht zu erhalten, gefolgt von der Hoffnung, aufgrund des Computereinsatzes bessere Entscheidungen treffen zu können und Arbeitserleichterung zu erhalten. Unter dem Punkt "sonstigem" wurde hauptsächlich der Wunsch angeführt, die Buchführung künftig selber machen zu wollen. Offensichtlich wurden die Erwartungen am ehesten auch in dieser Reihenfolge erfüllt, d.h. im Allgemeinen unterlagen die Anwender keinen falschen Hoffnungen. Hierin findet sich bereits ein Indikator, daß die Landwirte und Berater, die einen Computer benutzen, von der Arbeit mit dieser Technologie, im Gegensatz zur ersten Hypothesenformulierung, nicht enttäuscht sind.

Die Angaben zu den Gründen des Computerkaufs variieren natürlich in Abhängigkeit von der Tätigkeit der Anwender: Landwirte haben andere Gründe als Berater, wie in Übersicht 5 gezeigt. Demnach ist es für Landwirte der Hauptgrund, eine bessere Betriebsübersicht zu erhalten, für Berater hingegen Arbeitserleichterung. Dies ist auch genau das Kriterium, bei denen sich für die Berater die Erwartungen am ehesten erfüllt haben, im Gegensatz zu den Landwirten, die durch den Computereinsatz anscheinend keine so deutliche Arbeitserleichterung verspüren.

 

Übersicht 5: Gründe für Computerkauf und Erfüllung der Erwartungen nach Berufszugehörigkeit

Computerkauf wegen ...
(Mehrfachnennungen)

 war Grund (% v. N)

 Erwartungen erfüllt3)

 

 Landw.1)

 Berater2)

 Landw.

 Berater

 besseren Entscheidungen

62,6

66,7

1,92

1,67

besserer Betriebsübersicht

83,7

33,3

1,67

1,67

 Arbeitserleichterung

49,6

80,6

2,20

1,52

 Kostensenkung

46,3

25,0

2,35

2,11

1)N = 123 2) N = 36

3) Rangziffer, der höchste zu erreichende "Zufriedenheitsgrad" betrug 1, der niedrigste 4

Ebenso variieren die Gründe einer Computeranschaffung nach dem Alter der Befragten (vgl. Übersicht 6). Jüngere erhoffen sich eher eine bessere Betriebsübersicht und bessere Entscheidungen durch einen Computerkauf, Ältere sehen als Grund eher Arbeitserleichterung und Kostensenkung. Interessanterweise bleiben die Erwartungen hinsichtlich besserer Entscheidungen allerdings bei den jüngeren Befragten eher unerfüllt als bei den Älteren, während die Älteren, die einen Computer zwar eher wegen der erhofften Arbeitserleichterung kaufen, diese Erwartung vergleichsweise weniger erfüllt sehen.

Übersicht 6: Gründe für Computerkauf und Erfüllung der Erwartungen nach dem Alter der Befragten

Computerkauf wegen ...
(Mehrfachnennungen)

war Grund (% v. N)

Erwartungen erfüllt3)

 40

>402)

 40

>40

 besseren Entscheidungen

66,4

 54,8

 1,93

 1,75

 Besserer Betriebsübersicht

72,1

61,6

1,63

1,64

Arbeitserleichterung

55,7

64,4

1,71

2,00

Kostensenkung

33,6

43,8

1,83

1,56

1) N = 122 2) N = 73

3) Rangziffer, der höchste zu erreichende "Zufriedenheitsgrad" betrug 1, der niedrigste 4

 

3.3.2 Heranführung an neue Software

Um Software breiter verfügbar machen zu können, bedarf es geeigneter Wege, den ersten Kontakt zum Anwender herzustellen. Wie Abbildung 1 zeigt, möchten mit Abstand die meisten (64,6 %) der Befragten neue Software am liebsten über Demo-Disketten kennenlernen, gefolgt von Vorstellungen in Zeitschriften (13.6 %) und durch Schulungen bzw. in Seminaren (11,5 %). Keine oder wenig Bedeutung zum Kennenlernen neuer Software haben für die Befragten demnach Ausstellungen und Messen sowie Berufskollegen.

Software, die hier schon ihre Benutzerfreundlichkeit unter Beweis stellen kann und entscheidungsorientiert arbeitet, auch das geht aus der Untersuchung hervor, findet ihren Weg zum Anwender.

