Ökonomische Potenziale der teilflächenspezifischen Unkrautbekämpfung

Johannes Lettner, Klaus Hank und Peter Wagner

Unkräuter sind auf Ackerflächen nicht zufällig verteilt. Das Vorkommen von Unkräutern in Nestern kann als statistisch gesichert angesehen werden. Die wirtschaftliche Schadschwelle, die eine Unkrautbekämpfung rechtfertigt, wird oft nur auf 50 % der Ackerfläche erreicht. Eine Unkrautbekämpfung auf Teilflächen kann durch das Echtzeitkonzept oder das Kartierungskonzept erfolgen.
Beim Echtzeitkonzept erfolgt die Positionsbestimmung der Pflanzen und die Herbizidapplikation in einem Arbeitsgang. Die beim Echtzeitkonzept verwendeten Sensoren können nur Pflanzen von Boden unterscheiden. Eine Erkennung der Pflanzenart ist noch nicht möglich. Es muss sichergestellt sein, dass alle erkannten Pflanzen Unkräuter sind. Diese Vorbedingung ist bei Kulturen mit weiten Reihenabständen und bei konservierender Bodenbearbeitung erfüllt. Die Nachrüstung einer vorhandenen Pflanzenschutzspritze verursacht jährliche Kosten von 6.291 DM. Die mögliche Herbizideinsparung liegt zwischen 30 und 70 % gegenüber einer Ganzflächenapplikation. Der Point of Break-Even wird, je nach der erreichten Herbizideinsparung, in Mais bei einer Behandlungsfläche von 63 bis 165 ha, bei konservierender Bodenbearbeitung zwischen 90 und 210 ha erreicht.
Das Kartierungskonzept setzt sich aus zwei Arbeitsgängen zusammen. Zuerst erfolgt die Ermittlung der Verteilung und Dichte der Unkräuter zur Erstellung einer Applikationskarte. Anhand dieser Applikationskarte erfolgt in einem zweiten Arbeitsgang die Unkrautbekämpfung. Zur Positionsbestimmung dient ein DGPS-System.
Die Unkrautverteilung wird mit Hilfe von Boniturergebnissen statistisch ermittelt. Da Satelliten und Sensoren im Moment noch nicht in der Lage sind, einzelne Pflanzen zu erkennen oder nach der Art zu unterscheiden, können sie nicht zur Ermittlung der Unkrautverteilung genutzt werden. Die Kosten für die Unkrautkartierung belaufen sich bei einem Lohnansatz von 20 DM/Arbeitsstunde auf 20-100 DM/ha. Die Jahreskosten für die Ausstattung der Pflanzenschutzspritze mit einem Jobrechner betragen 1.306 DM. Die mögliche Herbizideinsparung liegt zwischen 50 und 70 %. Die notwendige Fläche, um keinen finanziellen Nachteil gegenüber einer konventionellen Ganzflächenapplikation zu erleiden, ist abhängig von der erreichten Herbizideinsparung, den zusätzlichen Arbeitskosten und dem Wert der bisher aufgewendeten Herbizide.
Bei Winterweizen liegt der Point of Break Even zwischen 38 und 277 ha. Steigen die Arbeitskosten für die Kartierung über 65 DM/ha können die zusätzlichen Kosten durch die Herbizideinsparung nicht mehr ausgeglichen werden. Bei Wintergerste kann der Point of Break Even, bis zu zusätzlichen Arbeitskosten von 75 DM/ha im Bereich von 21 bis 191 ha erreicht werden. Der Point of Break Even in Winterroggen liegt zwischen 28 und 195 ha, bei maximalen Arbeitskosten von 60 DM/ha.
Ein Betrieb kann, wenn der Bonituraufwand 2 Stunden pro Hektar nicht übersteigt, bei gehobenen Ertragsverhältnissen und einer Flächenausstattung von 300 ha, bei einem Maisanteil von 30 % und einem Getreideanteil von 60 %, durch Unkrautbekämpfung auf Teilflächen einen finanziellen Vorteil von 469 bis 4.480 DM pro Jahr gegenüber einer konventionellen Ganzflächenapplikation erreichen.
Die errechneten Ergebnisse beziehen sich auf die durchschnittlichen Aufwandmengen und Preise aus dem Jahr 1998.
Klaus Hank, 28.09.2014
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