3.3.3 Einsteigerschwierigkeiten

Auf einer Skala von 1 (keine Zustimmung) bis 4 (Zustimmung) erzielte die Aussage "Ich hatte zu Beginn der Computernutzung Schwierigkeiten" den Mittelwert von 2.7, also leichte Zustimmung; hingegen erzielte die Aussage "Ich habe heute bei der Computernutzung Schwierigkeiten" auf gleicher Skala einen Wert von 1.6, also fast keine Zustimmung. Verstärkt wird dieses Urteil noch durch den in Abbildung 2 dargestellten Sachverhalt, daß lediglich 8 % der Anwender die bereits vor 1990 einen Computer besaßen, bekundeten, heute noch Schwierigkeiten zu haben, gegenüber 26.4 %, die ihren Computer erst seit 1990 oder später besitzen. Eine klare Aussage also dafür, daß anfängliche Schwierigkeiten sehr bald überwunden werden. In die gleiche Richtung weist, daß 61.5 % derer, die ihren Computer vor 1990 besaßen, ihn für einen unverzichtbaren Bestandteil ihrer Arbeit halten. Demgegenüber halten nur 36.8 % den Computer für einen unverzichtbaren Bestandteil ihrer Arbeit, die über einen Computer erst seit 1990 oder später verfügen.

3.3.4 Einarbeitung in neue Software

Wie Landwirte sich in neue Software einarbeiten ist in Abbildung 3 gezeigt. In den allermeisten Fällen geschieht dies (Mehrfachnennungen) mit dem Original-Handbuch (80.8 %), durch Probieren (50.1 %) und durch in das Programm eingebaute Hilfen (42.4 %). Weniger wichtig sind Beispieldisketten, spezielle Schulungen, herstellerfremde Bücher, Lernprogramme oder Bekannte. Bezüglich der Beispieldisketten gilt es zu bedenken, daß sich solche Disketten nicht für alle Programme gleichermaßen eignen, sie für spezielle Anwendungen jedoch wertvolle Unterstützung leisten können.

Insgesamt wird deutlich, daß auf die Abfassung von Handbüchern und den Hilfestellungsroutinen in den Programmen besonderes Augenmerk gerichtet werden muß. Gerade der Computerneuling wird sich durch eine schlechte Dokumentation und unbefriedigende Unterstützung im Programm sehr leicht, vielleicht endgültig, vom Gebrauch des Computers abschrecken lassen. Dies wird dadurch unterstrichen, daß die größten Probleme (Mehrfachnennungen) bei der Einarbeitung in neue Anwendersoftware für 57.9 % der Befragten in schlechten Handbüchern/Dokumentation, ungenügende Hilfestellung im Programm (50.5 %) bzw. mangelnde Unterstützung bei den Eingabemasken (43.7 %) gesehen werden.

3.3.5 Softwareangebot

Mit ein Grund für "Softwareabstinenz" in bestimmten Bereichen kann ein unbefriedigendes Softwareangebot sein. Eine Analyse der Einschätzung des Softwareangebotes kann nützlich sein, wenn es festzustellen gilt, wo offensichtliche Defizite gesehen werden. Darüber hinaus läßt die Analyse der Problembereiche, in denen Anwender Software besitzen, diese aber nicht mehr benutzen, interessante Schlüsse zu.

In Übersicht 7 sind diese Sachverhalte dargestellt. Dazu ist das Möglichkeitsfeld für Entscheidungen auf landwirtschaftlichen Betrieben in 19 Problembereiche, in den Hauptgruppen Pflanzenbau, Betriebsführung und Tierhaltung, aufgeteilt worden.

Übersicht 7: Anzahl Programmbesitzer und Zufriedenheit mit Softwareangebot nach Problembereichen

Problembereich

Anzahl Programm besitzer

benutze Programm nicht mehr

bin mit Softwareangebot unzufrieden

 

(1)

abs.

% von (1)

abs.

% d. Fälle1

Düngung

121

15

12.4

22

22.4

Pflanzenschutz

111

27

24.3

33

33.7

Fruchtfolgegestaltung

85

14

16.5

13

13.3

Schlagkartei

141

15

10.6

13

13.3

Sortenwahl

60

25

41.7

18

18.4

Anlagenbuchhaltung

77

6

7.8

2

2.0

Betriebsvergleich

57

6

10.5

12

12.2

Fakturierung

49

3

6.1

3

3.1

Finanzbuchhaltung

126

5

4.0

4

4.1

Finanz-/Investitionsplanung

91

4

4.4

13

13.3

Kostenrechnung

113

4

3.5

10

10.2

Lagerbuchhaltung

45

5

11.1

0

0.0

Lohnabrechnung

37

7

18.9

2

2.0

Produktionsplanung

87

7

8.0

22

22.4

Futterberechnung Rinder

79

7

8.9

3

3.1

Futterberechnung Schweine

81

9

11.1

3

3.1

Herdenführung Rinder

44

6

13.6

3

3.1

Herdenführung Mastschweine

39

8

20.5

3

3.1

Herdenführung Sauen

30

6

20.0

1

1.0

1 N = 98

Es wird deutlich, daß die meisten der nicht mehr benutzten Programme in den Bereichen Pflanzenbau (Sortenwahl 41.7 %, Pflanzenschutz 24.3 %) und Tierhaltung (Herdenführung Mastschweine 20.5 %, Herdenführung Sauen 20.0 %) zu finden sind. Es muß einschränkend für die Problembereiche Sortenwahl und Pflanzenschutz angemerkt werden, daß die Gründe für die Nichtbenutzung darin liegen könnten, daß gerade in diesen beiden Bereichen die Programme sehr schnell veralten, wenn sie nicht mindestens jährlich aktualisiert werden, also neue Sorten- bzw. Pflanzenschutzmittelverzeichnisse und -preise benutzt werden können.

In den Problembereichen, in denen die Nichtnutzung von Programmen in den Augen der Anwender mit einem unbefriedigenden Softwareangebot einhergeht (vornehmlich Pflanzenschutz und Sortenwahl), liegt der Schluß nahe, daß hier wirklich ein Problembereich vorliegt, der sinnvoll durch eine Computeranwendung zu unterstützen ist. Die Anwender sind lediglich von der benutzten Software enttäuscht, vielleicht liegt dies aber nur, wie gesagt, an den fehlenden Aktualisierungen.

Für die Bereiche, in denen die vorhandene Software (noch) genutzt wird, aber trotzdem von einem unbefriedigenden Softwareangebot die Rede ist (vornehmlich Betriebsvergleich, Finanz- und Investitionsplanung, Kostenrechnung und Produktionsplanung), liegt ganz offensichtlich der dringendste Bedarf an Software und deren inhaltlicher Gestaltung vor.

Schließlich existieren Problembereiche, in denen Programme nicht mehr benutzt werden, das Softwareangebot aber trotzdem nicht unbefriedigend erscheint (Herdenführung Schweine), dies sind vermutlich Fragestellungen, in denen den Benutzern der Aufwand für die Computeranwendung zu hoch erscheint bzw. adäquate Softwarelösungen noch nicht gefunden sind.

3.3.6 Benutzerfreundlichkeit aus der Sicht der Anwender

Auf die Frage "Halten Sie die von Ihnen genutzte Software für benutzerfreundlich?" antworteten 9.2 % der Befragten mit "uneingeschränkt JA", 70.3 % mit "JA, im großen und ganzen schon" und 20.5 % mit "NEIN, manches könnte besser sein (vgl. Abbildung 4). Diese relativ positive Einschätzung der Benutzerfreundlichkeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß 124 (62.6 %) der Befragten zum Teil sehr ausführliche und begründete Vorschläge zur weiteren Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit von Software machten. Dies läßt den Schluß zu, daß die Anwender sehr klare Vorstellungen zu der Frage nach ihren Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit haben. Die folgenden Ausführungen beruhen auf den Antworten zu dieser offenen Frage.

3.3.7 Merkmale einer benutzerfreundlichen Software

3.3.7.1 Handbücher, Dokumentation

Wie bereits gezeigt, spielt die softwarebegleitende Dokumentation für die Einarbeitung die größte Rolle. Immer wieder ist - neben der wohlbekannten Forderung nach besseren Handbüchern - der Wunsch nach konkreten Beispielen in der Dokumentation deutlich geworden; Zitat aus einem Fragebogen: "Weniger umfangreichen Text als Hilfe - dafür konkrete Beispiele". Hier ist nicht nur an Beispiele in den Handbüchern zu denken, sondern auch - wo passend - an Beispieldisketten und in die Hilferoutinen der Software eingebaute Beispiele im Zusammenhang mit der jeweils anstehenden Sachfrage.

Die Handbücher selbst sind vielen Anwendern zu unklar. Handbücher werden offensichtlich oft von den Programmautoren geschrieben. Viel besser geeignet wären an der Programmentwicklung vollkommen unbeteiligte Personen. Sind solchermaßen abgefaßte Handbücher mit verständlichen Beispielen und ausführlichen Stichwortverzeichnissen versehen, kommen sie den Vorstellungen ihrer Adressaten sehr nahe.

3.3.7.2 Hilferoutinen in den Programmen

Es wurde bereits angedeutet wie wichtig es den Anwendern erscheint, konkrete, problemrelevante Beispiele in die Hilfen des Programmes aufzunehmen. Dies unterstreicht sowohl den vielfach geäußerten Wunsch nach kontextsensitiver Hilfe als auch die Hinwendung zu Hypertext gestützten Hilfesystemen.

Darüber hinaus wurde immer wieder die unterschiedliche Funktionstastenbelegung in verschiedenen Programmen beanstandet. Wenn sich schon die Hersteller nicht auf eine allen gemeinsame Belegung der gebräuchlichsten Hilfe-Funktionen einigen können, so ist das Problem einfach zu lösen, wenn wenigstens für den Benutzer die Möglichkeit gegeben ist, die Tastenbelegung nach eigenem Gutdünken vornehmen bzw. verändern zu können, um so zu einer "individuellen Standardisierung" zu gelangen.

3.3.7.3 Programme

Hinsichtlich der Programme werden klare Forderungen laut, die derzeit von den allerwenigsten landwirtschaftsspezifischen Anwendungen erfüllt werden. Allen voran ist hier bezüglich der Benutzerschnittstelle "Bildschirm" die bedingungslose Hinwendung zu "Pull-Down-Menüs" und grafischen Oberflächen zu nennen.

Vor die Wahl gestellt, zwischen verschiedenen Menüformen als Repräsentationsschema der in Programmen angebotenen Möglichkeiten zu entscheiden (vgl. Abbildung 5), rangierten "Pull-Down-Menüs" mit einer Rangziffer von 77.9 (bei einer relativen Bandbreite von 0 bis 100) mit Abstand vor "Auswahlmenü mit Ziffern" (Rangziffer 57.4), "Auswahlmenü nur mit Mausbetätigung" (Rangziffer 38.4) und "Auswahlmenü mit Buchstaben (Rangziffer 28.2). Dabei muß angemerkt werden, daß sich Pull-Down-Menüs hervorragend für grafische Benutzeroberflächen, in Kombination mit einer Maus- oder Cursortastenbedienung, eignen. Dies steht in Einklang mit der oft erhobenen Forderung einer engen Anlehnung an die SAA Definitionen von IBM (vgl. SCHMID, 1990), Stichwort "Windows", und dem Wunsch nach mehr Einbeziehung von grafischen Darstellungsweisen in die Programme. Möglichkeiten zur vermehrten Einbeziehung graphischer Darstellungsweisen existieren viele, wobei keinesfalls nur an die Verwendung von Grafiken bei der Datenausgabe anstelle von ohnehin nicht in allen Fällen sinnvoll zu ersetzenden Tabellen zu denken ist. Es könnte beispielsweise auch die Eingabe erleichtert werden, etwa bei der Identifizierung von Unkräutern und Schädlingen oder, denkbar bei der Schlagkartei, die Darstellung der Feldstücke in einer Grafik, die dann angeklickt werden können anstatt umständlich eine Schlagbezeichnung oder gar einen Code für den zu bearbeitenden Schlag eingeben zu müssen. Dies sind lediglich zwei Beispiele aus den vielen Möglichkeiten, von denen bisher kaum eine einzige schon in verkaufter Software realisiert wäre. Unabhängig davon stimmen 75.9 % der Befragten zu, wenn es darum geht, daß zusätzliche Grafikoptionen bei den Auswertungen zu einer Verbesserung der Software beitragen würde.

3.3.8 Einstellungen zur Computernutzung

Die Einstellung der Befragten zur Computernutzung ist in Übersicht 8 dokumentiert. Hier ist eine Batterie von Items abgefragt worden, die auf einer Skala von 1 (stimme ganz und gar nicht zu) bis 4 (stimme voll und ganz zu) zur Bewertung standen. In Übersicht 8 sind zum einen die Mittelwerte für jedes Item ausgewiesen und zusätzlich differenziert nach

  • Landwirten (N=126) und Beratern (N=36),
  • älteren (N=73) und jüngeren (N=122) Anwendern,
  • Computer-viel- (N=159) und -seltennutzern (N=38) sowie
  • Akademikern (N=55) und Nichtakademikern (N=66).

Die letztgenannte Auswertung bezieht sich nur auf Landwirte, da sich bei der Einbeziehung der Berater, die allesamt Akademiker sind, deren Einfluß, der ja schon in der ersten Spalte deutlich wird, überproportional niedergeschlagen hätte.

Übersicht 8: Einstellungen zur Computernutzung bei verschiedenen Gruppen

  Mittel-
wert1)
Abweichungen2) zwischen ...
Landwirten und Beratern Älteren3) und Jüngeren Vielnutzern4) und Seltennutzern Akademikern5) und Nichtakademikern6)
Ich bezweifle den Nutzen des Computers 1,21     -  
Ich führe durch den Computer Auswertungen durch, die ich ohne ihn nicht machen würde 3,62 +   +++  
Die von mir benutzten Anwenderprogramme sind gut dokumentiert 2,85 + + +  
Die Programme setzen ein zu großes Hintergrundwissen voraus 2,32        
Durch die Benutzung des Computers gewinne ich Zeit 2,70 ---   +++  
Für mich ist der Computer ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Arbeit 3,42 --   +++  
Ich hatte zu Beginn der Computernutzung Schwierigkeiten 2,67   ++ -  
Die Programme erforderen zu umfangreiche Dateneingaben 2,37        
Ein Landwirt ohne Computer wird es in Zukunft schwieriger haben zu überleben 2,93 ++   ++  
Mit den von mir benutzten Anwenderprogrammen bin ich zufrieden 3,04        
Ich habe (heute) bei der Computernutzung Schwierigkeiten 1,59     ---  
Die Dateneingabe vieler Programme ist zu kompliziert 2,27 -      
Ich habe Schwierigkeiten, mich in den Auswahlmenüs der Programme zurechtzufinden 1,60 ---   --  
Bevor ich ein Programm benutzen kann, muß ich zu viel im Handbuch nachlesen 2,30       +
1) Mittelwert aus einer Skala von 1 (stimme ganz u. gar nicht zu) bis 4 (stimme voll u. ganz zu)
2) positive (negative) Abweichung, bezogen auf Erstgenannte gegenüber Zeitgenannten:
    +++ (---) auf 99,9%igem, ++ (--) auf 99,0%igem und + (-) auf 95,0%igem Signifikanzniveau
3) Ältere: 40 Jahre, jüngere < 40 Jahre
4) Vielnutzer: Täglich bzw. mehrmals die Woche, Seltennutzer: Mehrmals im Monat bzw. seltener
5) Akademiker: Universitäts- und Fachhochschulabschluß, Nichtakademiker: Alle anderen
6) Spalte bezieht sich nur auf Landwirte, nicht auf Berater

Für die Interpretation der Übersicht sind einige Erläuterungen notwendig: Die ausgewiesenen Mittelwerte beziehen sich auf die gesamte Stichprobe (N=198). So bedeutet beispielsweise ein Mittelwert von 1,21 bei dem Item "Ich bezweifle den Nutzen des Computers", daß dies kaum jemand anzweifelt. Werden hingegen die Gruppen analysiert, ergibt sich, daß zwischen Landwirten und Beratern, Älteren und Jüngeren sowie Akademikern und Nichtakademikern keine signifikanten Unterschiede bestehen. Differenzen bestehen lediglich zwischen der Gruppe der "Vielnutzer" und "Seltennutzer". Der Mittelwert der Vielnutzer weicht auf dem Niveau von 95% signifikant von dem der Seltennutzer nach unten ab, d.h. die Vielnutzer stimmen diesem Item noch weniger zu (1,18) als die Seltennutzer (1,32). Diese Mittelwerte sind in der Übersicht nicht ausgewiesen. Es werden lediglich die signifikanten Abweichungen auf den Niveaus 99,9%, 99,0% und 95,0% dargestellt. Positive Abweichungen der Mittelwerte sind mit "+", negative mit "-" gekennzeichnet. Dabei bezieht sich die Abweichung immer auf die erstgenannte Gruppe, zur Erläuterung soll Item Nummer fünf "Durch die Benutzung des Computers gewinne ich Zeit" dienen. Der Mittelwert von 2,7 bedeutet zunächst, daß hier generell eine leichte Zustimmung besteht. Betrachtet man die Gruppe der Landwirte gegenüber der Gruppe der Berater, ergibt sich, daß die Landwirte hier auf einen signifikant niedrigeren Mittelwert kommen, d.h dem Item weniger stark zustimmen; zwangsläufig erlangt dieses Item bei der Gruppe der Berater mit einem höheren Mittelwert eine höhere Zustimmung, und zwar auf einem Signifikanzniveau von über 99,9%. Umgekehrt wird dieses Item von den Vielnutzern bewertet: Gegenüber den Seltennutzern weisen sie einen, ebenfalls auf einem Signifikanzniveau von über 99,9%, höheren Mittelwert, also höhere Zustimmung, auf. Die Interpretation aller anderen Items läßt sich leicht nach dem gleichen Vorgehen vollziehen.

Die Signifikanzniveaus für die Abweichung der Gruppenmittelwerte wurden mit dem Mann-Whitney U-Test berechnet.

3.3.9 Integration von Software

3.3.9.1 Technische Aspekte der Integration

Wie eingangs bereits erwähnt, ist vielfach die Rede von Integrierten Entscheidungs-Unterstützungs-Systemen. Dabei ergibt sich zwangsläufig die Frage nach der Integration, d.h. nach der "Zusammenarbeit" verschiedener Programme.

Diese Zusammenarbeit drückt sich beispielsweise so aus, daß die Ergebnisse des einen Programmes, welche ein anderes eventuell als Eingabe benötigt, nicht immer wieder neu eingeben zu müssen bzw. daß oft benötigte Daten, etwa die Stammdaten des Betriebes (Schlaggrößen, Stallkapazität, etc.) in einer umfassenden Datenbank abgelegt sind, auf die von den verschiedensten Programmen zugegriffen werden kann.

Es ist keine Frage, wie ein solches integriertes System im Idealfall aussehen müßte: Alle Programme wären dann untereinander bzw. über eine gemeinsame Datenbank in der Lage zu kommunizieren, kein Datum müßte jemals doppelt eingegeben werden. Jeder, der sich mit dieser Problematik bereits beschäftigt hat, weiß, daß die Realität noch anders aussieht. Wenn überhaupt, sind höchstens die Programme eines Herstellers in der Lage, untereinander mehr oder weniger umständlich Daten auszutauschen oder der Datenverbund geht über standardisierte Dateien, etwa ASCII-Dateien. Die angebotenen Lösungen sind weitgehend unbefriedigend.

Gerade die Vermeidung von Doppel- oder Dreifach-, im schlimmsten Falle Vielfacheingaben ein und desselben Datums würde erheblich zur besseren Benutzerfreundlichkeit beitragen, wenn auch nicht vergessen werden darf, daß dadurch die Komplexität des Systems erhöht und die Durchschaubarkeit reduziert wird. Auf der anderen Seite ist klar, daß auch der Vorgang der Integration ein Prozeß der kleinen Schritte ist.

3.3.9.2 Funktionale Aspekte des Integrationsbedarfs

Um die Frage des Integrationsbedarfs unter funktionalen Aspekten zu beantworten, soll wieder auf die in Zusammenhang mit Übersicht 7 bereits erläuterten Problembereiche zurückgegriffen werden. In Übersicht 9 wird in tabellarischer Form versucht, dieser Frage nachzugehen. Dort sind die 19 Problembereiche in Matrixform gegeneinander abgetragen, die Felder mit einem "++" dokumentieren eine sehr starke Integrationsnachfrage, ein "+" steht für eine schwächere, aber immer noch deutliche Integrationsnachfrage. Die Lesart der Übersicht bedarf noch einiger Erläuterungen. Die Frage, deren Antworten zur Aufstellung in der Übersicht führte, lautete:

"Für welchen Problembereich sehen Sie es als am notwendigsten an, daß Anwenderprogramme mit Programmen anderer Problembereiche verbunden werden, etwa zu gegenseitigem Datenaustausch?"

Es war also ein Problembereich, gewissermaßen als "Oberbereich", zu nennen und in Verbindung dazu ein oder mehrere andere Problembereiche. Dies muß bei der Interpretation der Übersicht im Auge behalten werden. Ein Beispiel anhand der Übersicht soll dies verdeutlichen: Der Problembereich "Düngung" (erste Zeile) weist in Verbindung mit "Schlagkartei" (vierte Spalte) ein "+" auf. Der Problembereich "Schlagkartei" (vierte Zeile) weist in Verbindung zu "Düngung" (erste Spalte) ein "++" aus. Der Unterschied besteht darin, daß "Düngung" als Oberproblembereich seltener in Verbindung zu "Schlagkartei" gebracht wurde als der Oberproblembereich "Schlagkartei" mit "Düngung". In diesem Fall ist also die Integrationsnachfrage von der Schlagkartei ausgehend stärker ausgeprägt als diejenige von der Düngung ausgehend.

Auf dieser Basis ergibt sich, daß insbesondere ausgehend von der Schlagkartei als "dominierendes" Programm die Verbindung zu Düngung, Pflanzenschutz, Fruchtfolgegestaltung, Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung gesucht wird, und daß, ausgehend von der Finanzbuchhaltung, Verbindungen zu Betriebsvergleich, Finanz- und Investitionsplanung und Kostenrechnung gewünscht wird.

Weitere Integrationsaspekte können cbersicht 9 direkt entnommen werden. Dabei ist zu bemerken, daß viele der Felder gänzlich leer sind; aber auch dieser Sachverhalt beinhaltet eine Aussage von Bedeutung: Diese Felder (insbesondere die leeren Spalten) zeigen an, wo kein bzw. geringerer Integrationsbedarf besteht.

Übersicht 9: Integrationsbedarf für Agrarsoftware

  Dün-
gung
Pflan-
zen-
schutz
Frucht-
folge-
gestalt.
Schlag-
kartei
Sorten-
wahl
Anlagen-
buch-
haltung
Betriebs-
vergleich
Faktu-
rierung
Finanz-
buch-
haltung
Finaz-/
Invest.-
planung
Kosten-
rechnung
Lager-
buch-
haltung
Lohn-
abrech-
nung
Produk-
tions-
planung
Futter-
brchng.
Rinder
Futter-
brchng.
Schw.
Herden-
mgt.
Rinder
Herden-
mgt.
MstSchw.
Herden-
mgt.
Sauen
Düngung  . + + +                              
Pflanzenschutz +  . + +                              
Fruchtfolgegestaltung      .                                
Schlagkartei ++ ++ ++  . +   +   ++   ++ +   +          
Sortenwahl          .                            
Anlagenbuchhaltung            .                          
Betriebsvergleich              .                        
Fakturierung                .                      

Finanzbuchhaltung

      +   + ++ +  . ++ ++ +   +     +    
Finanz-/Investitionsplanung                    . +                
Kostenrechnung                      .                
Lagerbuchhaltung                        .              
Lohnabrechnung                          .            
Produktionsplanung       +                    .          
Futterberechnung Rinder                              .   ++    
Futterberechnung Schweine                                .   +  
Herdenmanagement Rinder                                  .    
Herdenmanagement Mastschw.                                    .  
Herdenmanagement Sauen                                      .

4 ANFORDERUNGEN AN EINE BENUTZERORIENTIERTE INFORMATIONSVERARBEITUNG UND MÖGLICHKEITEN ZUR VERBESSERUNG DER SITUATION

Die von Wissenschaft und Praxis erhobene Forderung nach mehr Integration, insbesondere Datenintegration, ist, genauso wie der von Anwenderseite formulierte Bedarf einheitlicher Oberflächen, ganz sicher für zukünftige Softwareentwicklung gleichberechtigt zu sehen.

Einerseits sind viele wissensbasierte Modelle, obwohl sie oft "nur" ein relativ eng begrenztes Sachwissensgebiet behandeln, auf umfangreiche Betriebs- und nicht selten auch externe Daten angewiesen. Solche Programme, etwa zur Sortenwahl, Fruchtfolge- oder Düngeempfehlung, werden, das hat die Umfrage gezeigt, durch Ihren relativ eng begrenzten Lösungsraum dann nicht akzeptiert, wenn der Dateneingabeaufwand dem Benutzer zu hoch erscheint. Sehr viele sinnvolle und nutzenbringende Anwendungen scheitern dadurch. Dies erklärt auf einfache Weise auch, wieso in wissenschaftlichen Beiträgen solche Modelle oft gelobt und als Richtungsweisend angesehen werden, sie in der Praxis jedoch mehr oder weniger scheitern.

Zum anderen müssen den berechtigten Wünschen der Anwender mehr Rechnung getragen werden. Zeigte die Untersuchung zwar, daß die allermeisten Benutzer nach einiger Zeit keine Schwierigkeiten mit dem Gebrauch der Informationsverarbeitungstechnologie mehr haben, sind es doch gerade die anfänglichen Schwierigkeiten, die Novizen zu sehr abschrecken können. Gerade hier sind zeitgemäße Benutzeroberflächen ein erheblich wichtigerer Beitrag als beispielsweise die erwähnten Integrationsaspekte. Letztere allerdings erhalten bei längerfristiger Betrachtung bedeutend mehr an Gewicht, wenn es gilt, den Benutzer, salopp gesagt, bei der Stange zu halten.

Ein weiterer Schritt in Richtung benutzerorientierte Software ist die Möglichkeit, Inputs und Outputs der Programme nach eigenem Ermessen flexibel zu gestalten. Dies darf allerdings unter gar keinen Umständen dazu führen, daß der Anwender anfänglich vor einem leeren Bildschirm sitzt, sondern es muß mit "Standardeingabemasken" und gewissen "Standardauswertungen" begonnen werden. In den Eingabemasken müssen dann Möglichkeiten gegeben sein, anwenderseits nicht benötigte Eingabefelder auszublenden; für die Ergebnisausgabe müssen Möglichkeiten geschaffen werden, eigene Listen, sowohl von Format, Umfang als auch Inhalt, zu definieren. Insbesondere zu letzterem existieren bereits Beispiele (etwa das Programm CASHPLAN zur Liquiditätsplanung landwirtschaftlicher Betriebe, das die flexible Gestaltung von PLAN-IST-Vergleichen über frei definierbare Kennzahlen erlaubt, vgl. SCHRÖTER, 1989, S.305ff; SCHRÖTER und WAGNER, 1990, S.368ff).

Der größte Fortschritt in Bezug auf eine benutzerorientierte Software kann sicher durch eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Softwarehäusern erwartet werden, wobei die Stützung auf breit akzeptierte Standards unabdingbar ist. Es macht im Interesse des Fortschritts in der Informationsverarbeitung wenig Sinn, eine breite Gruppe von Anwendern zu befragen, wie Inhalte und Techniken zu entwickelnder Software aussehen sollte. Bei solchen Umfragen ist eher zu erfahren, was die Befragten nicht wollen, als mit klaren Ergebnissen hinsichtlich echter Bedürfnisse aufwarten zu können. Hier könnte die Wissenschaft gefragt sein, geeignete, bessere Methoden, Techniken und Repräsentationsschemata zu entwickeln. Auf der anderen Seite muß klar gesehen werden, daß diese Arbeit von den allermeisten Softwarehäusern nicht zu leisten ist, hier kann allerdings ein viel deutlicheres Augenmerk auf Benutzeroberflächen (auch bezüglich einer vereinheitlichten Tastenbelegung), Schnittstellen und Softwareergonomie gelegt werden. Bezüglich der Schnittstellen ist festzuhalten, daß standardisierte Schnittstellen zukünftig ganz ohne Zweifel eine der größten Herausforderung an richtungweisende Software sind. Dies kann etwa über die Definition von gemeinsamen Data-Dictionaries geschehen, in den Niederlanden existieren dazu Beispiele. Hierbei liegt auf der Hand, daß diese Arbeit - im Sinne einer höchstmöglichen Akzeptanz - am besten von unabhängigen Einrichtungen ausgeführt wird.

5 FAZIT

Die Befragung unter 198 computer-erfahrenen Landwirten und Beratern hat, gerade auch für Softwareentwickler, nützliche Hinweise gebracht. Insgesamt sind die Anwender durchaus mit ihrer benutzten Software zufrieden, wenn auch verschiedentlich Kritik laut wurde. Beim studieren der Anwenderwünsche zeigt sich, daß Softwareentwickler vielfach mit geringem Aufwand zur Verbesserung der Situation beitragen könnten. Weiterhin ist deutlich geworden, daß auch im methodischen Bereich noch Lücken bestehen. Darüber hinaus wird der immer dringendere Bedarf nach standardisierten Schnittstellen sichtbar, insbesondere wenn Integrationsaspekte angesprochen werden.

Hinsichtlich der inhaltlichen Aspekte der Softwareentwicklung konnte abgeleitet werden, daß der offensichtlich dringendste Bedarf im ökonomischen Bereich zu finden ist, vornehmlich Betriebsvergleich, Finanz- und Investitionsplanung sowie Kostenrechnung und Produktionsplanung sind zu nennen.

ABSTRACT

A survey has been conducted asking farmers and advisors possessing a computer about their preferences and needs concerning software. The results show that the 198 respondents are in general satisfied with the software they use. However, there is still much to do for developers of software. The range is wide: It reaches from better documentation with more practical examples as it can be found in user manuals today. Moreover, it has proven that there are urgent needs in standardizing interfaces and integrating software for easier data interchange in a sense that different programs running on a computer share common data. It has been pointed out, in which domains those needs exist and in which areas it is not so necessary to look for integration.

A further point off the survey was to show the domains in which users ask for better software regarding to the conceptual design and the underlying methodical aspects of calculating and presenting decision oriented results. This are mainly the domains of cost accounting, budgeting, inter farm comparison and investment planning.

Literatur

BARRET, J.R. und JONES, D.D. (Hrsg.), 1989. Knowledge Engineering in Agriculture, St. Joseph MI.

DEUTSCHE LANDWIRTSCHAFTS GESELLSCHAFT (Hrsg.), 1988. Knowledge Based Systems in Agriculture - Prospects for Application. Proceedings of the 2nd International Congress for Computer Technology, Frankfurt - Bad Soden a. Ts., June 19-22, 1988.

DEUTSCHE LANDWIRTSCHAFTS GESELLSCHAFT, 1990. Integrierte Programme für landwirtschaftliche Betriebe - Eine Zwischenbilanz. Arbeitsunterlagen B/90, Frankfurt.

KUHLMANN, F. (Hrsg.), 1990. Integrated Decision Support Systems in Agriculture - Successful Practical Applications. Proceedings of the 3rd International Congress for Computer Technology, Frankfurt - Bad Soden a. Ts., May 27-30, 1990.

KUHLMANN, F. und WAGNER, P., 1986. Zur Nutzung der Informationselektronik. In: Berichte über Landwirtschaft, Band 64, Heft 3, Hamburg, Berlin, S.408-440.

SCHMID, P., 1990. SAA - Die IBM System-Anwendungsarchitektur. Vaterstetten bei München.

SPRAGUE, R.H. und WATSON, H.J., 1983. Bit by Bit: Towards Decision Support Systems. In: HOUSE, W.C. (Editor). Decision Support Systems. New York, pp.15-32.

SCHRÖTER, P., 1989. CASHPLAN - Ein Modell zur operativen Planung und Kontrolle landwirtschaftlicher Unternehmen. Dissertation, Gießen.

SCHRÖTER, P. und WAGNER, P., 1990. CASHPLAN - Ein computergestütztes Modell zur kurzfristigen Planung und Kontrolle landwirtschaftlicher Unternehmen. In: Berichte über Landwirtschaft, Band 68(3), 1990, Hamburg, pp.329-371.

WAGNER, P., 1992. Methodische Grundlagen und praktische Entwicklung eines Expertensystems für die Wirtschaftlichkeitsanalyse landwirtschaftlicher Betriebe. In: Agrarwirtschaft, Sonderheft 132. Frankfurt.